Spieler im Blickpunkt

Zwischen Genie und Wahnsinn

22. Februar 2021, 20:02 Uhr

Bastian Wiegand (Dritter von links) ist für sein verschmitztes Lächeln bekannt. Foto: Max Diel

Bastian Wiegand ist niemand, der vor Ehrgeiz strotzt, ja sogar ein paar Kilo zu viel mit sich herumschleppt. Und doch ist er unverzichtbar für den A-Ligisten SV Wölf.

„Basti ist wie eine tolle Frau. Im ersten Moment fällt er dir gar nicht so wirklich auf, doch bei genauerem Hinsehen merkst du ganz schnell, was für ein toller Typ und toller Fußballer er ist.“ Das sagt Michael Straub, ein Teil des Trainergespanns des SV Wölf, über seinen Spielgestalter. Für Straub ist Wiegand gar so etwas wie der Inbegriff des SV Wölf. Auf dem Platz glänzt er mit tödlichen Pässen, in der Kabine ist er mit seinem verschmitzten Lächeln einer, der stets für gute Laune sorgt, sein Herz auf der Zunge trägt und nach dem Spiel mit den Alteingesessenen zusammensteht, um über Fußball zu fachsimpeln. Wiegand, nicht mal 24 Jahre alt, hat sich bereits zu einer Gallionsfigur des Vereins entwickelt.

Dem gehört er schon immer an. Und bei ihm ist das wörtlich zu nehmen, denn bereits kurz nach der Geburt haben ihn seine Eltern bei den Wölfen angemeldet. Kein Wunder, immerhin ist fast die ganze Familie schon einmal im Vorstand aktiv gewesen. Und er selbst ist mittlerweile ebenfalls ein Teil dessen. Im Kulturausschuss arbeitet er mit, organisiert Feiern und Fahrten. Mit einem ehrenwerten Ziel. „Wenn ich irgendwann nicht mehr spielen kann, will ich am Seitenrand stehen und dem immer noch eigenständig spielenden SVWölf zuschauen.“ Wiegands Meinung nach funktioniert das nur, wenn tatsächlich Leute wie er am Werk sind. Spieler, die nach dem Spiel nicht gleich das Weite suchen, sondern sich darüberhinaus engagieren. Kein Wunder, dass ihm keine weiteren Hobbys bleiben. Dem SVWölf gebührt seine volle Aufmerksamkeit.

Straub ist darüber froh. Und nicht nur er. Schließlich wird auf dem Platz deutlich, dass Wiegand problemlos eins, zwei Ligen höher spielen könnte. Er sieht Räume, die andere nicht sehen und kann sie bespielen. „Vielleicht bin ich deshalb sogar ganz froh, dass Basti jetzt nicht zu den ehrgeizigsten Spielern im Team zählt, sonst würde er sicherlich bei vielen anderen Vereinen auf dem Zettel stehen“, sagt Straub. Ob Wiegand den Schritt weg vom SV Wölf wagen würde? Das will er selbst nicht abschließend beantworten. Was er allerdings weiß: Sollte ihn der Weg einmal wegführen, wäre es keine Flucht, vielmehr ein Wagnis auf Zeit. Zu sehr liebt er den SV Wölf.

Und er will zuvor noch Ziele erreichen. Meister in der A-Liga werden, mit dem Team in die Kreisoberliga zurückkehren. Warum dies in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist? Wiegand hat Vermutungen. „Nachdem sich bei uns Vereinsikonen wie Michael Hohmann, Marius Böttinger oder Kai Meijs langsam vom Platz zurückgezogen haben, wurde unsere Mannschaft immer jünger. Ich bin mit gerade einmal 23 Jahren schon einer der arrivierten Spieler. Wir haben jetzt ganz viele junge Spieler, bei denen ich zwar denke: Geil, wie sie eigenständiger, fokussierter und konstanter werden, aber eben insgesamt dann doch noch etwas zu grün sind.“ Dabei hat der Personaler bei Kali und Salz in der jüngeren Vergangenheit festgestellt, „dass wir eine sehr anpassungsfähige Mannschaft besitzen. Spielen wir Test- oder Pokalspiele gegen höherklassige Teams, halten wir mit.“ Vielleicht noch nicht in dieser Saison, aber alsbald scheint die Zeit reif für Wiegand und Wölf.

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