Feuer in der Kälte?

"Wahrscheinlich geht es 7:7 aus"

Verbandsliga: Derby-Brennpunkte in Hünfeld, Flieden und Seiferts

21. November 2019, 20:34 Uhr

Für wen endet am Sonntag die Krise, wenn die SG Ehrenberg (rechts Leon Bau) auf die Barockstadt-Reserve (links Daniel Heil und Maximilian Balzer) trifft. Foto: Charlie Rolff

Drei Derbys sollen am vorletzten Spieltag des Verbandsliga-Kalenderjahres über die Bühne gehen. Ganz besonders richtet sich der Blick nach Hünfeld, wo das Topspiel gegen Johannesberg auf dem Programm steht.

Hünfelder SV – SG Johannesberg (Samstag, 14.30 Uhr).

Elf fitte Feldspieler hat Hünfelds Trainer Dominik Weber nur noch zur Verfügung, nachdem sich Offensiv-Allrounder Kevin Krieger den Knöchel gebrochen hat und Mittelstürmer Florian Münkel gesperrt fehlen wird. Immerhin kehrt Abwehrchef Steffen Witzel aus einer Sperre zurück, der zuletzt erkrankte Aaron Gadermann könnte ebenfalls wieder eine Option sein. "Die personelle Lage soll kein Hindernis darstellen. Wir wollen eine gute Leistung zeigen und den jüngsten Aufwärtsauftritt in Johannesberg vergessen machen", unterstreicht Weber. Denn beim 3:0 im Hinspiel setzte die SGJ ein Ausrufezeichen, generell hat der HSV in den vergangenen drei Spielen gegen den Konkurrenten nicht getroffen. "Wobei wir bei unserem letzten Heimspiel der moralische Sieger waren, als wir trotz langer Unterzahl 0:0 gespielt haben. Grundsätzlich wollen wir uns diesmal nicht zu sehr nach dem Gegner richten, anders als im Hinspiel", so Weber.

Auch für seinen Gegenüber Zeljko Karamatic spielt das Duell im August keine große Rolle mehr, vielmehr ist der Respekt enorm: "Hünfeld hat eine richtig gute Serie hingelegt und steht zurecht da oben. Wir wissen, dass es richtig schwer wird, aber an einem guten Tag sind wir in der Lage, jeden zu schlagen - unabhängig davon, wer bei uns spielt", weiß der Coach, der hofft, dass die zuletzt angeschlagenen Spieler wie Kapitän Niklas Zeller, Innenverteidiger Mihai Alexandru Moise und Angreifer Cosmin Stefan Calin rechtzeitig fit werden. Mit einem Sieg wäre Hünfeld fünf Punkte vorn, dann würde der HSV auch auf Platz eins Weihnachten feiern. "Trotzdem haben wir überhaupt keinen Druck. Wir haben die Erwartungen bislang übertroffen", betont Karamatic.

SV Buchonia Flieden – FC Britannia Eichenzell (Samstag, 14.30 Uhr).

'Back in business' ist der SV Flieden dank zweier Siege zuletzt. Nun sollen zwei weitere Dreier bis zur Winterpause folgen, damit in der Restrunde mit Rückkehrern wie Sturmtank Fabian Schaub nochmal angegriffen werden kann. Als Trumpf hat sich Radic' Umstellung in der Defensive herausgestellt, denn mit Nico Hohmann, Andre Leibold, Sascha Rumpeltes, Niko Zeller sowie Torwart Lukas Hohmann stellte der 50-Jährige eine Abwehrreihe mit viel Hessenligaerfahrung auf. Das Derby gegen Eichenzell soll nun unbedingt auf Rasen ausgetragen werden, "denn danach kann sich der Platz lange erholen. Aber egal wo, entscheidend wird die Einstellung sein. Wir sind wieder in der Spur und wollen das bleiben. Deshalb sind die Jungs bis in die Haarspitzen motiviert", lässt Radic durchblicken, der wieder auf Marc Röhrig (Radic: "Ein ganz wichtiger Mann) bauen kann.

Ganze 20 Tage hingegen ist Eichenzells letztes Spiel bereits her. Die Mannschaft von Trainer Heiko Rützel ist demnach komplett aus dem Rhythmus, wenngleich der Coach betont, "dass uns die Pause eigentlich ganz gut getan hat. Wir konnten regenerieren, was insbesondere die angeschlagenen Spieler nötig hatten. Jetzt dürfen wir zur Abwechslung mal wieder spielen. Dass wir als klarer Außenseiter nach Flieden fahren, sollte allen klar sein. Dennoch brauchen wir unbedingt Punkte." Die Spannung sei in den vergangenen Wochen nicht verloren gegangen, zu wichtig seien die verbleibenden Spiele vor der Winterpause. "So ein Derby hilft bei der ganzen Sache. Die Jungs sind heiß, zumal sich viele Spieler untereinander sehr gut kennen. Spiele gegen Flieden machen immer Spaß", frohlockt Rützel.

SG Bad Soden – OSC Vellmar (Samstag, 14.30 Uhr).

Genervt waren die Römmich-Mannen nach der Niederlage in Willingen, doch ein ganz neuer Teamgeist hat sich daraus entwickelt. "Die Jungs pushen sich hoch. Ich dachte, dass die Mannschaft vielleicht in ein Loch fällt. Doch eine ganz neue Euphorie hat sich entwickelt. In der WhatsApp-Gruppe und im Training ist dies spürbar", sagt Anton Römmich. Gegen Vellmar wird nun die starke Heimserie (sechs Siege, drei Remis, null Niederlagen) auf die Probe gestellt. "Wir wollen die Serie ausbauen. Bereits im Hinspiel hatten wir sie am Rande einer Niederlage. Vellmar ist spielerisch sehr stark, weshalb ihnen der Kunstrasen bei uns entgegenkommt. Wir müssen sehr konstant stehen, dürfen die Fehler im Spielaufbau nicht wiederholen und müssen in der Box an unsere Stärke glauben", lässt Römmich verlauten. Gelegen kommt es, dass mit Khaibar Amani und Daniele Fiorentino zwei Stürmer wieder Optionen sind.

SG Ehrenberg – SG Barockstadt II (Sonntag, 14.30 Uhr).

Zwei Mannschaften, die das Momentum definitiv nicht auf ihrer Seite haben, treffen in der Rhön aufeinander. Ehrenberg verlor zuletzt fünf Partien, kassierte dabei 21 Gegentreffer. Die Barockstadt-Reserve hingegen unterlag dreimal in Folge und musste 14 Gegentore hinnehmen. "Wahrscheinlich geht es jetzt 7:7 aus", meint SGB-Coach Marco Lohsse süffisant. Der 40-Jährige stellt jedoch klar, dass beide Teams undankbare Aufgaben dabei zu bewältigen hatten. Für sein Team gelte es nun, auf einem wohl schwierigen Platz in Seiferts mit den Gegebenheiten klarzukommen: "Fußball wird nicht immer nur gespielt. Der Kampf muss jetzt unbedingt vorhanden sein. Einfache Fehler dürfen uns nicht passieren, denn in den vergangenen Spielen war es teilweise eine ganze Reihenfolge an unnötigen Dingen." Der Schlendrian, den die SGB-Reserve derzeit besitzt, soll der Vergangenheit angehören, wenngleich Lohsse betont, "dass uns aktuell eine komplette Defensivreihe ausfällt."

Sein Gegenüber Robert Schorstein ist derzeit weniger zu Scherzen aufgelegt, denn zu sehr nagen die letzten Wochen an ihm. Besonders die erneut hohe Niederlage in Vellmar kann der Spielertrainer nicht schönreden: "Die Stimmung war danach richtig mies. Lustigerweise hatten wir am Samstagabend noch Einstandsfeier." Der Frust wurde also ein Stück weit ertränkt, doch der Eindruck bei Schorstein bleibt: "Wir treten derzeit wie ein Absteiger auf. Es ist nicht schlimm, wenn wir verlieren. Es geht um das Wie. Es ist schwer, die Jungs Woche für Woche zu motivieren. Wir können es ja eigentlich. Ich stelle mich immer vor das Team, doch nun sind die Jungs schlichtweg gefordert." Drei Punkte am Wochenende sind für den 31-Jährigen deshalb noch weit weg, ein guter Auftritt sei viel wichtiger. "Es geht nicht darum, wer den besten Pass spielt. Auf dem Boden ist das gar nicht möglich. Wir müssen alles reinwerfen. Jetzt ist die beste Jahreszeit, um gegen einen qualitativ besseren Gegner etwas mitzunehmen", weiß Schorstein.

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