27.11.2019

Vier Rote Karten, Attacken und ein Buch

Auf einen Glühwein mit Schiedsrichter Jürgen Weilmünster

Jürgen Weilmünster (rechts) mit Torgranate-Redakteur Steffen Kollmann.

Der Großenlüderer Jürgen Weilmünster gehört zu den bekanntesten Schiedsrichtern der Region. Auf einen Glühwein hat sich der 55-Jährige zu seinem jüngsten Spiel, den kürzlich erfolgten Attacken gegen Referees und seine künftigen Projekte geäußert.

Zunächst einmal etwas Tagesaktuelles: Am Sonntag haben sie beim B-Liga-Spiel zwischen Welkers II und Elters/Eckweisbach/Schwarzbach II (3:2) vier Gästespieler vom Platz gestellt. Was war da los?

Elters ist der Verein, den ich in meiner Laufbahn am meisten gepfiffen habe. Ich pflege ein tolles Verhältnis mit ihnen. Aber leider gab es in dieser Partie einige Spieler, die die Regeln nicht so wirklich beherrscht haben. Eine Gelb-Rote Karte musste ich geben, weil ein Spieler den Platz bei einer Auswechslung nicht schnellstmöglich verlassen hat, obwohl ich ihn mehrfach darauf hingewiesen habe, dass er das nach den neuen Regeln tun muss. Ein anderer hat meine Autorität untergraben, indem er geklatscht hat. Dazu wurde ein Ball von einem Spieler auf der Torlinie mit der Hand geklärt und nach der Partie gab es noch eine persönliche Beleidigung. Dabei war es ein ganz normales Spiel, keineswegs überhart.

Ein großes Thema zuletzt waren die vielen Attacken gegen die Unparteiischen. Wie nehmen Sie diese Taten auch angesichts Ihrer eigenen Erfahrungen wahr?

Man hat ein mulmiges Gefühl, früher war das nicht so. Jetzt gibt es viel schneller verbale Entgleisungen, zudem hat das Gewaltpotenzial zugenommen. Ich weiß nicht, woran das liegt, man kann es aber nicht darauf schieben, dass der Anteil der Migranten gestiegen ist.

In den sozialen Netzwerken haben Sie angekündigt, ein Buch zu schreiben. Worauf können sich die Leser einstellen?

Wir haben jetzt einen Arbeitstitel: „Howie – ich erzähle alles. Ein Schiedsrichter packt aus.“ Da wird ein Schiedsrichter von einer anderen Perspektive betrachtet. Früher haben mich viele Leute als arroganten Kerl gesehen, jetzt lernen sie ganz andere Seiten kennen. Viele Facetten aus meiner Laufbahn, unter anderen aus der Hessenliga, kommen vor, viele Sachen zum Schmunzeln sind dabei. Und auch ganz ernste Themen. Zum Beispiel vor meiner Schiedsrichterkarriere, als ich noch als Spieler aktiv war und mein Bruder umgekommen ist. Es ist keine Autobiographie, sondern ein Sammelsurium, was ich als Fußballer und Schiedsrichter erlebt habe. Das Buch soll erscheinen, sobald ich meine Schiedsrichterkarriere beendet habe. Davor soll mein Abschiedsspiel stattfinden. Eigentlich wollte ich längst aufhören, aber ich habe für meinen Verein Teutonia Großenlüder weitergemacht. Denn wenn ich mein Soll vorige Saison nicht erfüllt hätte, wäre der Verein mit dem einen Punkt Abzug abgestiegen.

Autor: Steffen Kollmann

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