08.01.2020

Vier Jahre lang in der höchsten Liga überhaupt

Der FSV Germania Fulda erlebte mehrere Glanzzeiten

Szene aus Verbandsliga-Tagen der Germanen: Zeljko Karamatic (rechts) lässt hier im Derby gegen den TSV Neuenberg seinen Gegenspieler Roland Vogler aussteigen. Fotos: Charlie Rolff

Die jüngeren werden sich wundern, aber die älteren Fußballfans wissen es noch ganz genau: Es ist schon eine Weile her, doch einst war der FSV Germania Fulda neben Lokalrivale Borussia das Aushängeschild im osthessischen Fußball.

Sogar ein Jahr Hessenliga spielten die Germanen. Dazu etliche Jahre II. Amateurliga (gleichzusetzen mit der heutigen Gruppenliga) und später über ein Jahrzehnt Verbandsliga, die damals noch Landesliga hieß. Das Tor zur Hessenliga stand mehrfach offen, die besten Spieler der Region tummelten sich im Verein.

Vor dem zweiten Weltkrieg spielte der FSV vier Jahre mit Borussia Fulda und Hessen Hersfeld in der Gauliga, der damals höchsten Liga überhaupt. 1934 war das, ehe 1938 gemeinsam mit Borussia Fulda der Abstieg stand. Nur wenig später wurde der Spielbetrieb ob der Kriegswirren eingestellt.

Den ersten großen Erfolg nach dem zweiten Weltkrieg feierte die Germania 1951: Damals wurde Fulda hinter dem FV Horas Vizemeister der Bezirksklasse und schaffte den größten Erfolg der Vereinsgeschichte, als man sich als Hessenpokalsieger für die Hessenliga, die damals noch erste Amateurliga hieß, qualifizierte. Das Finale blieb bis heute eines der größten und wichtigsten Spiele des Clubs, als vor 2500 Zuschauern in Mühlheim ein 3:0 gegen die SG Hoechst eingefahren wurde. Helmut Kreuzberg, Hendler und „Edi“ Zaczyk markierten die entscheidenden Treffer. Mit dabei waren Spieler wie Torwart Karl Flinner, Stopper Hugo Zaczyk, Franz Klug, Gerhard Atzert und die Hendler-Brüder August und Heinz. Trainer war Fritz Teufel.

Oft ans Tor zum hessischen Oberhaus geklopft

Bis heute unvergessene Highlights waren im Hessenligajahr die Derbys gegen Borussia Fulda (3:5, 0:2) und den FV Horas (1:0, 5:4). Nach nur einem Jahr ging es aber wieder eine Liga nach unten.

Fortan gab es eine ganze Menge an Spielzeiten, an denen die Germanen erneut ans Tor zur höchsten hessischen Liga klopften. Immer vergebens: 1953 wurde beispielsweise in Friedberg vor über 3000 Besuchern mit 2:5 das entscheidende Spiel gegen die Spvgg. aus Neu-Isenburg verloren.

Drei Jahre später ging es erneut in die Aufstiegsrunde, der Coup wurde aber gegen den VfR Bürstadt (5:3, 1:8) und Eintracht Großenritte (1:1, 4:2) haarscharf verpasst.

Auch 1959 spielte man nochmals um den Aufstieg in die erste Amateurliga (Hessenliga), als die Germania sich in der zweiten Amateurliga ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem SV Neuhof lieferte. Doch selbst die herausragende Heimbilanz von 24:2-Punkten reichte „nur“ zur Vizemeisterschaft, weil der FSV am letzten Spieltag sensationell 0:2 gegen die SG Sontra verlor und so den Titel aus der Hand gab.

Das Who-is-Who der Trainergilde am Gallasiniring

Uwe Brehler war eine feste Germanen-Größe.

Was folgte war der Tiefschlag in Form des Abstiegs und es dauerte bis Mitte der 1980er-Jahre, ehe die Germanen wieder angriffen. Und wie: Erst stand 1985 die Meisterschaft in der Kreisoberliga Mitte (damals noch A-Liga Mitte) vor der SG Kleinlüder zu Buche. Trainer war Wolfgang Becker, beste Torschützen Anton Polzer (16) und Stefan Kern (14). Vier Jahre später war die Germania wieder in der damals noch viertklassigen Verbandsliga Nord (damals Landesliga Nord) angekommen, als die Konkurrenz in der Gruppenliga (Bezirksklasse) um Meilen distanziert wurde. Manfred Klüh war Trainer der Meistermannschaft, die nach der Winterpause mit unglaublichen 13 Siegen am Stück startete. Im Tor stand damals Uwe Wiegand, 19 Tore schoss Uwe Fuchs, 18 Treffer steuerte Joachim Knothe bei. Pünktlich zum 80-jährigen Jubiläum war Germania Fulda wieder auf die Verbandsebene zurückgekehrt.

Dort spielte man im Anschluss zwölf Jahre am Stück. Mit Fred Schaub (schoss Eintracht Frankfurt als Spieler zum Uefa-Cup-Sieg), Wayne Thomas (der Waliser bestritt 61 Bundesliga- und fast 150 Zweitligaspiele) oder Billy Donougher (ausgebildet beim FC Liverpool) gab sich das Who-is-Who der Trainergilde die Klinke in die Hand. Leute wie Top-Torjäger Thomas Hack spielten in dieser Zeit am Gallasiniring und auch jetzt war der Verein wieder nah dran am Hessenliga-Aufstieg. So 1992 unter Harald Borngräber, als die Germanen mit Spielern wie Thomas Freier, Arno Schenkel, Uwe Brehler oder Arno Hondl Vizemeister hinter dem SC Neukirchen wurden.

Freier Fall in den 2000ern

Doch dann kam der tiefe Einbruch: 2000 konnte der neuerliche Abstieg noch durch ein unvergessenes Spiel gegen Jahn Calden abgewehrt werden. 2:3 lag Germania in der 90. Minute hinten, musste aber gewinnen. In der sechsminütigen Nachspielzeit wurde Adrian Pavlosvki mit zwei Toren zum Helden beim 4:3-Erfolg. Ein Jahr später begann der freie Fall. Vier Abstiege innerhalb von fünf Jahren ließen den FSV hart in der B-Liga Fulda/West aufschlagen. Über 700 Gegentore kassierte der Verein in dieser kurzen Zeit. Der komplette Umbruch wurde vollzogen.

Was bleibt, sind unvergessene Momente: 7000 Zuschauer gegen Schwaben Augsburg im Jahr 1948 beispielsweise. Auch das Jahr 1976 bleibt unvergessen, als über 3000 Zuschauer das erste Derby gegen Borussia nach 25 Jahren Pause sehen wollten. Vielleicht die verrücktesten Spiele waren das 7:6 in der Landesliga gegen Eiterfeld (1988, drei Tore Wolfgang Wobido), das 5:8 nach Verlängerung im Hessenpokal gegen Bad Vilbel oder aber der 12:1-Heimsieg in der Landesliga Nord gegen die SG Borken/Freudenthal, als die Germanen im Topspiel als Dritter den Zweiten zweistellig vom Feld fegten. Damals trafen Zeljko Karamatic, Thomas Hack (beide je vier Tore), Nenad Grozdanic (2), Mustafa Sarac und Alexander Schuster. / kr

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