Auf einen Glühwein

"Unsere Familie lebt für den Fußball"

Mike und Marco Gaul über einen Schock, Impulsivität und Fußballtennis bis in die Morgenstunden

20. Dezember 2019, 20:00 Uhr

Mike (links) und Marco Gaul (rechts) sprachen bei einem Glühwein mit Torgranate-Redakteur Christian Halling.

Wenn bei Gauls in der Familienkneipe "Weißen Taube" in Bellings Feiern anstehen, dann ist der Fußball Thema Nummer eins. Nicht zuletzt seitdem Marco Gaul (31) beim Gelnhäuser Kreisoberligisten SV Pfaffenhausen seinem Onkel Mike (52), der beim Fuldaer Süd-Kreisoberligisten FV Steinau tätig ist, als Trainer nacheifert. Auf einen Glühwein erzählt der frühere Fliedener Marco Gaul von seinem turbulenten Jahr 2019, Mike Gaul von einer grauen Maus - und auch das Thema Impulsivität kommt nicht zu kurz.

Marco, Du hast einmal mehr ein bewegtes Jahr hinter Dir, gerade was deine Gesundheit angeht ...

Marco Gaul: Ja, es war verrückt. Ich war heilfroh, dass ich in der vergangenen Wintervorbereitung nach meinen Beschwerden am Knie endlich wieder kicken konnte. Doch leider ging es nicht lange gut, denn kaum ging die Restrunde los, da hatte ich plötzlich eine Blutung im Hirn, die völlig überraschend kam. Das war erst mal ein Schock für meine Familie und mich. Glücklicherweise ist die OP dann super verlaufen, ich habe mich innerhalb eines Jahres, größtenteils in der Reha, herangekämpft und bin wieder in der Lage, Fußball zu spielen. Imponiert hat mir die Reaktion meines Vereins SV Pfaffenhausen. Die haben alles intern geregelt, damit ich mich voll auf meine Gesundheit konzentrieren konnte. Das war sensationell.

Mike, beim FV Steinau hat man mittlerweile den Eindruck, dass Ihr völlig unter dem Radar verschwindet und zur grauen Maus in der Kreisoberliga verkommt ...

Mike Gaul: Platz neun entspricht absolut nicht unseren Anforderungen. Es fehlt die Qualität in der Breite. Gegen Ende der Hinrunde habe ich die Jungs dann forscher spielen lassen, wir sind weiter vorne draufgegangen, haben uns mehr Chancen herausgespielt, diese aber oft nicht genutzt. Die Gegner waren meist sehr effizient, während wir dann hinten raus unserer Spielweise Tribut zollen musste. Wir müssen früh aggressiv draufgehen, weil Tiki-Taka können wir nicht.

Deine Kinder, Mike, Laura in Lütter und Luca in Flieden sind auch am Ball. Wie kann man sich das vorstellen, wenn die Gauls wie jetzt an Weihnachten als Familie zusammensitzen?

Marco Gaul: Auf jeder Feier geht es nach dem "Hallo" eigentlich gleich um Fußball. Wir haben die Mannschaften und Ergebnisse der anderen immer im Blick. Und wenn wir dann so diskutieren, bin ich mit meinem Onkel fast immer auf einer Wellenlänge.
Mike Gaul: Das sehe ich ähnlich. Unsere Familie steht eng zusammen und lebt für den Fußball. Ich bin da auch meiner Frau Sonja sehr dankbar, die immer mitzieht und manchmal am Wochenende auf alle drei Sportplätze fährt, wo meine Kinder und ich aktiv sind. Marco und ich diskutieren sachlich und versuchen uns gegenseitig zu unterstützen, ist doch klar.

Ihr seid beide gerne mal Heißsporne. Wer ist denn der Impulsivere von Euch beiden?

Mike Gaul: Als Trainer haben wir bisher nur einmal die Klingen in einem Testspiel die Klingen gekreuzt, wo Marco noch nicht spielen konnte. Da hat der Marco einmal gerufen, ich solle mich doch um meine Spieler kümmern und er kümmert sich um seine. Da hat es mal kurz geraucht. Ich glaube, so viel geben wir uns da nicht.
Marco Gaul: Ich bin froh, dass ich noch selbst spielen kann und somit ein wenig Dampf rausnehmen kann, was das Trainersein angeht. Ich finde schon, dass ich ruhiger als früher geworden bin, wobei es für mich eine enorme Qual war, als ich nicht spielen durfte und nur draußen am Rand gestanden habe. Hitzig wird es immer, wenn wir Fußballtennis gegeneinander spielen. Da wird sich nichts geschenkt.
Mike Gaul: Das geht manchmal bis in die Morgenstunden, wenn wir Fußballtennis spielen auf der Straße in Bellings. Da ist Circus Roncalli nix dagegen. Ich glaube, Marco hat bei mir auch noch ein paar Wettschulden ausstehen.

Wie sieht Eure Zukunft in den jeweiligen Vereinen aus?

Marco Gaul: Ich habe dem SV Pfaffenhausen mit zwei weinenden Augen für die nächste Saison abgesagt. Ich glaube ich muss lange danach suchen, um noch einmal so einen top geführten Verein mit solch einer klasse Atmosphäre zu finden. Es ist nur so, dass sich die Prioritäten verschoben haben, weil ich im Frühjahr zum ersten Mal Vater werde und der Aufwand dann einfach zu groß wird. Ich bin noch unschlüssig, wie ich nächste Saison weiter verfahren möchte.
Mike Gaul: Ich war in Bellings, Oberzell und Mittelkalbach und mittlerweile 20 Jahre im Geschäft. Ich lasse die Leine eigentlich nicht nach zwei Jahren fallen. Wir wollen uns im Frühjahr zusammensetzen und packe bis dahin die Lupe aus. Das ein oder andere hat mir nämlich schon nicht gepasst.

Autor: Christian Halling

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