11.11.2019

Ungewohnte Atmosphäre am Fuße des Kalibergs

Hessenliga: Highlightspiel für Neuhof auch ein Höhepunkt für die 200 Kasseler Fans

Kassels Matchwinner der Vorwoche, Lukas Iksal (links), nimmt die Verfolgung von Neuhofs Kenan Vatic auf. Foto: Kevin Kremer

Nach dem 4:1 in Neuhof und dem damit sechsten ungeschlagenen Hessenligaspiel in Folge kann man im Lager des KSV Hessen Kassel langsam wieder vom Aufstieg in die Regionalliga Südwest sprechen. Der SV Neuhof durfte sich immerhin einer klasse und wohl selten dagewesenen Atmosphäre in der Glückaufkampfbahn und eines starken Jokers erfreuen.

Der Unterschied zwischen beiden Teams auf dem gründlich beackerten Rasen lag letztlich in der Klasse, die Kassel aus der Distanz aufzuweisen hatte. Großes Kino, wie erst Marco Dawid unmittelbar nach Wiederbeginn mit seinem trockenen 18-Meter-Schuss neben den Pfosten auf 2:0 stellte (50.) und nur zwei Minuten später der ehemalige Profi Alban Meha einen Freistoß künstlerisch perfekt in den Giebel setzte. „Den trifft er wahrscheinlich auch nicht jeden Tag so“, konnte SVN-Trainer Alexander Bär nur beeindruckt konstatieren. Für den 48-Jährigen war der Doppelschlag kurz nach der Pause entscheidend, nachdem Sebastian Schmeer die Gäste zu einem für Neuhof unglücklichen Zeitpunkt unmittelbar mit dem Pausenpfiff in Führung gebracht hatte. Bisweilen mutig hatte Bärs Team über weite Strecken agiert, konnte aber im Endeffekt auch froh sein, dass erneut Meha nach der besten Ballstafette der Nordhessen wiederum nur zwei Minuten nach dem 3:0 am Pfosten scheiterte.

Als belebendes Element beim SVN zeigte sich einmal mehr Baris Özdemir nach seiner Einwechslung. Nicht nur der Ehrentreffer ging auf seine Kappe (65.). Um ein Haar hätte der ehemalige Hanauer kurz darauf gar auf 2:3 gestellt. Bär erkannte, „dass Baris Leben reingebracht hat. Blöd, dass zu dem Zeitpunkt das Spiel schon verloren war.“ Welche Qualität die Gäste besitzen, spiegelt nicht nur die Tatsache wider, dass mit Mahir Saglik ein weiterer Ex-Profi noch auf 4:1 stellte (88.). Die spielerische Leichtigkeit fehlte der Elf des neuen Coaches Tobias Damm zwar ein Stück weit, doch eine gewisse Selbstverständlichkeit ist seit dem Trainwechsel beim KSV zurück. Fünf Siege seitdem belegen das.

Kein Wunder, dass der rund 200 Mann starke Gästeanhang in Neuhof trotz Temperaturen um die drei Grad richtig heiß auf das Spiel und gut drauf gewesen war. Ein bisschen Stadionatmosphäre zog schon unter dem Monte Kali herein, die die Seele eines jeden Fußball-Enthusiasten erwärmt haben dürfte. Das Flair aus Kali-Berg, Dorfsportplatz, Flutlicht sowie einer reiselustigen und frenetischen Schar an Kasseler Fans machte die Partie absolut erlebenswert.

Dass die Löwen-Fans lieber wieder die Stadien der Regionalliga bereisen wollen, ist beileibe kein Geheimnis. Doch das eine oder andere Mal macht ihnen die Hessenliga dann doch Spaß. „Das Bier kostet nur zwei Euro“, „Das Steigerlied vor Spielbeginn ist schon geil“ oder „Der Grillmeister grillt mit Zigarette im Mund“ waren nur einige Bemerkungen. Neuhof war für die Nordhessen auf alle Fälle eine Reise wert, denn von einer vollen Punktzahl auf der Skala für ehrlichen Amateur-Fußball sprachen die KSV-Fans. / tok

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