29.11.2018

Trotz 0:4-Schlappe: Hanau 93 auf Hessenliga-Kurs

Verbandsliga Süd: Souveräner Spitzenreiter

Hanaus Sportlicher Leiter Giovanni Fallacara möchte die Niederlage gegen Altwiedermus nicht zu hoch hängen. Archivfoto: Mithat Gürser

Trotz der vor allem in dieser Höhe völlig unerwarteten ersten Saisonniederlage gegen Abstiegskandidat Eintracht Altwiedermus befindet sich der souveräne Verbandsliga-Süd-Spitzenreiter 1. Hanauer FC 93 deutlich auf Hessenliga-Kurs. Die fast schon unglaubliche 0:4-Schlappe gegen den Aufsteiger aus dem Büdinger Kreis wird den Traditionsklub auf dem Weg in Hessens Beletage kaum aufhalten können.

Die ausgesprochen positive sportliche Phase - die Schwarz-Weißen waren zuvor in 17 Saisonspielen ungeschlagen geblieben und beendeten die Hinrunde ohne Niederlage - hat durch den Husarenstreich des Kontrahenten aus dem Ronneburger Ortsteil zwar einen Riss abbekommen. Dennoch ist das Punktekonto der Hanauer mit 41 Zählern prall gefüllt. Mit komfortablen neun Punkten Vorsprung führt der HFC die Tabelle vor dem punktgleichen Verfolgertrio RW Walldorf, Hanau 1960 und Germania Ober-Roden an. Der Sportliche Leiter Giovanni Fallacara hat einfache Erklärungen für den extremen Ausrutscher: "Unser linkes Mittelfeld hat defensiv nicht stattgefunden. Vor allem ein Spieler hat seine Position nicht eingehalten und so fielen die ersten drei Gegentore über diese Seite. Ehe wir reagieren konnten, stand es schon 0:3. Der Gegner hat das einfach gut ausgenutzt."

Erst als nach 35 Minuten Michel Gschwender den indisponierten Enis Muratoglu ersetzt hatte, wurde es besser. Der haushohe Favorit konnte der verkorksten Partie aber trotz glasklarer Möglichkeiten keine Wende mehr verleihen und kassierte im zweiten Abschnitt noch ein weiteres Gegentor gegen den Underdog. "Auch Altwiedermus kann kicken, das ist keine A-Klasse-Mannschaft. So Tage kann es geben, das sind die Lehren des Fußballs. Das Engagement war da, aber wir haben den Gegner unterschätzt. Doch von einem faulen Apfel wird der ganze Korb nicht schlecht", hakt Fallacara die Niederlage ab. Die übrigens auf anderen Verbandsliga-Plätzen als Irrtum eingestuft wurde, denn der Schiedsrichter hatte zunächst das erwartete 4:0 als Resultat eingetragen, um sich Minuten später zu revidieren.

Sieht man von dieser Episode ab, ist die Saison für die 93er vor dem abschließenden Heimspiel gegen Rot-Weiss Frankfurt "perfekt gelaufen", wie der umtriebige Sportdirektor erläutert: "Das haben wir uns in dieser Form niemals erträumt. Zwar wussten wir, dass die Mannschaft gute Charaktere hat, aber in der Verbandsliga Süd ist es keineswegs einfach, so konstant zu sein. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Team mal eine Vorrunde ungeschlagen überstanden hat." Aufgrund des Tabellenstandes laufen an der Kastanienallee die Planungen auch verstärkt Richtung Fünfte Liga, denn keiner zweifelt daran, dass die 93er ab Sommer 2019 Hessenliga-Status genießen werden.

Amani und Suljic schlugen voll ein - 2019/20 Hessenliga der Superlative?

"Ein Polster dient dazu, sich Fehler leisten zu können. Es müsste aber schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir uns diesen Vorsprung noch nehmen lassen sollten", gibt sich der Italiener selbstbewusst. Mit Khaibar Amani (Hessen Dreieich) und Feta Suljic (TS Ober-Roden) wurde der Sturm vor der Saison entscheidend verstärkt. Die beiden Neuzugänge führen die interne Torschützenliste mit elf respektive neun Treffern an. Dazu bringt Defensivmann Tim Fliess, der mit Amani im Doppelpack vom Hessenliga-Meister kam, Stabilität in die Defensive. 18 Gegentore stellen die beste Abwehr der Liga dar, 46 Tore sind angesichts der Ausgeglichenheit der Süd-Staffel ein guter Bestwert. Um in der Hessenliga eine gute Figur abzugeben, müssen aber für den Fall der Fälle noch einige organisatorische Hürden genommen werden.

Der ehemalige Süd-Zweitligist (Saison 1978/79) trägt seine Heimspiele in Kesselstadt an der Kastanienallee aus. Ein überschaubarer Sportplatz mit familiärer Atmosphäre mit viel zu kleinen Umkleidekabinen. "So können wir hier keine Hessenliga anbieten. Der Verein ist in der Pflicht, die Kabinen zu sanieren und auszubauen. In den Gremien laufen diesbezüglich Gespräche, denn alle haben Lust auf die Hessenliga", verdeutlicht Fallacara. Die Stadt Hanau unterstütze das Projekt, aber die Finanzierung müsse hauptsächlich der Verein tragen. Ansonsten bliebe nur die Option, in das 15.000 Zuschauer fassende Herbert-Dröse-Stadion umzuziehen, welches bis 1999 die Heimat der 93er war und nun vom Lokalrivalen SC 1960 genutzt wird.

"Wenn das mit der Sanierung der Kabinen klappt, können wir uns vorstellen, auch an der Kastanienallee Hessenliga zu spielen. Die Hausaufgaben liegen bei uns, wir sind am Zug. Ich bin guter Dinge, dass es klappt", ist Fallacara optimistisch. Der Sportdirektor glaubt, dass die Hanauer die höhere Spielklasse annehmen würden: "Der Hanauer sieht gerne gute Spiele. Schaffen wir den Aufstieg und zieht unser Lokalrivale nach, hätten wir womöglich mit Bayern Alzenau, Hessen Kassel, Barockstadt Fulda sowie möglichen Regionalliga-Absteigern wie Hessen Dreieich und dem FSV Frankfurt - was ich ihnen ausdrücklich nicht wünsche - eine Hessenliga der Superlative. Die Zuschauerzahlen könnten dann auch in Hanau massiv steigen."

Autor: Pedro Acebes

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