Lars Mertelmeyer beim 1. FC Magdeburg

Traum entpuppt sich als Realität

01. April 2021, 09:03 Uhr

Lars Mertelmeyer hat seinen Traum verwirklicht und arbeitet mittlerweile als Fitnesscoach beim 1. FC Magdeburg. Foto: Christian Schroedter/imago images

Vor sieben Jahren, als sich Lars Mertelmeyer studienbedingt Richtung Magdeburg orientierte, hatte er eine Vorstellung: vielleicht in den Profi-Fußball hineinrutschen. Doch er war kein Träumer, wusste, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist. Jetzt ist aus dem Wunsch des gebürtigen Bad Hersfelders Realität geworden. Er ist Reha- und Athletiktrainer beim Drittligisten 1. FC Magdeburg.

Lars Mertelmeyer. Ein Name, der in Osthessen nicht ein allzu großes Thema ist. In Bad Hersfeld geboren und aufgewachsen, ist der 32-Jährige dort seine ersten fußballerischen Schritte gegangen. Die Jugend verbrachte er beim SVA, ehe er kurzzeitig bei den Senioren für den SSV Eichhof und schließlich bis 2015 für den TSV Ufhausen auflief. Anschließend schnürte er die Schuhe meist nur noch auf dem Trainingsplatz in Magdeburg, um mit seinem Wissen die Spieler auf ein optimales Fitness-Level zu heben.

Das dazu erforderliche Wissen hat er sich über Jahre angeeignet. 2014 zog es ihn zum Master-Studium im Bereich Sportwissenschaften nach Magdeburg, nachdem Mertelmeyer seinen Bachelor in eben jenem Studiengang in Göttingen abgelegt hatte. Mit dem Sport wollte er unbedingt seinen Lebensunterhalt verdienen, und so kam ihm nach seinem Umzug in die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts die Idee, während seiner Master-Zeit ein Praktikum bei seinem jetzigen Arbeitgeber zu absolvieren. Mertelmeyer, der schon als Personal-Trainer arbeitete, setzte erstmals einen Fuß in die Tür des 1. FC Magdeburg. Und so begann seine Reise, die nach seinem Abschluss in einen Minijob mündete. Die erste Festanstellung folgte 2018 im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Clubs, 2020 schließlich gelang der Sprung zu den Profis.

Für ihn selbst lässt sich bereits jetzt, am Anfang seiner Karriere, zurückblickend feststellen, „dass der Schritt 2014 der exakt richtige war. Es hat sich anschließend vieles ergeben, womit nicht zu rechnen war. Nur, weil man Sport studiert, heißt das ja nicht automatisch, dass der Weg in den Leistungssport führt. Zumal ich damit keine Berührungspunkte hatte.“ Diese baute er sich nach und nach auf, unter anderem arbeitete er im NLZ viele Jahre mit Thomas Hoßmang zusammen, der 2020 Cheftrainer beim FCM wurde und folglich Mertelmeyer in sein Trainerteam einbaute.

"Eine Profi-Abteilung ist immer das Herzstück und hat große Verantwortung"

Die Dankbarkeit des Athletiktrainers dafür ist groß. „Ich kenne Thomas seit fünf Jahren. Wir wussten und wissen noch immer, was wir aneinander haben. Ein solcher Schritt zeigt, dass eine Vertrauensbasis und gegenseitige Wertschätzung vorhanden sind, denn eine Profi-Abteilung ist das Herzstück und hat große Verantwortung“, schildert der 32-Jährige.

Entsprechend schwierig war die Zeit Anfang Februar für ihn, als Hoßmang aus eigenem Antrieb seinen Stuhl räumte. Neue Impulse im Abstiegskampf der Dritten Liga sollten her. „Zuerst tut es einem leid. Im Profi-Business gehören solche Dinge aber leider dazu, weshalb es gilt, weiterzumachen“, sagt der Wahl-Magdeburger. Auswirkungen für ihn selbst hatte der Rücktritt nicht. Mit dem ehemaligen Hamburger Christian Titz übernahm ein bekannter Trainer den Club, „der nun ein paar andere Vorstellungen einbringt, denen wir im Team natürlich gemeinsam gerecht werden wollen.“

Als schwierig lässt sich ebenfalls die erste Saison des Fitnesscoaches beschreiben. Vor zwei Jahren machte der FCM noch einen Abstecher in die Zweite Liga, nun droht der Gang in die Regionalliga Nordost, wenngleich die Leistungen und Ergebnisse (zehn Punkten aus vier Spielen) der zurückliegenden Wochen Mut machen sollten im Kampf gegen den Abstieg.

Vertragsverlängerung noch offen

Ob die Quarantänezeit des Teams in der Sommervorbereitung für die mäßige Saison ein Kriterium ist? Zumindest musste Mertelmeyer beim Antritt seiner Tätigkeit umgehend Schwerstarbeit verrichten. Er erstellte individuelle Trainingspläne, die die Profis in den eigenen vier Wänden abarbeiteten. Deutlich umfassender ist dagegen sein Aufgabengebiet außerhalb der Quarantäneregeln. Die täglichen Mannschaftstrainings gilt es mitzusteuern, zudem fällt die Laufdaten-Analyse in seine Hände. Einen großen Anteil habe er außerdem im Rehabereich. Mit den Physiotherapeuten gilt es, verletzte Spieler wieder aufzubauen, ans Mannschaftstraining heranzuführen und für die nötigen Kraft- und Ausdauereinheiten zu sorgen.

Einiges an Herzblut steckt der gebürtige Hersfelder in seinen Job, weshalb die Zeit fehlt, sich um die Zukunft Gedanken zu machen. Sein Vertrag läuft noch bis zum Ende der Saison. Ob ein Verbleib in der Liga eine Rolle bei einer Verlängerung spielt, vermag er nicht zu sagen. Grundsätzlich will er weiterhin Erfahrungen sammeln, zumal er sich in Magdeburg äußert wohlfühlt.

Den Blick in seine Heimat hat Mertelmeyer indes nicht verloren, lebt doch seine ganze Familie in Osthessen. Der Terminkalender mit den vielen Englischen Wochen lässt einen Abstecher jedoch nur selten zu. „Alle paar Monate komme ich gerne über das Wochenende. Die Familienfeste im engsten Kreis stehen im Vordergrund. Aber hier ist die Zeit ein Faktor“, so der 32-Jährige. Ein Faktor, der im Profi-Fußball nun mal ein sehr begrenzter ist.

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