23.01.2020

Spitzenreiter verspürt keinen Aufstiegsdruck

Hessenliga: Stadtallendorf wieder auf Regionalliga-Kurs

An Stadtallendorf Felix Nolte (rechts, im Duell mit Neuhofs Seokkyoung Yoo) führt im Sturm des TSV kein Weg dran vorbei. Foto: Luca Raab

Nach dem zweijährigen Abenteuer in der Regionalliga Südwest konnte sich der TSV Eintracht Stadtallendorf in der Hessenliga schnell akklimatisieren. Mit 48 Punkten aus 21 Spielen führen die Oberhessen die Tabelle an und befinden sich auf dem besten Weg, um den direkten Wiederaufstieg in die 4. Liga zu schaffen. Für dieses Vorhaben hat das Team des langjährigen Cheftrainers Dragan Sicaja vom Vorstand unter dem Vorsitz von Reiner Bremer längst grünes Licht erhalten, einen Aufstiegsdruck verspüren sie rund um das Herrenwaldstadion indes keinen.

So verlief die bisherige Runde:

Schon am ersten Spieltag wurde mit dem 4:3-Heimsieg gegen den KSV Hessen Kassel ein erstes Ausrufezeichen gesetzt und nur drei Wochen später mit dem 2:2 im Rückspiel der direkte Vergleich gegen die Nordhessen gewonnen, der bei Punktgleichheit am Saisonende den Ausschlag zugunsten der Eintracht geben würde. Kurios war das Gastspiel bei Aufsteiger TuS Dietkirchen, als Stadtallendorf bis in die Nachspielzeit mit 2:1 führte und im Verlauf der zweiten Hälfte mit drei Gelb-Roten Karten bedacht wurde und mit sieben Feldspielern das 2:2 kassierte.

Das Kartenspiel zog sich konstant durch den bisherigen Saisonverlauf. 68 Gelbe Karten, acht Gelb-Rote Karten und eine Rote Karte ergeben in der Fairnesstabelle mit Abstand den letzten Platz. Nicht nur mit der robusten Spielweise verschafften sich die Herrenwälder Respekt, auch spielerisch und taktisch setzten die Sicaja-Schützlinge überwiegend Glanzpunkte.

Nur drei Partien wurden verloren, die erste Anfang September gegen die SG Barockstadt (1:3). Das war die einzige Heimniederlage Stadtallendorfs, denn die restlichen zehn Partien vor heimischer Kulisse wurden gewonnen, womit die Eintracht die beste Heimelf ist. Auswärts verlor man nur in Baunatal (0:1) und Dreieich (0:4), das waren auch die einzigen Partien, in denen der Regionalliga-Absteiger ohne Treffer geblieben war. Ansonsten reihten sich viele Erfolgserlebnisse aneinander an, auch auswärts wurde konstant gepunktet.

Höchster Saisonsieg war das 5:0 gegen den VfB Ginsheim, zudem konnte man nach der Dreieich-Pleite im November noch eine Siegesserie mit fünf Dreiern in Folge starten. Ein weiterer Pluspunkt: Beide Topspiele gegen den FC Eddersheim wurden gewonnen (3:1/2:1), somit sind es fünf Zähler Vorsprung auf den ersten Verfolger plus der gewonnene direkte Vergleich, der für Stadtallendorf spricht.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Eine Stammposition in der Startelf erarbeitete sich der 30-jährige Matthias Pape vom Mitte-Verbandsligisten Sportfreunde/Blau-Gelb Marburg. Er wurde zum Innenverteidiger umfunktioniert, kam in 20 Partien zum Einsatz, markierte ein Tor und bildete ein Duo mit dem langjährigen Kapitän Kevin Vidakovics. Ebenfalls eingeschlagen hat der aus Kroatien gekommene Außenverteidiger Niko Jovic mit 20 Einsätzen. Über Kurzeinsätze nicht hinaus kamen die anderen Neuzugänge wie Philipp Basmaci (SV Wehen Wiesbaden U19) und Liridon Krasniq (Kickers Offenbach U19). Der neue Ersatztorhüter Florian Eidam (SF/BG Marburg) vertrat Stammkeeper Dusan Olujic in drei Punktspielen. Der bereits 40-jährige Routinier Gino Parson stieß zum Ende der Transferperiode im Sommer dazu und kam immerhin auf sieben Einsätze.

In Erinnerung bleibt:

Die ungewöhnlich hohe Anzahl an verschossenen Elfmetern fand sogar bundesweit Beachtung. Neun Strafstöße wurden vergeben, jedes Mal konnte der gegnerische Torhüter ohne Probleme parieren. 34 der 52 Tore gingen auf das Konto der Offensivspieler Laurin Vogt (13), Felix Nolte (12) und Jascha Döringer (9). Besonders beachtlich war der Zuschauerzuspruch. Die Heimspiele gegen Kassel und die Barockstadt waren vierstellig besucht, gegen Eddersheim (927 Fans) fehlte dazu nicht viel. 650 Zuschauer im Schnitt ergeben Platz zwei in der Zuschauertabelle hinter Hessen Kassel. Das weitläufige Herrenwaldstadion mit der Haupttribüne und Stehtraversen auf der Gegengeraden bietet Platz für 5000 Besucher. In der Fankurve gibt es eine aktive Fanszene, die durch kreative Gesänge auf sich aufmerksam macht und die Mannschaft auch auswärts lautstark unterstützt. Die letzten drei Heimpartien mussten witterungsbedingt auf dem höher gelegenen neuen Kunstrasenplatz ausgetragen werden. Dort sammeln sich die Zuschauer dicht gedrängt um das künstliche Grün. Pressevertreter sollten sich ihre Statements direkt auf dem Spielfeld holen, denn der Verein führt in der Hessenliga keine Pressekonferenz durch.

Ausblick:

Vor dem Beginn der Restrunde mit dem ersten Punktspiel des Jahres gegen den KSV Baunatal verspürt Stadtallendorf keinen großen Aufstiegsdruck. Alles kann, nichts muss. Dennoch wollen die Oberhessen die bislang so tolle Saison mit dem Wiederaufstieg krönen. Das ist auch der Anspruch des emotionalen und ehrgeizigen Trainers Dragan Sicaja, der seit mittlerweile acht Jahren in der Ferrero-Stadt Regie führt und alle Höhen und Tiefen miterlebt hat. Er möchte mit Stadtallendorf noch einmal das grandiose Regionalliga-Feeling erleben. Im März und April gastieren die Stadtallendorfer übrigens nacheinander beim SV Steinbach, bei der SG Barockstadt und beim SV Neuhof. Sollten die Oberhessen weiterhin konstant punkten und gut aus der Winterpause kommen und obendrein eine Heimmacht bleiben, steht dem direkten Wiederaufstieg nichts im Weg. Zumal beide Partien gegen die ärgsten Verfolger Eddersheim und Kassel absolviert sind und beide direkten Vergleiche gewonnen sind. Und auch in den Pokalwettbewerben ist Stadtallendorf gut unterwegs. Im Hessen-Pokal steht die Eintracht im Halbfinale und empfängt am 11. März (19 Uhr) den Regionalligisten FSV Frankfurt. Und im Marburger Kreispokal steht noch das Finale gegen den Mitte-Verbandsligisten SV Bauerbach an, das Mitte November wegen des Viertelfinales im Hessen-Pokal beim VfB Ginsheim (4:3) ausgefallen war.

Autor: Pedro Acebes

Kommentieren