03.07.2018

Speuzer-Beben: Vier Stammspieler kurzfristig weg

Verbandsliga Süd: Unstimmigkeiten wegen Kapitänsfrage

Emre Kadimli ist einer von vier Abtrünnigen bei den Sportfreunden. Foto: Jörg Schulz

Paukenschlag beim Frankfurter Verbandsliga Süd-Aufsteiger FFV Sportfreunde 04 zu Beginn der Vorbereitung auf die neue Spielzeit. Kurz vor dem Ende der Wechselfrist am 30. Juni flatterten dem Klub von der Mainzer Landstraße die Abmeldungen von vier wichtigen Leistungsträgern ins Haus. Die Gründe für den kurzfristigen Absprung der Abtrünnigen sind Unstimmigkeiten mit der Sportlichen Leitung in der Kapitänsfrage.

Was für Außenstehende zunächst banal und nicht nachvollziehbar klingt, hat sich in den letzten Tagen an der Mainzer Landstraße zu einem handfesten Eklat entwickelt. Nach dem Durchmarsch von der Kreisoberliga Frankfurt in die Verbandsliga Süd schien es zunächst so, als ob die Aufstiegsmannschaft zusammen bleiben könnte und noch zusätzliche Verstärkungen bekommen würde. Nun müssen die Speuzer aber ohne die Stammspieler Emre Kadimli, Ömer Dursun, Jannis Lerch und Zafer Sancak auskommen. Auch Gökhan Tas hat sich dem Quartett angeschlossen. wäre aber ohnehin aus familiären Gründen kürzer getreten. 

Doch was ist genau passiert? Der bisherige Kapitän Francesco Puglisi wurde während der letzten Saison öfter von Ömer Dursun auf dem Spielfeld vertreten, weil Puglisi als Co-Trainer von Chefcoach Mehmet Tunay Somun eingespannt war. Nun hatte sich Dursun offenbar Hoffnungen gemacht, das Kapitänsamt zu übernehmen, die Sportliche Leitung um Udo Felder wollte aber Jannis Lerch als Mannschaftsführer installieren. "Wir hatten eine interne Sitzung mit einem 20-Punkte-Plan für die kommende Saison. Wir haben uns intern unterhalten und festgelegt, dass Dursun nicht Kapitän der Mannschaft wird. Dieser Beschluss ist aber irgendwie nach außen gedrungen und Dursuns alte Freunde haben sich dazu bewegen lassen, die Abmeldung zu schicken, um uns in dieser Frage unter Druck zu setzen", schildert Felder den Sachverhalt aus Vereinssicht. 

Ein Verhalten, welches sich der Klub nicht bieten lassen könne, wie Felder betont: "Wir haben uns darauf als Verein nicht eingelassen, somit werden diese Spieler nicht mehr für uns auflaufen. Wir können uns nicht von Spielern Dinge aufdiktieren lassen oder ihnen Sonderrechte einräumen. Dann kommen die nächsten vier um die Ecke geschossen und verlangen andere Dinge. Das ist natürlich schade, aber als Verein müssen wir eine klare Linie fahren", macht der Sportliche Leiter deutlich.

Udo Felder: "Wir können uns von Spielern nichts aufdiktieren lassen"

Emre Kadimli sieht die Sache etwas anders und sieht hier den entscheidenden Punkt: "Ich hatte gar nicht vor den Verein zu verlassen und stand hinter der Entscheidung für Lerch als Kapitän. Aber Jannis ist gebeten worden, die Sache bis zum 1. Juli geheim zu halten, um möglichen Abmeldungen vorzubeugen. Die ganze Sache sollte verheimlicht werden und damit haben wir ein Problem. Ich stehe für ehrliche Kommunikation", erläutert Kadimli. 

Weil die vier Fußballer gut befreundet sind und sich mit der Vorgehensweise des Vereins nicht identifizieren konnten, entschlossen sie sich gemeinsam zu diesem radikalen Schritt. Felder hat für dieses Benehmen nur eine konsequente Antwort zu verkünden: "Wir müssen im Sinne des Vereins entscheiden. Solche Angelegenheiten obliegen nicht den Spielern, sondern dem Sportlichen Leiter und dem Trainer", stellt er klar. Und auch Trainer Somun bedauert die ganze Thematik, schaut aber nach vorne: "Leider konnte der Sachverhalt nicht persönlich besprochen und geklärt werden. Wir möchten auch keine schmutzige Wäsche waschen oder nachtreten. Es ist so wie es ist und wir schauen nach vorne." 

Felder glaubt, dass die kurzfristigen Abgänge sportlich zu ersetzen sind: "Es ist gut, dass es jetzt passiert ist und nicht mitten in der Saison. Jetzt haben wir Handlungsmöglichkeiten, um den Qualitätsverlust zu ersetzen. Wir sind da relativ entspannt und verfolgen weiter unser Ziel Klassenerhalt", so Felder, der in den kommenden Tagen neben den schon feststehenden Neuzugängen auch Ersatz für die vier "Abtrünnigen" präsentieren will.

Autor: Pedro Acebes

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