08.06.2018

Sonnur Kiricioglu: "Alles für die SG Bornheim"

Linksverteidigerin multifunktional mit SGB-DNA

Hauptsache, es hat was mit dem Ball und der SGB zu tun: Sonnur Kiricioglu Foto: Verein

Sie verkörpert den Inbegriff eines Vereinsmitgliedes: Als Spielerin, Spielerfrau und Stadionsprecherin ist Sonnur Kiricioglu für die SG Bornheim am Ball. In ihren Aufgaben blüht sie auf und gibt alles. Gleichzeitig zahlt sie dafür einen gewollt hohen Preis.

An einem sonnigen Sonntag Nachmittag mitten in Frankfurt. Nochmal kurz tief durchatmen, dann geht`s los: "Heute bei uns zu Gast der FFV Sportfreunde 04 ...", hallt es durch die Lautsprecher auf dem einladenden Areal der SG Bornheim am Ende der Berger Straße. Zum letzten Heimspiel hatten sich noch einmal gut 300 Fans versammelt, die entweder ihre Grün-Weissen zur Aufstiegs-Kür in die Verbandsliga begleiten wollten oder aber, um die "Speuzer" vom FFV Sportfreunde 04 auf den Aufstiegs-Relegationsplatz zu peitschen. Kurz eingespielte Musik - dann geht es weiter: "Bei den Speuzern mit der Nummer Eins Kofi Deda ...". Hinter der hochkonzentrierten Stimme verbirgt sich eine Frau. Sonnur Kiricioglu, direkt neben dem Sportgelände geboren und aufgewachsen, hat vom Balkon des Vereinsheims aus alles im Griff. "Als ich damals noch in der U16 gespielt habe, war Mario Blechschmidt der Stadionsprecher bei der Damenmannschaft und ich habe ihm immer assistiert. Irgendwann mal bei einem Spiel auf dem Sommerfest nahm ich aus Joke das Mikrofon in die Hand und habe das Spiel kommentiert. Danach kam Jack Hofacker auf mich zu und meinte, dass ich die neue Stadionsprecherin sei, weil meine Stimme passen würde. So habe ich das dann übernommen", beschreibt Kiricioglu die Anfänge ihrer nunmehr sechsjährigen "Moderatoren-Laufbahn".

Zeit für eine leckere Rostbratwurst oder einen Besuch am liebevoll aufgebauten Kuchenbüffet vor dem Vereinsheim bleibt der 27-Jährigen nicht: "Ich muss ja ständig schauen, ob vielleicht ein Tor fällt, und vor allem, wer das dann geschossen hat. Dann muss schnell Musik laufen und die Durchsage gemacht werden. Wenn wir unter der Woche Heimspiele haben, dann ist das anders. Wegen der Lautstärke fühlen sich die Bewohner in unmittelbarer Nähe gestört. Eine Freundin hat mir gesagt, dass man sogar im benachbarten Seckbach hören kann, wer der Torschütze gewesen ist. Wenigstens kann ich mir dann auch mal Spiele als Zuschauer ganz entspannt verfolgen."

Das, was ihr scheinbar so locker und flockig von den Lippen geht, ist mit jeder Menge Arbeit verbunden. "Sobald ich zu Hause anfange, meine Tasche mit meinem Laptop, dem Tablet und den Akkus einzupacken, fängt meine innere Uhr an zu ticken. Ich frage mich, ob ich auch bloß nichts vergessen habe - und dann geht`s ab auf den Sportplatz. Wenn dann die Anlage aufgebaut ist und ich meine ersten beiden Tassen Kaffee getrunken habe, bin ich etwas entspannter. Die nächste Aufregung kommt dann, wenn ich von Ralf Hartmann den Spielbericht bekomme. Ich hoffe, dass ich alle Namen aussprechen kann und lese ihn mir ein paar Mal durch, bevor es ernst wird. Ich hab` das Gefühl, als ob trotz jahrelanger Erfahrung jedes Spiel wie mein erstes ist", gesteht Sonnur mit leicht angespannten Gesichtszügen.

In Sachen Aufstieg machten die "Bornemer" vor einer Woche in Dortelweil schon Nägel mit Köpfen. Wer durfte da auf keinen Fall fehlen? Genau - etwa eine halbe Stunde vor dem Anpfiff habe ich mich mit Sonnur zu einem lockeren Kennenlern-Gespräch verabredet. Nach einer herzlichen Begrüßung schaltete sie sofort um auf "Fußball-Denke": "Schau` mal hier vorne auf das Spielfeld, wo die Leibchen liegen" zeigt sie auf den Punkt des Grüns, "genau da wurde mein Freund Mario vor einem Jahr umgetreten. Ich bin bestimmt jetzt zum 50. Mal hier in Dortelweil. Die Stelle werde ich aber in meinem Leben ganz bestimmt nicht vergessen." In bester Erinnerung wird ihr sicherlich auch das 2:2-Unentschieden bleiben, das ihrer SG etwa zwei Stunden später zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Aufstieg aus der Gruppenliga Frankfurt West in die Verbandsliga Süd beschert hatte.

"Der SG Bornheim hab` ich so viel zu verdanken"

Sonnur führt durchs "Nachmittags-Programm". Foto: Steffen Turban

Geboren und aufgewachsen direkt gegenüber des Bornheimer Sportgeländes, spielt Kiricioglu seit ihrem fünften Lebensjahr Fußball. Erst mit den Jungs bei Olympia im Ostpark, später bis 2006 in der Damenmannschaft beim FSV Frankfurt. "Dann wurde die Frauenabteilung von Bernd Reisig geschlossen. So kam ich zur SG Bornheim, meinem heutigen und letzten Verein", legt sich die Linksverteidigerin jetzt schon fest, dass für sie ein nochmaliger Wechsel zu einem anderen Club keine Option wäre. "Jeder, der hier einmal gespielt hat, geht nicht freiwillig weg. Wenn ja, dann liegt das nur daran, dass Spieler bei anderen Vereinen mehr Geld bekommen. Das ist auch nachvollziehbar, wenn jemand auf das Geld für seinen Lebensunterhalt angewiesen ist. Aber jeder von denen sagt auch, dass er sofort wieder zurückkommen möchte, sobald es die finanzielle Situation zulässt", versichert die Leiterin einer Textildruckabteilung eindrucksvoll, die selbstverständlich auch das Drucken der Bornheimer Trikots und Trainingsanzüge verwaltet.

Ihren Freund Mario Koch hat Sonnur übrigens - wie hätte es auch anders sein können - auf dem Soprtplatz kennengelernt. So wie sie spielte auch er beim FSV Frankfurt und wechselte 2006 nach Bornheim: "Ohne dass wir uns kannten, sind wir beide fast gleichzeitig nach Bornheim gewechselt. Er im Winter und ich im Sommer, oder umgekehrt. Mario kenne ich seit 2008. Damals habe ich den Job der Betreuerin für die Erste Mannschaft gemacht. In 2011 sind wir dann zusammengekommen. Jetzt beenden wir unser "verflixtes siebtes Jahr" in 2018 mit dem Aufstieg der A-Jugend in die Verbandsliga, Mario ist dort Trainer. Die Erste Mannschaft ist aufgestiegen und unsere Damenmannschaft hat es geschafft, nicht abzusteigen. Das war das I-Tüpfelchen auf ein super Jahr", resümiert die Fußballbegeisterte. Bei den vielen Gemeinsamkeiten, die das Pärchen verbindet - so tragen beide zum Beispiel die Nummer 21 und besetzen die Position des linken Innenverteidigers in ihren Teams - gibt es doch auch einen gewaltigen Unterschied: "Mario ist Eintracht Frankfurt Fan und ich BVB. Er sitzt dann mit dem SGE- und ich mit dem BVB-Trikot vor dem Fernseher und dann geht`s mal so richtig ab (schmunzelt)."

Und wo ist der Haken? "Mal spontan Freitag oder Samstag Abend was zu unternehmen, ist nicht so einfach, wenn man spielt, weil man eine Verpflichtung gegenüber dem Team und dem Verein hat. Genauso sonntags als Stadionsprecherin. Aber der SG Bornheim hab` ich so viel zu verdanken. Der Verein bedeutet mir sehr viel. Er hat mich damals 2008 aus einem Loch rausgeholt und mir einen Schritt in die richtige Richtung gezeigt. Für Bornheim gebe ich alles. Ein besonderes Dankeschön geht an Jürgen Holzapfel, der mich als Vaterersatz bis heute unterstützt, wo es nur geht", dreht Sonnur Kiricioglu die Uhr mal eben mal zehn Jahre zurück und erinnert sich sofort daran, wie ihr vom Verein aus als Erste überhaupt ein freies soziales Jahr angeboten wurde. In dieser Zeit hat sie vier Mannschaften trainiert, ihren Trainerschein gemacht, hinter der Theke gestanden, Kinder betreut und vieles mehr. "Dadurch bin ich nach meinem Realschulabschluss auf gut deutsch nicht auf der Straße gelandet", zeigt sich die Allrounderin demütig. Wer ihr beim Reden in ihre leuchtenden Augen schaut, der sieht sofort ihre tiefe Verbundenheit mit der SGB. Ein Feuer, das niemals auszugehen scheint...

Autor: Christoph Weß

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