15.05.2019

Rot-Weiss Walldorf schafft Durchmarsch

Verbandsliga Süd: Hessenliga-Rückkehr nach 24 Jahren

Vor zwei Jahren spielte Rot-Weiss Walldorf noch in der Gruppenliga, nun durfte der Aufstieg in Hessens Beletage bejubelt werden. Foto: Gerhard Goetze

In der Verbandsliga Süd sind am letzten Sonntag die Würfel gefallen. Zwei Spieltage vor dem Saisonende hat Aufsteiger Rot-Weiss Walldorf den Durchmarsch von der Gruppenliga Darmstadt in die Hessenliga geschafft. Wegen des gewonnenen direkten Vergleiches gegen Hanau 93 (0:1/5:2) sind die Walldorfer bei sechs Punkten Vorsprung nicht mehr von Rang eins zu verdrängen. Topfavorit Hanau 93 bleibt nur der Umweg über die Aufstiegsrunde.

Mit dem SV Steinbach (Nord), dem FSV Fernwald (Mitte) und Rot-Weiss Walldorf (Süd) stehen damit alle drei Verbandsliga-Meister fest. Der Verein aus der südhessischen Stadt Mörfelden-Walldorf bringt eine Menge Tradition mit und spielte von 1988 bis 1995 in der damals bis zur Einführung der Regionalliga Süd bis 1994 drittklassigen Oberliga Hessen. Danach begann der schleichende Abstieg in tiefere Klassen, zuletzt hatte Walldorf nach dem letzten Verbandsliga-Abstieg 2012 sechs Jahre lang Gruppenliga-Status. Der Aufschwung des Vereins ist eng mit dem Namen Max Martin verbunden. Der Coach trainierte zuvor drei Jahre lang den Verbandsligisten Viktoria Urberach, wo der 37-jährige 2016 die Meisterschaft und den Hessenliga-Aufstieg feierte. Danach verließ der Coach das Stadion an der Traminer Straße und wechselte nach Walldorf, um bei den Rot-Weißen etwas neues aufzubauen.

Nachdem der Aufstieg im ersten Jahr mit Rang drei knapp verpasst wurde, gelang 17/18 die Meisterschaft in der Gruppenliga Darmstadt. Einen Durchmarsch in der stets ausgeglichen Verbandsliga Süd hatte Martin vor der Saison gar nicht in Erwägung gezogen: "Ich wusste zwar, dass wir eine gute Truppe haben, ähnlich wie im dritten Jahr in Urberach. Ich dachte mir: Wenn es gut läuft, dann spielen wir oben mit. Wenn es schlecht läuft, spielen wir gegen den Abstieg", so Martins Gedankengänge. Der emotionale Coach nennt zwei Schlüsselspiele für den Gewinn der Meisterschaft. Ende Oktober das 6:3 gegen den selbsternannten Aufstiegsanwärter SC 1960 Hanau und das 5:2 gegen dessen Hanauer Lokalrivalen Mitte März. In der Winterpause deutete übrigens noch alles auf eine klare Meisterschaft der 93er hin, denn der älteste Fußballverein Hessens führte das Klassement mit acht Zählern Vorsprung vor Walldorf an.

Max Martin: "Wir haben einen breiten und ausgeglichenen Kader"

Die Hanauer holten nach der Winterpause aber nur noch 16 Punkte, während Walldorf von den letzten zwölf Spielen elf gewonnen hat. Aus acht Zählern Rückstand wurden also sechs Punkte Vorsprung und nach dem 7:2 gegen Erlensee sowie dem 1:1 im Hanauer Derby stand die Meisterschaft für Walldorf fest. "Wir spielen eine überragende Saison. Wir haben einen breiten und ausgeglichen Kader und sind deswegen schwer auszurechnen", nennt Martin eines der Erfolgsrezepte. Bester Torschütze ist Mittelfeldspieler Daniel Beck mit 13 Toren, der 2016 wie Nico Struwe (12 Tore) und einigen anderen mit Trainer Martin aus Urberach kam. "Das war sicher nicht von Nachteil, dass ich diese Spieler schon in Urberach hatte", erklärt der Coach, der sich nun auf die Hessenliga freut. Obwohl Walldorf zum Fußball-Kreis Groß-Gerau und zur Region Darmstadt zählt, ist das Stadion an der Okrifteler Straße nur 13 Kilometer von der Frankfurter Innenstadt entfernt.

Martin freut sich vor allem auf die Derbys gegen Regionalliga-Absteiger SC Hessen Dreieich sowie den Kreisrivalen VfB Ginsheim. Aber auch Fahrten nach Eddersheim, Bad Vilbel oder Friedberg versprechen kurze Reisewege. Vorfreude herrscht aber auch auf die Gastspiele der SG Barockstadt und möglichweise Hessen Kassel oder Bayern Alzenau. Auch in Sachen Infrastruktur tut sich einiges in Walldorf: Neben einem Rasenplatz stehen zwei neue Kunstrasenplätze zur Verfügung. In Planung ist eine überdachte Tribüne sowie eine neue Lautsprecheranlage. "Das Credo des Vereins ist, lieber in das Sportgelände zu investieren, als mit aller Macht die Hessenliga zu halten", so Martin. Deswegen werde der Saisonetat eine Klasse höher auch nicht erhöht: "Wir gehen mit dem gleichen Budget wie in der Verbandsliga an den Start. Der Verein will und kann sich nicht finanziell übernehmen. Wir peilen mit einer guten jungen Truppe und unseren Tugenden den Klassenerhalt an", blickt der Coach voraus.

Autor: Pedro Acebes

Kommentieren