Trainer-Comeback

Pendeln zwischen Lütter und Chiang Mai

Kreisoberliga Mitte: Stephan Walter zu den Hintergründen seiner Zusage in Lütter

02. Januar 2020, 07:05 Uhr

Stephan Walter gibt in Lütter wieder die Richtung mit vor. Foto: Charlie Rolff

Stephan Walter ist zurück auf der heimischen Fußballbühne: Für ein halbes Jahr hilft der mittlerweile 64-Jährige beim Kreisoberligisten TSG Lütter aus und coacht den Verein bis Saisonende gemeinsam mit Marco Bieber. Dabei liegt sein Lebensmittelpunkt längst weit entfernt von der heimischen Rhön.

Vor über fünf Jahren hat es Walter nach Thailand verschlagen. Dort lebt er mittlerweile in Chiang Mai, hat aber nie den Kontakt in die alte Heimat abreißen lassen. „Das ganze Leben besteht ja aus Zufällen und so hat es mich damals auch nach Thailand verschlagen. Als Jugendtrainer gab es ein Trio um Matthias Zans, Klaus Baier und mir, das sich jedes Jahr mehrfach mit seinen Teams begegnet ist. Trotz aller Konkurrenz in Flieden, bei Germania Fulda und Borussia Fulda hatten wir damals einen super Draht und haben unglaublich viel gefeiert. 2010 saß ich dann mal als Lütter-Trainer nach einem Spiel in Rückers mit Michael Barth zusammen und habe ihn gefragt, wo eigentlich Klaus Baier abgeblieben ist. So kam nach vielen Jahren der Kontakt wieder zustande. Baier war damals schon in Thailand und ich habe ihn besucht. So hat sich das entwickelt“, erklärt Walter, der in Asien weiterhin für seinen Arbeitgeber Ondal tätig ist.

Schon in Johannesberg ausgeholfen

Den Draht zum Fußball hat er nie verloren. Seit September 2015 trainiert er in einer deutschen Schule in Chiang Mai die Fußballer von 12 bis 16 Jahren. Und auch in der heimischen Region hat er zwischenzeitlich kurz ausgeholfen, als er vor der vergangenen Saison bei der SGJohannesberg aushalf. „Lothar Plappert hatte mich damals kontaktiert, ob ich für ein paar Tage das Training leiten könne, weil der damalige Trainer Jochen Maikranz einen Urlaub machen wollte. So habe ich dort zehn, elf Einheiten geleitet“, meint Walter, der relativ zeitnah – gegen Ende Oktober – nach der Trennung von Matthias Kapelle von Lütterer Seite kontaktiert wurde.

„Christian Dittmer hatte angefragt, wann ich in den kommenden Monaten in Deutschland sein würde und ob ich Marco Bieber unterstützen könne. Marco schafft das aus familiären und beruflichen Gründen nicht alleine, die Restrunde zu coachen. So haben wir uns zusammengesetzt“, sagt Walter, der schmunzeln muss und anfügt, „dass es schon eine witzige Geschichte ist, dass ich einst quasi als Trainer der Vorgesetzte von all denjenigen war, die heute nun ihrerseits meine Vorgesetzten in Lütter sind. Der ganze Spielausschuss besteht aus ehemaligen Spielern von mir“, lacht der Trainer, der in Lütter von April 2005 bis September 2010 tätig war.

Nun ist man übereingekommen, dass Bieber die Vorbereitung zunächst dreieinhalb Wochen alleine leitet. „Ich stoße dann im März dazu, bin zum letzten Testspiel in der letzten Trainingswoche und zum ersten Punktspiel zurück in Deutschland. Das bekommen wir hin“, so der Coach, der unter anderem Borussia und Germania Fulda, Buchonia Flieden, den VfL Eiterfeld und die SG Johannesberg trainiert hat und der Ende Mai wieder zurück nach Thailand fliegt. Die Kompetenzen sind klar abgesteckt: „Marco und ich sind beide gleichberechtigte Trainer. Alleine hätten wir es beide auf keinen Fall gemacht“, berichtet Walter. Von Nervosität ist beim Trainerfuchs indes überhaupt nichts zu spüren: „Selbst wenn es überhaupt nicht laufen sollte und wir nach vier Wochen merken, dass die Idee ein echter Kalter war, würde die Freundschaft nach Lütter nicht zerbrechen.“

"Schlechte Perspektive, gutes Bier"

Wirklich viel weiß Walter über seine Mannschaft derweil noch nicht. „Ich habe das eine oder andere Spiel von Lütter zwar gesehen, aber nicht wie ein Trainer. Meist stand ich hinter dem Zaun. Da ist die Perspektive schlecht, aber das Bier ist gut, oder aber ich stand auf der Gegengerade und da hat man auch mehr mit den Leuten geredet als wirklich intensiv geschaut.“

Mit Benjamin Ochs (Oberkalbach), Marcel Pfannstiel (vermutlich nach Thalau) und Rene Breitenbach (Kreuzband angerissen) fallen zu den ohnehin schon verletzten Spielern in der zweiten Saisonhälfte drei weitere Akteure weg. Dazu ist die Ausgangslage als Fünfter mittelprächtig. Doch Walter wäre nicht Walter, wenn er nicht alles versuchen würde: „Das wird nicht einfach und wir wissen, dass in Sachen Verletzungen und Platzverweisen nichts mehr passieren darf. Aber wenn jeder ein paar Prozent draufpackt, dann muss uns vor niemandem bange sein.“

Förstina bald in Thailand

Übrigens: Einen Deal hat Walter schon wieder eingefädelt. Er bringt Förstina-Wasser demnächst nach Asien. Zumindest auf den Trikots. Die Firma hat sich bereit erklärt, Walters Jugendmannschaften je einen Satz Trikots zu sponsern. „Ab Anfang Februar werden wir in Thailand mit Förstina auf der Brust auflaufen“, frohlockt der 64-Jährige.

Autor: Ralph Kraus

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