13.11.2019

Nach dem Stadtderby gab es nur noch Germanen-Hüte

A-Liga Fulda: Am Gallasiniring herrschte mal wieder Big-Time-Feeling

Eine Szene aus der Vorsaison, als Germania (rechts Dawid Gerchard) Borussia (hier Hassan Noori) daheim noch mit 3:1 schlagen konnte. Foto: Charlie Rolff

Im dritten Jahr in Folge steht Germania Fulda im Mittelfeld der A-Liga Fulda, Ausreißer gibt es weder nach unten noch nach oben. Doch es finden auch noch große Highlights am Gallasiniring statt: Im jüngsten Heimspiel gegen Borussia Fulda herrschte mal wieder Big-Time-Feeling.

250 Zuschauer bildeten trotz Kälte eine tolle Rahmenkulisse für das Stadtderby, das es früher in der höchsten hessischen Spielklassen zu begutachten gab. Ehemalige Spieler wie Rolf Gollin oder Jürgen Kreß waren auch diesmal vor Ort, mit 3:1 behielt der SCB die Oberhand – nachdem Germania noch im Hinspiel mit 3:1 gewonnen hatte. „Es war ein offener Schlagabtausch, letztlich hat Borussia seine Chancen aber eiskalt genutzt. Unser Problem war nicht zum ersten Mal in dieser Saison die Chancenverwertung“, konstatierte Uwe Kreß aus dem Germanen-Vorstand.

Der 54-Jährige hat früher selbst so manche Schlachten im Stadtduell geschlagen – unter anderem gegen Bruder Jürgen –, entsprechend glücklich war er über die Atmosphäre. „Von den Borussen war der harte Kern vor Ort, der unter anderem mit Bengalos richtig Rabatz gemacht und für eine gute Stimmung gesorgt hat.“ Aber auch nach dem Spiel blieb die Germanenklause – anders als nach den meisten Heimspielen – noch lange geöffnet. Schon während des Spiels wurde der Vorrat an Flaschenbier komplett aufgebraucht, anschließend wurde auch das Fass erfolgreich geleert. „Auf so viele Leute hatten wir uns gar nicht eingestellt, das hat schon an alte Zeiten erinnert. Und als das Bier leer war, gab es eben nur noch die berühmten Germanen-Hüte mit Asbach-Cola“, berichtet Kreß schmunzelnd.

Hinten ausbaufähig, vorne gibt es eine Lebensversicherung

Katerstimmung herrscht beim Fuldaer Traditionsverein ansonsten aber nicht, wenngleich die bisherige Saison eher einer Berg- und Talfahrt gleicht. Konstante Leistungen waren bislang meist Fehlanzeige, weshalb gegen Top-Mannschaften wie Spitzenreiter Türkischer SV Fulda (3:1 im Rückspiel) zwar Achtungserfolge eingefahren, andere Partien gegen Kellerkinder aber nicht erfolgreich gestaltet wurden. So war die Germania vor wenigen Wochen Aufbaugegner für den SV Hauswurz, der beim 6:3 seine ersten Punkte in dieser Saison einfuhr. Nach Meinung des 54-Jährigen läuft es aber sogar besser als vermutet: „Wir hatten im Verlauf des gesamten Jahres ganz viele Abgänge, ich dachte deshalb, dass es extrem schwer werden würde, die Klasse zu halten.“ Bei aktuell neun Punkten Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz muss sich der derzeitige Tabellenneunte aber keine großen Sorgen machen.

Mit Armend Murati wurde im Sommer der bisherige Kapitän zum Spielertrainer befördert, der 29-Jährige übernahm das Amt von Interimstrainer Kreß. Dieser hatte die Mannschaft nach dem Rücktritt von Denis Masic vor gut einem Jahr übernommen. Kreß ist voll des Lobes für seinen Nachfolger: „Armend ist ein super Mensch, uns war schon klar, dass das gut funktionieren würde. Vor der Saison hatten wir nur eine Handvoll Spieler, durch seine Kontakte sind noch ein paar Leute gekommen“, so Kreß, der deshalb bislang noch nicht selbst auflaufen musste, wenngleich er schon auf der Bank Platz nahm.

Knackpunkt ist bislang noch die Defensive, die drittmeisten Gegentore wurden auch deshalb kassiert, weil die komplette Innenverteidigung der Vorsaison weggebrochen ist. Unter anderem spielt Youba Sidibe als einer von vielen Ex-Germanen inzwischen für Borussia. Dafür hat der FSV offensiv mit Mohammad Hasanzadeh (16 Tore in 16 Spielen) eine „Lebensversicherung“, die dafür sorgt, dass der FSV wohl nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird und in die vierte A-Liga-Saison in Folge steuert.

Autor: Steffen Kollmann

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