06.04.2018

Mustafic: "6:0 kein Gradmesser"

Verbandsliga Süd: TGF zu Gast bei 1960 Hanau

Amir Mustafic hat das Bruchköbel-Spiel abgehakt. Foto: Jörg Schulz

Mit zwei Samstag-Partien eröffnet der 27. Spieltag in der Verbandsliga Süd. Das Spitzenspiel findet dann am Sonntag zwischen Aufsteiger Viktoria Nidda und dem Tabellenzweiten FV Bad Vilbel statt. Ein Ende seiner Negativserie erhofft sich der TSV Vatanspor Bad Homburg bei Germania Ober-Roden.

Usinger TSG - Rot-Weiß Darmstadt (Samstag, 15 Uhr)

Die Usinger müssen trotz Platz fünf mit 34 Punkten weiter nach unten schauen, denn der Abstand zum ersten Abstiegsplatz beträgt nur fünf Punkte und auf den kommenden Gegner RW Darmstadt sind es nur sechs Zähler Vorsprung. Da es jetzt in den Saisonendspurt geht, ist UTSG-Spielertrainer Marcel Kopp die Bedeutung der Partie bewusst: "Das wird ganz wichtig, denn es ist ein Matchballspiel. Wir wollen auf neun Punkte davon ziehen und einen enormen Schritt Richtung Klassenerhalt machen", kündigt der Usinger Übungsleiter an. Gespielt wird an den Muckenäckern erneut auf dem Kunstrasen, da der Rasenplatz nach wie vor in einem schlechten Zustand ist.

Den in die Abstiegszone abgestürzten Hessenliga-Absteiger kann Kopp nur schwer einschätzen: "Ich wundere mich, warum die so weit unten stehen. Aber wir dürfen den Gegner keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen", warnt Kopp. Bei den Heimstättensiedlern geht es aktuell nur noch darum, den Absturz in die Niederungen der Gruppenliga Darmstadt zu verhindern. "Jetzt zählt es! Wir müssen den Worst Case verhindern", fordert der Sportliche Leiter Stephan Adam, der nach einer kurzen Auszeit nun auch gemeinsam mit Trainer Dominik Lohrer den "Super-GAU" im Waldspielpark verhindern soll.

Ein Punkt Rückstand zum rettenden Ufer erscheint dabei durchaus aufholbar, aber ab sofort gelten laut Adam in Darmstadt neue Regeln: "Wir hatten zu wenig Mentalität und Charakter, darüber hinaus war die Trainingsbeteiligung eine Katastrophe. Das war keine Mannschaft, wir fanden nicht zusammen", erklärt Adam. Und klärt auf: "Wir arbeiten jetzt nur noch mit 14 zuverlässigen Spielern und rücken enger zusammen. Wer nicht ins Training kommt, wird nicht mehr berücksichtigt. Wir brauchen Herz, Mentalität und Leidenschaft", hebt Adam hervor.

Eintracht Wald-Michelbach - SG Bruchköbel (Samstag, 16 Uhr)

Auch im Odenwald wird angesichts von nur einem Punkt Vorsprung auf die Abstiegszone mächtig gezittert. Um den Klassenerhalt zu erreichen, sind drei Punkte gegen den designierten Absteiger aus Bruchköbel Pflicht. "Wir können es uns nicht erlauben, den Gegner zu unterschätzen. Uns ist aber klar, dass wir diese Punkte dringend benötigen. Ein Punkt ist dabei definitiv zu wenig", sagt Wald-Michelbachs Medienvertreter Lothar Strusch. Der Pressechef von der Rudi-Wünzer-Straße bedauert gleichzeitig, dass die Gäste aus dem Main-Kinzig-Kreis nächste Saison ihre Visitenkarte nicht mehr im Odenwald abgeben werden: "Wir haben über all die gemeinsamen Jahre ein familiäres und gutes Verhältnis zu Bruchköbel aufgebaut. Jetzt sieht es nach Abschied aus."

Mit Torjäger Rene Brunner peilt die Eintracht den Dreier an, der laut Strusch keine Formsache ist: "Die SGB spielt befreit auf und hat Bad Vilbel ein 1:1 abgetrotzt. Wir müssen, die können, müssen aber nicht", so der Medienvertreter. In Bruchköbel - das war allen zur Winterpause klar - sieht man die Restrunde als Vorbereitung auf den kommenden Neuanfang in der Gruppenliga Ost an. Seit der Ankunft von Trainer Albert Repp haben sich nicht nur die Leistungen, sondern auch das Punktekonto gebessert.

Immerhin ist dieses nach dem sensationellen 1:1 gegen Bad Vilbel nun auch zweistellig. "Wir geben uns nicht auf und das zeigen wir schon seit Anfang des Jahres. Gegen Bad Vilbel haben wir 45 Minuten überragend gespielt. Wenn wir das in Wald-Michelbach abrufen, ist mir nicht bange", kündigt Repp an. "Die Mannschaft ist intakt und arbeitet gut. Es ist ja schwierig, ein abgeschlagenes Team bei Laune zu halten und zu motivieren. Aber die Jungs nehmen das gut an", befindet der neue SGB-Trainer.

Germania Ober-Roden - TSV Vatanspor Bad Homburg (Sonntag, 15 Uhr)

Dem letzten seiner vier aufeinanderfolgenden Heimspiele will der Aufsteiger nochmal eine besondere Note verleihen. Für Heimstärke grundsätzlich nicht gerade bekannt, holte die Germania zu Hause zumindest fünf Punkte in 2018. "Nach zwei Unentschieden treten wir jetzt ein wenig auf der Stelle. Das Rennen um den Klassenerhalt wird immer umkämpfter und die Konkurrenz rückt zusammen", stellt Teammanager Daniel Hoffstadt fest. Im Hinblick auf die bevorstehende Partie macht Hoffstadt klar, dass "wir unbedingt gewinnen wollen. Wir werden alles in die Waagschale werfen, Vatanspor aber keinesfalls unterschätzen."

Der TSV Vatanspor Bad Homburg hat schon wahrlich bessere Zeiten erlebt. Alle vier Spiele gingen dieses Jahr verloren, die Tordifferenz von 2:12 ist erschreckend. Das bedeutet tabellarischaktuell den drittletzten Rang. Weil es nun mal die Verbandsliga Süd ist, könnte zeitnah wieder ein einstelliger Tabellenplatz drin sein. Dazu müsste aber laut Sportmanager Hüseyin Güven einiges passieren: "Aus den Ergebnissen gab es zwar nichts Positives, aber in den letzten beiden Spielen war das gar nicht so schlecht. Es ist doch so, dass noch Pech dazukommt, wenn es allgemein nicht gut läuft. Meiner Mannschaft kann ich zumindest in den beiden letzten Spielen keinen großen Vorwurf machen."

Für die Zukunft appelliert Güven an die Tugenden, die Vatanspor in der Hinrunde auszeichneten: "Teamgeist und Laufbereitschaft müssen wieder her. Die Führungsspieler müssen das Heft in die Hand nehmen. Wir hoffen, dass wir in Ober-Roden eine Serie starten können. Die nächsten vier Spiele werden darüber entscheiden, wie unsere sportliche Zukunft aussieht. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass wir die Kurve kriegen."

SC 1960 Hanau - Türk Gücü Friedberg (Sonntag, 15 Uhr)

Weitestgehend mit ganz knappen Ergebnissen bis jetzt durch die Saison gekommen, steht den 1960ern ein ganz dicker Brocken ins Haus. Zwar konnten die Industriestädter das Hinspiel beim Tabellenführer unter Interimstrainer Okan Sari mit 3:1 für sich entscheiden, von einer Wiederholung ist aber nicht unbedingt auszugehen. "Erst einmal hoffen wir im Herbert-Dröse-Stadion auf schönes Wetter und einen guten Zuschauerzuspruch. 500 könnten es im Derby schon werden", schätzt Hanaus sportlicher Leiter Selcuk Sürücü.

Der Schwierigkeit gegen Türk Gücü Friedberg ist sich Sürücü bewusst, aber "wir haben keinen Punkt zu verschenken. Die sind wie wir offensiv ausgerichtet. Wir gönnen denen den Aufstieg, sie werden es aber gegen uns schwer haben, Punkte zu holen." Bis auf Michele Moscelli, der Leistenprobleme hat, steht Trainer Antonio Abbruzzese ein gesunder Kader zur Verfügung.

Nach der 1:2-Heimniederlage gegen die Usinger TSG ist der Ligaprimus Türk Gücü Friedberg sofort wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Zwei zu Null-Siege schlossen sich nämlich an, unter anderem beim Dritten 1. Hanauer FC. "Gegen Usingen haben wir unglücklich gespielt und unsere Torchancen nicht verwertet. Ein Weckruf war es nicht, aber die Niederlage gab uns die Gelegenheit nachzujustieren und unsere Sinne zu schärfen", sagt Türk Gücü Friedbergs Co-Trainer Gültekin Cagritekin. Für den Fußball-Lehrer geht es auch nicht um so was wie Wiedergutmachung aus dem Hinspiel, sondern "um ein neues Spiel. Das wird nicht vergleichbar sein. Der Druck wird größer, weil wir in die finale Phase gehen. Aber wir fahren auf jeden Fall nach Hanau, um zu punkten", so Cagritekin.

TS Ober-Roden - FC Alsbach (Sonntag, 15 Uhr)

Mit zuletzt zwei knappen Siegen hat sich die TS Ober-Roden Luft im Abstiegskampf verschafft. Alle drei Treffer erzielte Feta Suljic, der so für die Erfolge der Ober-Rodener stellvertretend stand. Bereits im Hinspiel trennten sich beide Teams mit einem 1:1-Unentschieden und so dürfte es auch am Sonntag ein Spiel auf Augenhöhe werden und knapp zugegen. Als direkte Tabellennachbarn mit jeweils 33 Punkten wird der Ausgang der Partie schwer wiegen.

"Dass Feta Suljic Spiele entscheiden kann, das hat er bewiesen. Aber die TS hat darüberhinaus eine sehr homogene Mannschaft mit erfahrenen Spielern. Schon im Hinspiel mussten wir uns richtig reinkämpfen, weil sie hungrig und läuferisch stark sind", zollt Alsbachs Pressesprecher Andreas Rothermel der Juskic-Elf hohen Respekt. Laut Rothermel wird es auf die Laufbereitschaft und die Zweikampfannahme ankommen, der ein enges Spiel erwartet. Verzichten müssen die Alsbacher auf Joachim Fricker (Angina) und Alexis Bonias (Hand-OP).

Viktoria Urberach - 1. Hanauer FC (Sonntag, 15 Uhr)

Viktoria Urberach fordert den starken Tabellendritten Hanau 93 im heimischen Waldstadion, steht aber selbst bei nur einem Punkt Vorsprung auf die Abstiegszone unter Zugzwang. Deswegen erwartet Trainer Lars Schmidt eine schwierige Partie vor heimischer Kulisse, will aber den Schwung aus dem 3:3 im Derby bei Germania Ober-Roden mitnehmen: "Das war ein ordentliches Spiel und die positiven Dinge nehmen wir mit. Wir wissen natürlich um die Hanauer Stärken und deren Routine", äußert sich der Coach im Vorfeld der Partie, der genauso als Spieler in der Bundesliga aktiv war wie die Hanauer Ex-Profis Ervin Skela, Michael Fink und Daniyel Cimen. Die Marschroute für das Heimspiel gegen die 93er beschreibt der Übungsleiter so: "Wir müssen zusehen, dass wir über die Geschwindigkeit kommen und eine ordentliche Offensivkraft an den Tag legen. Dafür dürfen wir nicht zu tief stehen, sondern müssen die Räume engmaschig machen."

Durch mannschaftliche Zusammenarbeit und der nötigen Mentalität sieht Schmidt realistische Chancen, um gegen den Tabellendritten etwas Zählbares zu holen. Dabei baut der Trainer auf Robin Schnitzer, der nun wieder fit ist und im Derby ein schönes Tor erzielte. "Robin ist sehr spielstark und seine Erfahrung hilft uns weiter. Schade, dass er sich in der Vorbereitung als Neuzugang verletzte", freut er sich aber nun um so mehr, den Kreativspieler aufbieten zu können. Nach der 0:2-Niederlage gegen Türk Gücü Friedberg gibt es unterdessen bei den Hanauern keinen Grund, Trübsal zu blasen.

"Wir sind mit Niederlagen immer gut umgegangen und haben auch diese Niederlage schnell verarbeitet. Leider sind uns fünf Stammkräfte gegen Friedberg ausgefallen, aber das 0:2 hat uns nicht umgeworfen", verweist der Sportliche Leiter Giovanni Fallacara auf den hervorragenden dritten Platz des Aufsteigers. Nun soll aber in Urberach unter allen Umständen eine weitere Schlappe verhindert werden. "Das wird nicht leicht, weil Urberach sehr kompakt ist und sich bisher unter Wert geschlagen hat. Mit Lars Schmidt sind sie momentan im Aufwind und deswegen erwarte ich ein Spiel auf Augenhöhe", blickt Fallacara nach vorne. Personell ist die Lage noch nicht ideal: "Wir sind noch von der Grippewelle gebeutelt, können Ausfälle aber durch den großen Kader kompensieren", so Fallacara.

Viktoria Nidda - FV Bad Vilbel (Sonntag, 15 Uhr)

Ohne Frage findet das Topspiel der Verbandsliga Süd an der Gänsweid statt. Falls es der Viktoria gelingen sollte, den Bad Vilbelern ein Bein ein zu stellen, würde sich für den Aufsteiger sogar das Tor zum Relegationsplatz öffnen. Grund genug, alles und vielleicht noch ein bisschen mehr zu geben, dürfte alleine die hohe Hinspielniederlage sein. Die Wechsel-Bekanntgabe von Liga-Toptorjäger Noah Michel zum FC Gießen am Ende der Saison wurde unter der Woche verkündet. Michels 24 Ligatreffer sollen noch einige folgen, weil er sich gebührend verabschieden will, denn er hat, wie er sagt, Nidda viel zu verdanken.

Etwas außer seinen gewohnten Erfolgs-Tritt gekommen ist der FV Bad Vilbel. Fünf Punkte aus den letzten drei Spielen lassen Trainer Amir Mustafic zwar nicht gerade frohlocken, aber soweit ist alles gut: "1:1 in Bruchköbel. So ist das halt im Fußball. Das mussten wir schnell abhaken. Jetzt treffen wir in Nidda auf eine gute Mannschaft, die sehr heimstark und offensiv stark ist. Wir sind aber glaube ich die stärkste Auswärtsmannschaft und haben nach vorne auch einiges zu bieten." Das Ergebnis aus dem Hinspiel ist für Mustafic bedeutungslos: "Das 6:0 ist kein Gradmesser. Ich erwarte nicht, dass wir wieder mit 6:0 gewinnen. Wenn wir oben bleiben wollen, müssen wir die Aufgabe aber lösen. Zoran Djordjevic, Ugur Erdogan und Ajdin Maksumic werden nicht spielen. Dann müssen eben andere für Lösungen sorgen."

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