30.01.2019

Mit US-Boys Schritt für Schritt nach oben

Hessenligisten von einst: 1. FCA Darmstadt

Darmstadts Krisztian Müller (rechts) ist einen Schritt vor Patrick Schaaf am Ball, der im Jahr 2011 noch für Buchonia Flieden am Ball war. Foto: Charlie Rolff

In unserer neuen Serie "Hessenligisten von einst" beleuchten wir den Werdegang jener Vereine, die in der letzten Dekade das hessische Oberhaus verlassen mussten oder sich freiwillig zurückzogen. In der zweiten Folge geht es um den 1. FCA Darmstadt, der letztmals von 2010 bis 2013 ein Gastspiel in der Hessenliga gab und sich mittlerweile versucht, in der Kreisoberliga Darmstadt/Groß-Gerau zu stabilisieren.

Das A im Vereinsnamen steht für den nördlichen Darmstädter Stadtteil Arheilgen. 1970/71 traf der FCA in der Hessenliga im Stadtderby auf den SV Darmstadt 98, zu dem 5000 Zuschauer auf den Sportplatz am Gehmerweg strömten. Während die Lilien sich nach jener Saison in den bezahlten Fußball verabschiedeten, hatte auch der FCA 1977/78 Aufstiegschancen und beantragte sogar die Lizenz für die 2. Liga. Sportlich wurde der Aufstieg aber knapp verfehlt. Der Abstieg aus der Oberliga 1981 leitete einen Niedergang der Arheilger ein und bis zum Jahre 2004 erreichte man den Tiefpunkt in der Bezirksliga. Unter der Leitung von Ex-Profi Richard Hasa gelang es auch dank seines Netzwerkes, einige Spieler des damaligen Regionalligisten Darmstadt 98 in den nördlichen Vorort zu lotsen.

Mit Erfolg: 2009 stieg der FCA in die Verbandsliga auf und wurde auf Anhieb Vizemeister hinter dem Lokalrivalen Rot-Weiß. In der Relegation um den Aufstieg zur Hessenliga setzte sich der Verein gemeinsam mit dem OSC Vellmar durch. Auf der Strecke blieb in dieser Viererrunde neben dem VfB Unterliederbach übrigens auch der TSV Lehnerz. Drei Jahre lang dauerte das letzte Gastspiel der Arheilger in der Hessenliga. Nachdem im ersten Jahr der Klassenerhalt gelang, führten die anhaltenden wirtschaftlichen Probleme 2012 zur Zahlungsunfähigkeit und zum Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. 2012/13 erfolgte dann der Abstieg aus der Hessenliga. Aufgrund persönlicher Beziehungen in die USA gelang es seitdem, zahlreiche Nordamerikaner wie den heutigen Neu-Isenburger Carlos McCrary an den Gehmer Weg zu holen.

Vier Punkte in Horrorsaison 15/16

So konnte sich der Club noch zwei Jahre in der Verbandsliga halten, bevor das Team vor der Saison 15/16 auseinander brach. Der FCA war nicht konkurrenzfähig und verlor 30 von 32 Spiele. Lediglich ein Remis konnte errungen werden und der einzige Sieg am letzten Spieltag kam am grünen Tisch zustande, weil KV Mühlheim nicht angetreten war. So standen nach jener Horrorsaison vier Punkte und 20:177 Tore zu Buche. Auch eine Etage tiefer in der Gruppenliga Darmstadt ging der freie Fall mit acht Punkten und 23:136 Toren bis in die Kreisoberliga weiter. Und auch hier musste der FCA Darmstadt 17/18 zittern. 32 Punkte langten zwar zum drittletzten Rang, der aber in die Relegation führte und erst dort schaffte man den Klassenverbleib. In der aktuellen Runde hat sich der Verein stabilisiert und belegt zur Winterpause unter Trainer Dominik Lewis den siebten Rang.

"Nach den schwierigen Jahren haben wir den freien Fall jetzt stoppen können", sagt der erst 18-jährige Luca Bergemann. Der A-Jugendliche gehört schon zum Seniorenkader, laboriert aber derzeit an den Folgen eines Kreuzbandrisses. In seinem jungen Alter fungiert er als Sportdirektor, sein Bruder Marcel ist Torwarttrainer, sein Vater Andreas Vorsitzender und seine Mutter Aline Abteilungsleiterin. Nach einigen Jahren Pause haben die Bergemanns wieder Verantwortung im Verein übernommen und bleiben der Linie treu, dank guter Kontakte US-Boys oder Brasilianer in das Team zu integrieren. "Wir haben das alte System wieder eingeführt. Dank ehemaliger Spieler von uns, die in den USA scouten, bekommen wir die Fußballer vermittelt. Über uns können sie den Sprung nach oben schaffen", erzählt Luca. Nach oben will auch der FCA wieder: "Langfristig wollen wir wieder angreifen und aufsteigen. Aber wir haben genügend Zeit und keinen Druck. Jahr für Jahr wollen wir uns Schritt für Schritt verbessern und irgendwann Richtung Hessenliga gehen."

Autor: Pedro Acebes

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