13.01.2020

Leon Burggrafs Rückkehr war Gold wert

Hessenliga: RW Hadamar erneut im oberen Drittel

Leon Burggraf (links) ist Hadamars Stütze in der Offensive. Foto: Charlie Rolff

Seit nunmehr neun Jahren ist der SV Rot-Weiß Hadamar ein fester Bestandteil der Hessenliga und somit nach dem Rückzug des FSC Lohfelden der dienstälteste Verein der Spielklasse. Dabei schloss der Club von der Limburger Kante in diesem Zeitraum sechs von acht Spielzeiten zwischen Rang drei und sechs ab. Und auch in der laufenden Runde präsentiert sich Hadamar unter dem neuen Trainer Stefan Kühne überaus erfolgreich. Platz fünf passt durchaus zur stabilen Entwicklung in der letzten Dekade.

So lief die bisherige Runde:

Der neue Coach hatte zuvor die U19 des Zweitliga-Aufsteigers SV Wehen Wiesbaden trainiert und übernahm in Hadamar erstmals ein Senioren-Team als Cheftrainer. Zuvor hatte der Ex-Zweitliga-Profi in der Saison 2014/15 beim Traditionsklub Rot-Weiss Essen als Assistent von Marc Fascher gewirkt. Der Start an einem Freitagabend Ende Juli misslang jedoch ausgerechnet gegen Aufsteiger und Nachbar TuS Dietkirchen.

Vor der tollen Kulisse von 962 Zuschauern gab es eine 0:1-Niederlage gegen den Kreis-Rivalen. Wie im Vorjahr kamen die Fürstenstädter schwach aus den Startlöchern - die Abgänge der besten Torschützen Yves Böttler (zur SG Barockstadt) und Jann Bangert (zum FC Gießen) waren herbe Verluste - und verloren drei der ersten vier Spiele. Neben dem 1:2 daheim gegen Eddersheim ging auch das zweite Duell in Dietkirchen mit 1:2 verloren.

Im zweiten Saisonspiel gab es indes einen 6:5-Erfolg bei Aufsteiger FSV Fernwald, ein Sieg mit einer skurrilen Note. Das kaschierte aber nicht die Sturmprobleme und so gelang es, den 2018 zu Borussia Dortmund II abgewanderten Mittelstürmer Leon Burggraf in den Westerwald zurückzuholen. Seine Bilanz von 20 Toren in 17 Spielen war entscheidend dafür, dass sich Hadamar bereits im Herbst wieder im angestammten oberen Tabellendrittel tummelte.

Nur eine Niederlage gab es in den folgenden 14 Spielen, satte 31 Zähler wurden in knapp drei Monaten geholt, ehe Überflieger FC Eddersheim am 24. November mit dem 3:1 für einen Dämpfer sorgte. Auch die Bilanz gegen die osthessischen Clubs ist positiv: Gab es Ende August in Lehnerz bei der SG Barockstadt ein 2:2, gelang beim SV Neuhof ein 2:0-Erfolg und der SV Steinbach wurde daheim mit 8:0 vom Platz gefegt.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Leon Burggraf agierte so, als ob er nie weg gewesen wäre und setzte sich an die Spitze der Hessenliga-Torjägerliste. Seine Rückhol-Aktion war Gold wert. Auch der linke Verteidiger Michel Gschwender agierte auf seiner Position überzeugend und war absoluter Stammspieler. Der 28-jährige war von Aufsteiger Hanauer FC 93 gekommen. Auch Raymond Aschenkewitz fügte sich mit 13 Einsätzen gut ein. Er hatte nach seinem Fortgang vom SV Zeilsheim eine Saison in der NOFV-Oberliga Süd bei Inter Leipzig verbracht. Auch junge Leute wie Abwehrspieler Mirco Paul (TSG Wörsdorf), der linke Verteidiger Iddris Sedy (SV Wehen Wiesbaden U19), der zentrale Mittelfeldspieler Denis Oriana (TSG Hechtsheim) oder Offensivmann Filip Pandza (FSV Frankfurt U19) überzeugten auf Anhieb. Die restlichen Neuen kamen über kürzere Einsatzzeiten noch nicht hinaus.

In Erinnerung bleibt:

Nicht auszudenken, wo Hadamar stehen könnte, wenn nicht erneut der Saisonstart in den Sand gesetzt worden wäre. Das war vor allem den beiden Niederlagen gegen den kreisinternen Emporkömmling TuS Dietkirchen geschuldet. Aber nicht nur Burggraf ist in der Lage Tore zu erzielen, denn mit 52 Toren liegen die Fürstenstädter in dieser Wertung gleichauf mit Spitzenreiter Stadtallendorf. Nur Ginsheim und Kassel trafen öfter. Und auch die Defensivarbeit kann sich sehen lassen: Nur die vier davor platzierten Teams haben weniger Treffer kassiert. Beim SV Rot-Weiß Hadamar handelt es sich im übrigen um einen Fusionsklub. Er entstand am 1. Juli 2012 aus dem Zusammenschluss zwischen der Spvgg. Hadamar und dem SC Rot-Weiß Niederhadamar. Das erklärt auch, warum der Verein seine Heimspiele auf zwei verschiedenen Sportanlagen austrägt. In den warmen Monaten wird an der Faulbacher Straße in Hadamar auf Rasen gespielt, ab Mitte Oktober geht es auf den höher gelegenen Kunstrasen in den Nachbarort Niederhadamar. Mit 300 Zuschauern hat Hadamar einen ordentlichen Zuschauerschnitt. Pressesprecher Hans Reichwein fungiert auch als Stadionsprecher und versorgt die Besucher mit allem wissenswertem rund um das Spielgeschehen.

Ausblick:

Die Bedingungen, um gehobenen Hessenliga-Fußball zu bieten, sind in Hadamar nahezu optimal. Doch diese Klasse dürfte das höchste der Gefühle in der Fürstenstadt bleiben, denn für einen etwaigen Aufstieg in die Regionalliga fehlt die nötige Infrastruktur, auch ein Ausweichstadion ist im näheren Umkreis nicht zu finden. Und so wird man auch in der Restrunde bestrebt sein, die Runde zwischen Rang drei und sechs abzuschließen, der momentane Platz fünf ist eine schöne Momentaufnahme. In der Hinterhand hat das Kühne-Team noch das Nachholspiel beim SV Steinbach, das noch nicht terminiert ist. Bei einem Sieg würde Hadamar nur noch drei Zähler auf den zweitplatzierten FC Eddersheim aufweisen, empfängt aber erstmal zum Auftakt am 29. Februar Hessen Kassel zum Verfolgerduell. Im März muss auch die Barockstadt bei den heimstarken Hadamarern antreten, dazu gastiert auch noch der SV Neuhof an der Faulbacher Straße. Läuft alles optimal, kann der SV die beste Platzierung der Vereinsgeschichte aus der Spielzeit 2014/15 wiederholen, damals wurde man hinter dem TSV Steinbach und dem TSV Lehnerz Dritter. Mit Luca Teller vom Regionalligisten FC Gießen hat der Club ein vielversprechendes Talent aus der Region an Land gezogen.

Autor: Pedro Acebes

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