Hessenpokal: 2:1 beim Gruppenligisten

Königstein bringt OFC ins Wanken

Pedro Acebes
24. November 2021, 20:38 Uhr

Bei Gruppenligist Königstein trat der OFC unter Trainer Sreto Ristic (links) alles andere als souverän auf. Foto: Oliver Müller

Die nächste Überraschung lag am Mittwochabend in der 3. Runde des Hessenpokals in der Luft. Gruppenligist 1. FC-TSG Königstein brachte den Regionalligisten Kickers Offenbach trotz drei Klassen Unterschied ganz schön ins Wanken. Am Ende musste sich der Hochtaunus-Club nach 95 Minuten dem großen OFC nur mit 1:2 (1:2) geschlagen geben und konnte erhobenen Hauptes vom Platz gehen.

Was für ein Pokalabend am Königsteiner Kreisel! Ein brechend voller Sportplatz witterte zeitweise die ganz große Pokalsensation gegen die Offenbacher Kickers, die freilich stark rotierten und mit Kapitän Sebastian Zieleniecki und Serkan Firat nur zwei Akteure von Beginn an aufboten, die am Sonntag im Regionalliga-Spiel beim FSV Frankfurt (2:0) in der Anfangsformation standen. Begleitet von starken Sicherheitsvorkehrungen am Eingang - Offenbacher Fans wurden komplett auf die andere Seite geleitet, während Königsteiner Anhänger und die vielen neutralen Besucher sich auf der Seite des Vereinsheimes positionierten - griffen zusätzliche Hygieneregeln in Pandemiezeiten: Beim Anlass war "3G" Trumpf. Königstein, der Tabellensechste der Gruppenliga Frankfurt West, hatte im Sommer den nachträglich ausgetragenen Kreispokal Hochtaunus gewonnen und sich dann auf Landesebene in Runde eins beim Frankfurter Kreisoberligisten FC Kalbach mit 4:1 durchgesetzt und dann in Runde zwei im Elfmeterschießen bei der TSG Wörsdorf aus der Gruppenliga Wiesbaden die Oberhand behalten.

Die Gastgeber starteten vor 880 Zuschauern furios in die Partie. Nach 17 Sekunden war Königstein schon im Offenbacher Strafraum, in der 2. Minute gab es schon den ersten Torschuss und kurz danach war es nach einem Eckball geschehen. Linksverteidiger Finn Patrick Doehla brachte den krassen Außenseiter nach einem Eckball in Führung (3.). Offenbach war geschockt und völlig überrascht über die Spielweise der Hausherren. "Wir wollten mutig sein und offensiv denken. Eher einen Schritt nach vorne als einen zurück. Die Jungs haben das toll umgesetzt, das Publikum ist direkt eingestiegen. Das war unser Türöffner für das Spiel", sagte Königsteins Trainer Till Sommerfeld, der eine sehr junge Mannschaft betreut. Dank der guten Jugendarbeit des Vereins standen neun Spieler aus den Jahrgängen 2000 bis 2003 in der ersten Elf.

Till Sommerfeld: "Beim 2:2 brechen hier alle Dämme"

Die Kickers brachten auf dem Kunstrasen zeitweise wenig konstruktives zustande. Ein Kopfball von Vincent Moreno Giesel und ein Distanzschuss von Christian Stark am Tor vorbei, viel mehr hatte der haushohe Favorit nicht zu bieten. Der Ausgleich der Offenbacher nach exakt einer halben Stunde durch Elsamed Ramaj (30.) nahm den Gästen ein Stück Nervosität, die dann aber nach einem Lattenknaller von Zino Zampach erneut in Rückstand hätten geraten können. "Wir haben den Gegner mit unserem Pressing vor Probleme gestellt. Das wäre toll gewesen, wenn wir da das 2:1 gemacht hätten", bekräftigte Sommerfeld, der seit 2015 im Verein in verschiedenen Positionen tätig ist. Stattdessen hatten aber die Offenbacher einen lichten Moment in Gestalt von Kapitän Zieleniecki, der aus 35 Metern den Favoriten mit dem Halbzeitpfiff nach vorne brachte (45.+1). Nach dem Seitenwechsel schien der OFC die Sache mehr in den Griff zu bekommen, die Mannschaft von Trainer Sreto Ristic war aber nicht in der Lage, den erwarteten Kantersieg herauszuschießen.

Im Gegenteil: Es wurde zeitweise sogar richtig eng. Zino Zampach und Deniz Cayli hatten den Ausgleich auf dem Schlappen. Immer wieder kam Königstein mit seinem Spiel über die Außen durch. "Auch wenn Offenbach nicht mit seiner besten Elf da war: Wir haben sie auf unser Niveau runter gezogen und dem OFC unser Kunstrasenspiel aufgezwungen", so der stolze Sommerfeld. "Wenn das 2:2 fällt, brechen alle Dämme und der Abend wäre wohl etwas länger geworden. Das war für uns das Saisonhighlight, für manche wohl das Highlight der Karriere." Dass es nicht in die Verlängerung ging, darüber konnten die Kickers am Ende froh sein. Sportdirektor Thomas Sobotzik musste die Leistung des Gruppenligisten neidlos anerkennen: "Es lag am Gegner, dass wir uns so schwer getan haben. Königstein hat das klasse gemacht und uns gleich kalt erwischt. Sie sind über sich hinaus gewachsen. Für uns zählt hier nur das Weiterkommen und alles andere ist wie es ist im Fußball."

Die Statistik:

1. FC-TSG Königstein: Dursun; Zacharidis, Rudolph, Meyer, Doehla - Böhmig, Zampach, Grill (21. Würges), Löffler - Harma (61. Cayli)l, Jackstein (53. Albayrak).
Kickers Offenbach: Richter; Moreno Giesel (89. Breitenbach), Zieleniecki, Zengin, Tuma - Andacic - Firat (70. Fetsch), Hermes, Ramaj, Stark (64. Bozic) - Bojaj.
Schiedsrichter: Yannick Stöhr (Fischbachtal).
Zuschauer: 880.
Tore: 1:0 Finn Patrick Doehla (3.), 1:1 Elsamed Ramaj (30.), 1:2 Sebastian Zieleniecki (45.+1).

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