Serie SV Buchonia Flieden

Klassenerhalt gefeiert wie den Titel

01. Mai 2021, 09:08 Uhr

Einer für alle, alle auf einen: Fliedens Truppe zur Jahrtausendwende lebte vor allem von ihrer Verrücktheit und ihrem Zusammenhalt. So wurden sogar Gegner in die Knie gezwungen, die zunächst stärker schienen. Fotos: Charlie Rolff

Nach dem ersten Abstieg aus der Hessenliga musste Buchonia Flieden zunächst eine schwierige Zeit überstehen. Die Saison 1997/1998 wurde jedenfalls alles andere als optimistisch begonnen.

Die Kulisse war oft herausragend. Flieden gehörte schon damals zu den Vereinen der Verbands- und Hessenliga, die sich über einen überdurchschnittlichen Zuspruch freuen durften.

Bereits im Oktober gab es damals den ersten Trainerwechsel: Matthias Wilde musste gehen, Peter Fritz übernahm. Der wiederum hatte am „Weiher“ keine lange Halbwertzeit, denn nur kurze Zeit später übernahmen mit Peter Kreß und Wolfgang Schad zwei ehemalige Spieler das Traineramt. Am Ende landete die als Titelfavorit gehandelte Buchonia auf einem enttäuschenden achten Rang. Doch der Verein fing sich – auch wegen einer klugen Trainerentscheidung. Im Sommer 1998 übernahm Stephan Walter das Zepter. Fünf Jahre sollte Walter die sportlichen Geschicke leiten – und der Erfolg kehrte nach Flieden zurück. Walter lockte Spieler wie Meik Voll und Timo Klee aus Petersberg ins „Königreich“. Die Walter-Elf wurde im ersten Jahr Vierter, auch dank der 18 Saisontore von Heiko Bott und der 13 Treffer von Almir Secic. Anschließend gelang es, den Kader gezielt zu verstärken. Jens Neumann, Günter Zinkand und Mathias Schüßler kamen von Hessenliga-Absteiger FV Steinau, Mathias Finger von Germania Fulda. Dazu begann die Zeit von Jens Link.

Im Jahr 2000 wurde Flieden Vizemeister der Verbandsliga. Dass die zehn Punkte Rückstand auf Meister OSC Vellmar nicht von ungefähr kamen, zeigte sich in der Relegation, in der man gegen den 1. FC Eschborn (1:3), den SV Erzhausen (0:3) und den SV Jügesheim (1:6) absolut chancenlos war. Da half es zunächst nichts, dass in der Winterpause auch noch Daniel Rother vom SVA Bad Hersfeld zum Team stieß. Der sollte sich fortan zu einer echten Führungspersönlichkeit entwickeln.

Der große Wurf gelang in der folgenden Saison. Jetzt war noch der junge Freddy Braun zum Fliedener Team gestoßen, und es entwickelte sich ein packender Zweikampf mit dem SVA Bad Hersfeld, der zugleich großer Favorit auf die Meisterschaft war. Die Asbacher kamen aus der Hessenliga runter, hatten Spieler wie Top-Torjäger Romeo Wendler, Christian Winter, Stefan Porada, Derek Arndt, Kai Möller, Andreas Schmier, die Brasilianer André Agnoletto und Cardoso sowie Zeljko Karamatic in ihrem Team. Dieser schier übermächtigen Extraklasse an Einzelspielern setzte Flieden einen unbändigen Teamgeist entgegen. Längst hatte es Stephan Walter geschafft, einen verschworenen Haufen zu formen – und das war entscheidend.

Denn Flieden siegte in den wichtigen Duellen wie den Derbys gegen Lehnerz (2:1 in Lehnerz mit einem späten Tor von Jens Link). So kam es zum großen Showdown gegen den SVA. Knapp 1000 Zuschauer kamen zum Gipfeltreffen nach Flieden, und dank des Doppelpacks von Almir Secic und einem weiteren Tor von Jens Link siegten die Buchonen 3:1. Der Weg zum Titel war frei, und mit einem Sieg gegen den FSV Kassel war dieser eingetütet. Fünf Jahre nach dem ersten Aufstieg 1996 war die Buchonia erneut in der Hessenliga.

1:9-Niederlage trotz guter Leistung

Wenn man eine Wette verliert, dann muss der Bart ab. Das bekam Fliedens Trainer Stephan Walter in der Meistersaison 2000/2001 zu spüren.

Um nichts dem Zufall zu überlassen, wurden Markus Wingenfeld, Robert Lazarevski und Mayk Tomic nach Flieden geholt. Es sollte ein verrücktes Jahr werden, auch wegen der legendären 1:9-Heimniederlage gegen den VfB Marburg. Es hört sich verrückt an, doch Flieden machte ein starkes Spiel und hätte gewinnen müssen. Doch während man eine Chance nach der anderen verballerte, landete von Marburg jeder Schuss im Tor. Sogar die Marburger schüttelten irgendwann ungläubig den Kopf.

Ein Spiel, über das man in Flieden später schmunzeln konnte, denn nach einem Fehlstart und nur zwei Punkten aus den ersten sechs Spielen (erster Sieg am siebten Spieltag beim 3:1 in Eschborn) schaffte der Club die Kehrtwende und ließ am Ende die SG Walluf, Jügesheim und den VfR Bürstadt hinter sich.

In einem unvergessenen Endspurt schaffte Flieden in der Relegation durch ein 2:2 in Lohfelden den Klassenerhalt. Treffer von Matthias Schüßler und Marco Link sicherten den Punkt. Danach ging es sofort in den Mannschaftsbus und ab an den Plattensee. Erstmals hatte Flieden die Hessenliga gehalten – das wurde in Ungarn fast so gefeiert wie eine Meisterschaft.

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