12.10.2018

Keskin führt Rot-Weiss zum Triumph

Verbandsliga Süd: 5:1-Sieg gegen Tabellenzweiten Hanau 1960

Überragender Mann bei Rot-Weiss: Ozan Keskin (links). Foto: Mithat Gürser

Hessenliga-Absteiger Rot-Weiss Frankfurt hat im Abstiegskampf der Verbandsliga Süd ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Entfesselte Brentanobad-Kicker legten am Freitagabend eine starke Vorstellung hin und gewannen gegen den Tabellenzweiten und Meisterschaftsanwärter SC 1960 Hanau mit einem krachenden 5:1 (2:0). Durch das vierte Spiel in Folge ohne Niederlage verließen die Frankfurter vorerst die Abstiegszone und haben in dieser Verfassung bessere Karten im Klassenkampf.

Rot-Weiss-Coach Slobodan Komljenovic war nach dem unerwarteten Heimsieg gegen das Spitzenteam natürlich hocherfreut, aber keineswegs überrascht: "So ein Neuaufbau dauert immer. Wir haben ein halbes Jahr eingeplant, aber die Mannschaft hat schon in den letzten Wochen gut funktioniert, speziell in Erlensee. Heute haben wir ein überragendes Spiel gemacht und der Sieg geht auch in dieser Höhe absolut in Ordnung." Überragend bei den Gastgebern: Der aus der eigenen U19 aufgerückte Ozan Keskin, der drei von fünf Tore beisteuern konnte. Der junge Stürmer brachte schon in den ersten acht Minuten zwei gefährliche Distanzschüsse auf das Tor von HSC-Torhüter Jannis Pellowski, avancierte in der Sturmspitze zum Wirbelwind und brachte die "Roten" in der Endphase der ersten Hälfte mit zwei Treffern auf die Siegerstraße. Beim ersten Tor profitierte der Angreifer von einem unsauberen Rückpass der Gäste, bei dem Pellowski ausrutschte. Keskin hatte danach freie Bahn und schob zum 1:0 ins leere Tor ein (37.).

Nur eine Minute später lief Keskin aus dem Mittelfeld durch, zog nach innen und traf platziert ins linke Eck zum 2:0 (38.). "Der junge Mann hat eine enorme Schnelligkeit und wenn wir tief stehen und so die Räume vorne frei machen, dann hat er natürlich seine Freiheiten und das hat er heute überragend genutzt, denn er hat ja auch ein Tor vorbereitet", sagte Komljenovic zur grandiosen Leistung des Youngsters. Die Hanauer waren völlig von der Rolle, besonders die Offensivleistung war mit Hessenliga-Ambitionen nicht zu vereinbaren. Außer einigen Fernschüssen oder über Standards erspielte sich der HSC keine weitere nennenswerte Torchance. Rot-Weiss verteidigte konzentriert und zeigte sich über weite Strecken der ersten Hälfte immer wieder entschlossen im Vorwärtsgang. Nach dem Seitenwechsel wurde es in einer Szene plötzlich unruhig und das hatte für zwei Spieler Konsequenzen. Der Frankfurter Faruk Arslan und der Hanauer Kevin Müller gerieten derart aneinander, dass daraus eine Rudelbildung entstand. Die Folgen für die beiden Streithähne: Rot für Arslan (51.) und kurz danach Gelb-Rot für Müller (52.).

Unnötige Hektik durch Streithähne Arslan und Müller

Besonders Arslan war nach dem Platzverweis kaum zu bändigen und musste in die Kabine geschickt werden. "Das war unnötig. Der Spieler kommt ja aus Hanau, aber ich habe in der Halbzeit um Ruhe gebeten. Die einzige Möglichkeit aus dem Spiel zu kommen war, wenn irgendwo Hektik auftauchen sollte und so haben wir danach auch das Gegentor bekommen", ärgerte sich der Ex-Profi. Danach folgte die stärkste Phase der Gäste, die nach einer Stunde mit Felix Erbe eine frische Offensivkraft brachten. Der brachte gleich frischen Wind rein und nach seinem durch Baris Özdemir abgefälschten Schuss fiel das 2:1 (63.). Eine Minute danach hätte das Spiel kippen können, wenn Aleksandar Mastilovic mit seinem Heber aus 50 Metern Rot-Weiss-Tormann Daniel Duschner überwunden hätte, doch der Keeper lenkte den Ball noch über die Latte. Doch die Gastgeber nutzten jetzt die Räume auf dem Kunstrasenplatz und spielten die Konter perfekt aus. Keskin war mal wieder nicht zu stoppen, lief auf der linken Seite durch und bediente den gerade eingewechselten Baba Awal Mouhaman, der zum 3:1 einschob (69.). Dann war es der eingewechselte Roland Pauna, der einfach durchlief und mustergültig Keskin bediente, der auf 4:1 erhöhte (77.).

Den Schlusspunkt markierte Canel Burcu per Handelfmeter, nachdem der in der Dreierkette agierende Kapitän Patrick Gürser einen Freistoß in den Strafraum brachte und Özcan Aydin der Ball an die Hand sprang (79.). "Wenn man 5:1 verliert, dann ist das eine Abfuhr. Es gab aber Situationen, wo das Spiel hätte kippen können. Bei den Gegentoren haben wir fleißig mitgeholfen. Nach dem 2:1 hätte das 2:2 fallen können. Dann machen wir eklatante Fehler in der Rückwärtsbewegung und fangen das 3:1. Damit war das Spiel entschieden. Rot-Weiss hat hier einen Superfight abgeliefert und uns den Schneid abgekauft", war 1960-Trainer Antonio Abbruzzese restlos bedient. "Ich bin verärgert über unseren Spieler, weil der Gegner eine Tätlichkeit begangen hat und unser Müller danach einfach nur ruhig bleiben muss und dann hätten wir eine halbe Stunde in Überzahl gespielt. So haben uns verschiedene Episoden auf die Verliererstraße gebracht und das haben wir uns selbst zuzuschreiben", bedauerte der Coach.

Die Statistik:

SG Rot-Weiss Frankfurt: Duschner - Topic, Daudi, Gürser - Pierre (76. Pauna), Brkic, Nowak, Toko (65. Mouhaman), Arslan - Keskin (80. Saniyeoglu), Burcu.
SC 1960 Hanau: Pellowski - Müller, Braus, Mahboob, Bleibdrey (60. Erbe) - Mastilovic, Aydin (83. Okutan) - Albayrak (76. Erdogan), Itoi, Özdemir - Aydilek.
Schiedsrichter: Daniel Kamnitzer (Eltville am Rhein).
Zuschauer: 155.
Tore: 1:0 und 2:0 Ozan Keskin (37., 38.), 2:1 Baris Özdemir (63.), 3:1 Baba Awal Mouhaman (69.), 4:1 Ozan Keskin (77.), 5:1 Canel Burcu (79., Handelfmeter).
Gelb-Rote Karte: Kevin Müller (Hanau, 52.).
Rote Karte: Faruk Arslan (Rot-Weiss, 51.).

Autor: Pedro Acebes

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