18.09.2018

Hanauer Klubs untermauern Aufstiegsambitionen

Verbandsliga Süd: HSC 1960 Tabellenführer - HFC 93 ungeschlagen

Prominenter Neuzugang: Ex-FSV-Profi Ugur Albayrak. Foto: Exito

In der Verbandsliga Süd untermauern die beiden Hanauer Stadtvereine ihre vor der Saison gehegten Aufstiegsambitionen. Aktuell wird die Tabelle der Südgruppe vom SC 1960 angeführt, der allerdings schon neun Partien absolviert hat und zwei Niederlagen aufweist. Hinter dem starken Aufsteiger Rot-Weiß Walldorf lauert der HFC 93, der als einziger Klub der Liga noch ungeschlagen ist.

"Wir sind nun im dritten Jahr in der Verbandsliga und haben die ersten beiden Jahre gut gemeistert", beurteilt Okan Sari, der Sportliche Leiter des Hanauer SC die Entwicklung seines Klubs seit dem Aufstieg aus der Gruppenliga Ost im Sommer 2016. "Vor der aktuellen Saison gab es große personelle Umstrukturierungen im Team. Vom letztjährigen Kader sind nur Benjamin Braus, Melih Gültekin, Ali Mahboob, Özcan Aydin und Rückkehrer Semih Aydilek geblieben. Ansonsten musste unser Trainer Antonio Abbruzzese 15 neue Spieler integrieren", ergänzt Sari. Zu Saisonbeginn habe das neuformierte Team deswegen etwas Zeit gebraucht, um in die Spur zu kommen. So gab es neben einem 0:0 gegen Schlusslicht Usingen eine böse 1:5-Niederlage beim Aufsteiger und Kreisrivalen Erlensee sowie eine weitere 0:2-Heimschlappe gegen Vatanspor Bad Homburg.

Erst danach haben sich die 60er scheinbar gefunden, denn es gab zuletzt vier Siege in Folge und die Tabellenführung wurde dadurch erstmal verteidigt. Beim 4:1 am Sonntag gegen die TS Ober-Roden gehörte auch Neuzugang Ugur Albayrak zu den Torschützen. Der ehemalige Zweitliga-Profi vom FSV Frankfurt hat unlängst einen Vertrag beim Sport-Club unterschrieben. "Für uns wird das ein langer Weg und wichtig ist uns die Kameradschaft in der Kabine. An Glück glaube ich nicht. Wir müssen uns alles hart erarbeiten und das manchmal auch erzwingen", gesteht der Funktionär.

Der 1960 von Günther Jung gegründete Klub, der auch heute noch zu den Spielen kommt, erfuhr in den späten 90er Jahren einen Strukturwandel. Vom klassischen deutschen Sportverein zu einem kurdischgeprägten Klub. Dazu Sari: "Der Verein hatte keine Manpower mehr und war zeitweise vom Spielbetrieb abgemeldet. 2001/02 haben wir uns neu angemeldet und den Grundstein gelegt. Wir wollten aber trotzdem ein Hanauer Verein bleiben, deshalb wurde nur das Wappen geändert und der Vereinsname blieb bestehen. Zufälligerweise hatte der Klub die Vereinsfarben Gelb/Rot, die auch unseren kurdischen Farben entsprechen."

Oben mitspielen und wenn mehr kommen sollte, dann "nehmen wir das gerne mit", sagt Sari zu den Saisonzielen. Was den Sprung in die Hessenliga für den im bis zu 16000 Zuschauern fassenden Herbert-Dröse-Stadion spielenden HSC bedeuten würde. Das gleiche Ziel verfolgen sie nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt an der Kastanienallee. Der 1893 gegründete Hanauer FC versteht sich als "Hessens ältester Fußballverein" und gab in der Saison 1978/79 ein Gastspiel in der 2. Liga Süd, aus der die Weiß-Schwarzen sofort wieder abstiegen.

Beide Vereine von der Kreisoberliga in die Verbandsliga

Nach dem Abstieg aus der damaligen Oberliga Hessen 1986 setzte bis in die frühen 90er Jahre eine Talfahrt ein, die erst in der Kreisliga A endete. "Der Verein war praktisch Jahrzehnte von der Bildfläche verschwunden", sagt der heutige Sportliche Leiter Giovanni Fallacara. Eine zeitlang pendelte der Verein zwischen Kreisoberliga und Gruppenliga. Mit bundesligaerfahrenen Leuten wie Daniyel Cimen und Ervin Skela gelang 2015 die Meisterschaft in der Kreisoberliga, zwei Jahre später erreichten die 93er über die Gruppenliga Ost den Aufstieg in die Verbandsliga Süd, in der das Team von Christoph Prümm und Slavisa Dacic unter anderen mit Ex-Profi Michael Fink auf Anhieb Dritter wurde.

Der ist mittlerweile zum Hessenliga-Spitzenreiter FC Gießen weitergezogen, wo er unter Trainer Cimen spielt, aber weiterhin so mit den 93ern verbunden ist, dass eine Rückkehr an die Kastanienallee wohl schon beschlossen ist. Cimen dagegen hatte eigentlich sein Karriereende verkündet, hängt jetzt aber doch aus Verbundenheit ein weiteres Jahr dran, wenn es sein anspruchsvoller Trainerjob in Mittelhessen zeitlich zulässt. Sieben Spiele - fünf Siege und zwei Remis gegen Urberach (1:1) und in Darmstadt (2:2) lautet die Zwischenbilanz der 93er. "Viel mehr zufrieden können wir nicht sein, denn wir haben zehn Neuzugänge integriert", resümiert Fallacara den Saisonstart, der den HFC mit Rang drei in der Spitzengruppe sieht.

Dabei könnte sein Team am Mittwoch im Nachholspiel gegen TS Ober-Roden mit einem Sieg die Tabellenspitze übernehmen. Auch beim HFC soll die Vision Hessenliga möglichst schon 2019 Wirklichkeit werden. Im Sommer wurde das 125-jährige Jubiläum mit Spielen gegen Kickers Offenbach und dem SV Darmstadt 98 gefeiert. Im Oktober soll es ein weiteres Spiel dieser Art gegen einen Bundesligisten geben, Einzelheiten konnte Fallacara noch nicht preisgeben. "Wir wollen Tabellenführer werden und bekommen bald auch Flutlicht an der Kastanienallee", stellt der Sportdirektor fest.

Vorbei ist es dann auch mit dem Ausweichen auf den Kunstrasen nach Steinheim bei Abendspielen. Eine besondere Rivalität sieht Fallacara mit dem Stadtrivalen indes nicht: "Wir machen unser Ding und die interessieren uns nicht. Bis zum Derby am 21.10. ist es noch lange hin und da haben wir noch andere Highlights dazwischen", betont er. Sari sieht die "Rivalität seit den KOL-Zeiten nicht als solche. Es geht um die Stadt Hanau. Bei den Derbys herrscht immer Fairness auf dem Platz und Stimmung auf den Rängen." Gut möglich also, dass es in der Saison 2019/20 ein Hanauer Stadtderby in der Hessenliga geben könnte.

Autor: Pedro Acebes

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