23.01.2019

Habib und Co. streben Gruppenliga an

Hessenligisten von einst: KSV Klein-Karben

Gut zehn Jahre ist es her, das Kopfballduell zwischen Borussias Murat Anli (rechts) und Klein-Karbens Patrick Kraus in der Hessenliga. Foto: Charlie Rolff

In unserer neuen Serie "Hessenligisten von einst" beleuchten wir den Werdegang jener Vereine, die in der letzten Dekade das hessische Oberhaus verlassen mussten oder sich freiwillig zurückzogen. In der ersten Folge geht es um den KSV Klein-Karben, der von 1997 bis 2010 13 Jahre lang ununterbrochen in der Oberliga Hessen spielte und seit 2015 als neugegründeter FC Karben in der Kreisoberliga Friedberg zu finden ist.

Der Höhepunkt der Vereinsgeschichte war die Meisterschaft in der Saison 1999/2000. Punktgleich mit dem SC Neukirchen, aber mit einer um zwei Tore besseren Tordifferenz, feierte Klein-Karben am altehrwürdigen Günter-Reutzel-Sportfeld den bis heute unvergessenen Erfolg. Der Aufstieg in die damals neustrukturierte Regionalliga Süd wurde von den Wetterauern allerdings nicht in Angriff genommen und auch kein anderer hessischer Oberligist wollte diese Chance wahrnehmen. Aufstiegsspiele gegen die Meister der Oberligen aus Baden-Württemberg (SV Sandhausen) und Bayern (Jahn Regensburg) wären zu bestreiten gewesen, dazu noch Relegationsspiele gegen den FSV Frankfurt. Regensburg ging in diesem komplizierten Modus als Sieger hervor und stürzte den FSV in die Oberliga. Die Ära Klein-Karbens dauerte noch genau zehn Jahre an. Sechsmal belegte der KSV dabei einen einstelligen Tabellenplatz und wurde 2006/07 unter der Regie des heutigen FSV-Trainers Alexander Conrad Vierter.

"Es war für den Verein eine schöne, lange und hervorragende Zeit", sagt Harald Wilke. Der Funktionär war Schriftführer und Pressewart, ab 2008 auch Nachfolger von Peter Rübenach als Abteilungsleiter. Schon zu diesem Zeitpunkt gab es wirtschaftliche Probleme. Mit einem verkürzten Etat und einer Mannschaft, in der auch Talente zum Zug kommen sollten, wollte man weiter in der Oberliga spielen. "So langsam sind dann die Philosophie und später auch wichtige Sponsoren weggebrochen", erinnert sich Wilke, der heute im Kreisfußballausschuss und beim langjährigen Rivalen FV Bad Vilbel im Spielausschuss tätig ist. Am 29. Mai 2010 war der Abstieg in die Verbandsliga Süd trotz eines 2:0 gegen den SC Waldgirmes besiegelt.

Einschneidende Veränderungen 2015

Vier Jahre konnte sich der Verein eine Etage tiefer noch halten, 2014 ging es runter in die Gruppenliga. Auch dort ging die Talfahrt weiter und endete in der Kreisoberliga. Einschneidende Veränderungen gab es im Sommer 2015. Der KSV meldete keine Seniorenmannschaft mehr und betreibt seitdem nur noch seine erfolgreiche Jugendabteilung. So spielt beispielsweise die A-Jugend in der Verbandsliga Süd. Unter der Regie des ehemaligen afghanischen Nationalspielers Harez Habib, bekannt aus Zeiten bei Hessen Kassel oder in Lohfelden) nahm der neugegründete FC Karben den Startplatz des KSV in der Kreisoberliga Friedberg ein. 2017 wurde der FCK Vizemeister, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde am FV Hausen und am FV Stierstadt. Zur Winterpause der laufenden Saison führt Karben die Tabelle vor dem SV Gronau an, der noch ein Nachholspiel zu bestreiten hat.

"Zum ersten Mal seit der Neugründung haben wir offensiv den Aufstieg als Ziel angegeben. Wir haben viel Zeit und Kraft gebraucht, um die Mannschaft zu verjüngen. Es gibt seit drei Jahren kaum eine personelle Fluktuation bei uns", berichtet Trainer Habib. Sein Team stehe zurecht oben, habe aber mit Gronau eine Topmannschaft im Nacken und auch noch die drittplatzierte Hessenliga-Reserve von Türk Gücü Friedberg auf dem Schirm. "Mittelfristig wollen wir mit unserer Struktur in die Gruppenliga und uns dort etablieren", so Habibs Ziel. Offiziell gebe es zwar keinen Kooperationsvertrag, aber Talente aus der KSV-U19 sind regelmäßig beim neuen FCK gelandet, "weil die Funktionäre durch die Vergangenheit immer noch verbunden sind. Wir wollen den jungen Leuten eine Perspektive bieten und in der südlichen Wetterau die Nummer zwei hinter Bad Vilbel sein", verdeutlicht Habib. Um das zu erreichen, hat er seinen Vertrag unabhängig von der Spielklasse um eine weitere Saison verlängert.

Autor: Pedro Acebes

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