04.05.2018

Güven: "Bringt nichts wie liebe Schafe aufzutreten"

Verbandsliga Süd: Drei Abstiegsduelle am Sonntag

Nach dem torlosen Unentschieden im Hinspiel treffen Türk Gücü Friedberg (Sebastian Weigand, links) und Germania Ober-Roden (Marco Christophori-Como) erneut aufeinander. Foto: Steffen Turban

Vier Spieltage vor dem Rundenende sind in der Verbandsliga Süd noch keine Entscheidungen gefallen. Lediglich die zweite Mannschaft von Rot-Weiss Frankfurt und die SG Bruchköbel, die in Bad Homburg antritt, stehen als Absteiger fest. Davor kämpfen acht Teams um den Klassenerhalt. Auch an der Spitze schenken sich Friedberg und Bad Vilbel nichts.

Türk Gücü Friedberg – Germania Ober-Roden (Sonntag, 15 Uhr)

Vor dem Heimspiel gegen Germania Ober-Roden lobte Friedbergs Trainer Mustafa Fill den kommenden Gegner und zählt ihn zu den Top 3 in der Liga. "Einen Gruß an meinen Trainerkollegen Adi Akinwale. Er macht in Ober-Roden einen guten Job und soll so weiter machen", so Fil, der Ober-Rodens Trainer aus gemeinsamen Spielerzeiten kennt. Gegen die Germania erwartet Türk Gücüs Coach deshalb eine schwere Partie. Ähnlich, wie im Hinspiel beim torlosen Unentschieden in Ober-Roden. Während es für die Gäste dabei in der Tabelle um nichts mehr geht, kämpfen die Friedberger gemeinsam mit Bad Vilbel um die vorderen beiden Ränge.

"Friedberg spielt eine bemerkenswert konstante Saison und steht zu Recht auf den Aufstiegsrängen", äußerte sich auch Ober-Rodens Teammanager Daniel Hoffstadt nur positiv über den Kontrahenten. Wie Friedbergs Trainer erwartet auch Hoffstadt eine schwierige Aufgabe, die seinem Team bevorsteht. Trotzdem soll aus Sicht der Germania noch einmal alles herausgeholt werden, um in der Tabelle noch weiter nach vorne zu rücken. Aktuell kämpfen die drei Aufsteiger aus Hanau, Nidda und Ober-Roden nämlich um die Plätze drei bis fünf in der Verbandsliga Süd. "Auch wenn für uns die Runde nun so langsam ausläuft, wollen wir noch das Maximale erreichen. Und allein aus dem gebotenem Respekt bzw. der Fairness gegenüber den anderen Mannschaften werden wir in dieses Spiel alles reinlegen", sagt Hoffstadt.

Während die Rödermarker alle Mann an Bord haben, muss Friedberg wohl auf vier Akteure verzichten. Vuk Toskovic und Masse Bell Bell fallen mit Muskelfaserrissen aus, außerdem fehlt Kevin Bassey Effiong verletzt. Hinter Selim Aljusevic steht noch ein Fragezeichen./se

FC Bensheim – FV Bad Vilbel (Sonntag, 15 Uhr)

Mit Tabellenplatz 15 stehen die Bensheimer auf einem Abstiegsplatz. Vier Punkte beträgt der Abstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Den belegt momentan der FC Alsbach und hat sogar noch ein Spiel mehr zu absolvieren. Das Restprogramm liest sich für den FC gemischt. Die SG Bruchköbel, der 1. Hanauer FC und Viktoria Urberach stehen noch auf dem Zettel - jetzt kommt aber erst einmal der Tabellenzweite FV Bad Vilbel. Letztes Wochenende spielfrei, wird der Fokus beim Punktesammeln vermutlich nicht unbedingt auf den Brunnenstädtern liegen.

Torwarttrainer Muzafer Dolovac, der den gesperrten Bad Vilbeler Chefcoach Amir Mustafic in Urberach beim torlosen Unentschieden an der Seitenlinie vertreten hat, attestierte dem FV eine schlechte Leistung. Mustafic, der vom Verbandssportgericht mit einem Funktions- und Betretungsverbot bis einschließlich 11. Mai belegt worden ist, schloss sich seiner Meinung an: "Mehr als ein Punkt war nicht drin. Leistungs- und Willenstärke haben gefehlt. Jetzt in Bensheim müssen wir aufpassen. Die haben zu Hause ihre meisten Punkte geholt. Seit unserem Spiel gegen Bruchköbel rufen wir unsere Leistung nicht mehr ab. Manche können nicht regelmäßig trainieren, manche sind angeschlagen. Aber es hat auch mit Willen zu tun. Momentan fehlt uns auch ein Führungsspieler."

Lukas Knell wiederum, mit 19 Treffern Torjäger Nummer Eins in den Bad Vilbeler Reihen, bestätigt die Worte seines Trainers: "Amir hat Recht mit dem, was er sagt. Wir müssen einfach wieder zielstrebiger so wie in der Hinrunde werden. Das hat uns stark gemacht. Es war aber auch schwer, vier Spiele in den letzten zehn Tagen zu absolvieren." Der 24-Jährige wurde im Spiel gegen Urberach nach etwa einer Stunde wegen muskulärer Probleme ausgewechselt, sieht sich aber Stand jetzt für Sonntag nicht komplett außer Gefecht gesetzt./cw

SV FC Sandzak – Viktoria Urberach (Sonntag, 15 Uhr)

Improvisieren musste die Balkan-Formation in ihrem letzten Punktspiel beim 1. Hanauer FC. SV FC-Torhüter Elvis Nurkovic zog gegen Hanaus Stürmer Patrick Gischweski die Notbremse und sah dafür die Rote Karte. In Ermangelung eines Ersatztorhüters musste der "Macher" Murat Sejdovic zwischen die Pfosten und rettete seiner Elf fast einen Punkt. Jetzt kommt mit Viktoria Urberach ein direkter Mitkonkurrent gegen den Abstieg. Die Punkte wiegen demnach schwerer, die am Harheimer Weg verteilt werden. Es bleibt abzuwarten, ob es ähnlich spannend zugeht wie im Hinspiel. Da führte Sandzak ab der 88. Minute mit 3:2 - das Spiel endete inklusive einer vierminütigen Verlängerung mit einem 4:4.

Urberachs Trainer Lars Schmidt sah seine Elf beim Punktgewinn gegen den FV Bad Vilbel mit mehr Spielglück als in den letzten Wochen. Von der Engagement-Seite her hatte der Ex-Profi an seiner Truppe bis jetzt nichts zu bemängeln. Personell muss der Hessenliga-Absteiger am Sonntag nochmal auf Tom Niegisch verzichten. Die Länge der Sperre für Kapitän Giuseppe Serra (Notbremse bei Noah Michel gegen Viktoria Nidda) steht noch nicht fest. Urberach konnte aus den letzten vier Partien und aus den letzten fünf Auswärtsspielen keinen Sieg holen./cw

FC Alsbach – Rot- Weiß Darmstadt (Sonntag, 15 Uhr)

Nach dem 3:3-Unentschieden im Hinspiel wurmt es die Alsbacher noch heute, Darmstadts Torschützen Christopher Nguyen nicht in den Griff bekommen zu haben. Das soll sich in der Partie vor heimischem Publikum nun ändern, denn in der Defensive will der FCA wieder besser stehen. "Darmstadt ist sehr offensivstark. Neben Nguyen haben sie noch andere Spieler, die treffsicher sind. Deshalb dürfen wir die Anfangsphase nicht verschlafen", so Alsbachs Pressesprecher Andreas Rothermel, der auf die 60 geschossenen Tore der Darmstädter verweist. Gemeinsam mit der Usinger TSG hat die Lohrer-Elf die siebt stärkste Offensive der Liga. Lediglich die Gegentreffer sowie die Heimbilanz sorgen dafür, dass sich die Darmstädter im Tabellenkeller der Liga wiederfinden.

Nur 12 Zähler holten die Rot-Weißen vor heimischem Publikum, während es auf fremden Plätzen 23 gab. An der Bergstraße wollen die Darmstädter vor allem wenig Möglichkeiten über Standardsituationen zulassen. Im Hinspiel erzielte der FCA dadurch nämlich seine Tore. "Das hängt uns noch nach, denn es sind zwei Punkte, die wir unglücklich verloren haben, weil wir ansonsten keine Möglichkeiten zugelassen und die Partie im Griff hatten", sagt Darmstadts Trainer Lohrer rückblickend. Am Sonntag erwartet der Coach einen "heißen Fight" auf dem Kunstrasen und einen aggressiven Gegner, der "alles dafür tun wird, uns die letzte Chance im Abstiegskampf zu rauben."

Aus personeller Sicht fehlen bei den Alsbachern der langzeitverletzte Alexis Bonias sowie der gesperrte Dennis Bender, der Spezialist für die Standardsituationen. Bei den Rot-Weißen hingegen gibt es Hoffnungen, dass Ali Mehmet Koyuncu und Maurice Götz in den Kader zurückkehren. Ob sie allerdings von Beginn auflaufen, ließ Lohrer offen./se

TSV Vatanspor Bad Homburg – SG Bruchköbel (Sonntag, 15 Uhr)

Der TSV ist mitten im Abstiegskampf. Für Sportmanager Hüseyin Güven schien das weite Teile der Mannschaft noch nicht komplett begriffen zu haben. "Es ist zwar nett, wenn wir in der Fairnesstabelle oben stehen, aber es bringt uns nichts, wenn wir wie liebe Schafe auftreten und trotzdem absteigen. Zuletzt hatten wir zwei türkisch geprägte Derbys, da gab es kaum Gelbe Karten gegen uns. Das Bewusstsein für die Situation ist noch nicht da." Dennoch sei sich Vatanspor laut Güven um die Wichtigkeit des kommenden Spiels bewusst: "Wir brauchen noch minimum sechs bis sieben Punkte, um diese komische Saison abhaken zu können. Einen Endspieltag gegen Wald-Michelbach würden wir uns gerne ersparen. Drei Punkte gegen Bruchköbel sind Pflicht, obwohl es ein sauschweres Spiel wird. Die spielen eine überragende Rückrunde und wir haben Hochachtung. Mit der sportlichen Ungewissheit können wir auch noch nicht in die Planung für die nächste Saison einsteigen", so Güven.

Gemischte Gefühle erzeugt die Kaderfront der Bad Homburger. Bis zum Ende der Runde werden sowohl Pascal Schleiffer als auch Maximilian Waas fehlen. Schleiffer hat eine langeplante Hand-OP durchführen lassen, und Waas hat sich in Bad Vilbel die Bänder gerissen. Verzichten muss die Loutchan-Elf auch auf Baris Odabas, der sich neben einer Knöchel- auch eine Handverletzung zugezogen hat. Patrick Berschick ist noch nicht fit und Emin Yalin hat muskuläre Probleme. Dagegen wird Ibrahim El Ouahian wieder einsatzbereit sein. Die Gäste aus Bruchköbel präsentierten sich auch zuletzt gegen die Usinger TSG stark. Olaf Best, der Spielausschuss-Vorsitzende der Buchfinkenstädter, befand, dass Bruchköbel keineswegs wie ein Absteiger aufgetreten sei. "Sie haben sehr couragiert agiert. In der zweiten Halbzeit aber waren sie stehend k.o. und wir haben unsere Klasse ausgespielt", meinte Best./cw

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