03.01.2019

Gießen geschlagen, dann setzte die Talfahrt ein

torgranate-Analyse: FC Eddersheim

Eddersheims Anthony Wade (links, hier gegen Barockstadts Markus Gröger) hat in Sachen Tore noch Luft nach oben. Foto: Charlie Rolff

Zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte mischt der FC Eddersheim in der Hessenliga mit. In der Saison 2012/13 musste der Main-Taunus-Club direkt wieder absteigen, diesmal kehrte der Verein aus dem Hattersheimer Stadtteil mit großen Ambitionen in Hessens Beletage zurück. Platz drei bis sechs sollte es laut Trainer Rouven Leopold sein. Danach sah es bis Mitte Oktober auch aus, doch ausgerechnet nach dem 1:0 gegen Klassenprimus FC Gießen setzte eine beispiellose Talfahrt ein. Unsere torgranate-Analyse zeichnet den Saisonverlauf des FCE nach.

So lief die bisherige Runde:

20 Punkte aus den ersten elf Spielen und als einziges Team den übermächtigen FC Gießen besiegt: Es schien tatsächlich so zu sein, als ob Eddersheim nicht in die Kategorie "normaler Aufsteiger" einzuordnen wäre. Zwar gab es wechselvolle Ergebnisse, aber vor allem Torjäger Turgay Akbulut zeigte sich auch eine Klasse höher treffsicher. Nach seinen 17 Toren kommt in der internen Torschützenliste lange nichts. Leonardo Bianco, Christopher Krause und Anthony Wade folgen dann jeweils mit drei Treffern. Drei offensive Neuzugänge, die mit großen Erwartungen vom SV Zeilsheim (Bianco) und dem Hessenliga-Vizemeister FC Bayern Alzenau verpflichtet worden waren. Nach dem Gießen-Coup sollten nur noch vier weitere Zähler auf das Punktekonto der Eddersheimer wandern. Ein 1:1 in Baunatal, ein 1:0 in Griesheim, ansonsten setzte es sieben Niederlagen in den letzten acht Spielen. Die Gründe? Schlicht und ergreifend nur Verletzungspech oder auch eine Portion Naivität gepaart mit Unvermögen? Der Ausfall von Torhüter Pero Miletic traf den FCE auf jeden Fall ganz empfindlich.

Das lässt sich auch anhand von Zahlen belegen. Vor Miletics Handverletzung kassierte der FCE mit dem 35-jährigen Kroaten im Kasten in elf Begegnungen nur 16 Gegentore. Mit Ersatzmann Frederick Hiebinger waren es in neun Partien 26 Gegentreffer. Da aber phasenweise sieben Stammspieler ausgefallen waren, basierte die Talfahrt auch auf den verschiedenen Verletzungen. Immer wieder musste Leopold improvisieren und Spieler auf ungewohnten Positionen einsetzen. Knüppeldick kam es in den letzten vier Partien, die allesamt in der Fremde verloren wurden. 4:17 Tore lautete da die verheerende Bilanz, in Flieden (2:5) sowie in Fulda (2:6) geriet Eddersheim sogar klar unter die Räder. Möglicherweise waren die Fußballer nach dem guten Start aber auch zu euphorisch und dachten, es würde einfach so weiter gehen. So wurde der qualitativ starke Aufsteiger eines besseren belehrt und muss nun aufpassen, damit der Abstand zur Abstiegszone sich nicht noch weiter verringert.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Wichtige externe Neuzugänge waren Christopher Krause und Anthony Wade. Die beiden im Main-Taunus-Kreis bestens bekannten Spieler hoben die Qualität im Angriff der Staustufen-Kicker beträchtlich an, zeigten sich aber bei weitem nicht so treffsicher wie Top-Torjäger Akbulut. Das gilt auch für den aus Zeilsheim zurückgekehrten Leonardo Bianco. Innenverteidiger Anil Mus konnte verletzungsbedingt nur fünf Spiele absolvieren und arbeitet im Hintergrund an seinem Comeback.

Voll eingeschlagen hatte der von der SG Höchst gekommene Abwehrspieler Deniz Topcu, bevor auch ihn eine Verletzung zum Zuschauen verurteilte. Im Zuge der Verletztenmisere erlangte der von Hanau 1960 gekommene Japaner Yuta Ohishi mehr Protagonismus und spielte sich mit acht Einsätzen ins Team. Max Krippner aus der Schwanheimer A-Jugend begann die Saison mit drei Einsätzen über 90 Minuten, bevor auch ihn im Oktober eine Knieverletzung stoppte. Mittelstürmer Timo Lauer aus der U19 des SV Wehen Wiesbaden kam mehr in der Gruppenliga-Mannschaft zum Einsatz.

In Erinnerung bleibt:

Das Unwetter in der Halbzeit der Sonntagspartie gegen den Hünfelder SV am 23. September wird wohl keiner der Beteiligten jemals vergessen. Der Himmel öffnete seine Schleusen mit peitschendem Regen inklusive Blitz und Donner. Die Halbzeitpause wurde auf 40 Minuten verlängert, sogar ein Spielabbruch stand im Raum. Nachdem sich das Unwetter verzogen hatte, konnte die Partie auf dem wasserüberfluteten Platz fortgesetzt werden. Eddersheim verspielte seine 1:0-Führung in nur vier Minuten, ließ drei Hünfelder Tore zu Beginn der zweiten Hälfte zu und unterlag den Osthessen mit 1:3. In Erinnerung bleibt natürlich das 1:0 gegen Spitzenreiter Gießen, den Siegtreffer markierte Antony Wade in der 43. Minute.

Die Zuschauerresonanz ist am Main noch ausbaufähig. 2529 Zuschauer passierten das Eingangstor gegenüber von der Staustufe, das macht einen Schnitt von 281 Besuchern pro Heimspiel aus. Die beste Kulisse wurde mit 500 Fans gegen Traditionsklub Hessen Kassel registriert, gegen Bad Vilbel kamen an einem Freitagabend nur 100 Zuschauer. 400 Besucher gegen Neu-Isenburg und Gießen waren akzeptabel, der Club möchte sein Einzugsgebiet im Main-Taunus-Kreis und damit auch die Besucherzahlen dauerhaft vergrößern. Denn Eddersheim ist aktuell der einzige Kreisvertreter in der Hessenliga, nachdem Vereine wie Kelsterbach oder der FC Eschborn in die Kreisoberliga abgestürzt oder komplett von der Fußball-Landkarte verschwunden sind.

Ausblick:

Acht Punkte beträgt der Rückstand auf das ausgegebene Ziel Platz sechs, aber zum ersten möglichen Abstiegsplatz sind es jetzt nur noch drei Punkte Vorsprung. Die Mannschaft ist aber stark genug, um am Ende auf einem einstelligen Tabellenplatz einzulaufen, noch dazu wenn die meisten der Verletzten nach der Winterpause wieder einsteigen. Abwehrspieler Alexander Kleefeldt steht der Leopold-Truppe jedoch nicht mehr zur Verfügung. Der Defensivspezialist zieht beruflich bedingt nach Erlangen.

Und auch Nicolai König hat den Verantwortlichen kurz vor Weihnachten mitgeteilt, dass er dem Verein nicht mehr zur Verfügung steht. Dafür konnte mit Vassilios Porporis ein Neuzugang von Germania Ober-Roden aus der Verbandsliga Süd losgeeist werden. Darüber hinaus verstärkt Eray Eren vom Ligakonkurrenten VfB Ginsheim die Staustufen-Kicker. Sieben der letzten zwölf Spielen finden vor heimischer Kulisse statt, das sind gute Vorraussetzungen, um auch 2019/20 Hessenliga-Status zu besitzen.

Autor: Pedro Acebes

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