Merle schießt "Tor des Monats"

"Ein Stück weit verewigt"

18. April 2021, 08:21 Uhr

Ingmar Merle (hier noch im Trikot von Borussia Merle) ist Torschütze des Montas. Foto: Charlie Rolff

Sein spektakulärer Treffer gegen den FC Homburg in der Regionalliga Südwest hat es geschafft: Ingmar Merle (31) ist Torschütze des Monats – der Außenverteidiger des KSV Hessen Kassel gewann die Abstimmung der ARD-Sportschau vor prominenter Konkurrenz wie Felix Kroos.

"Das ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit für Spieler auf meinem Niveau, um sich irgendwo ein Stück weit zu verewigen", sagt der von Natur aus bodenständige und zurückhaltende Merle, dem diese Auszeichnung eine große Ehre ist. "Mir hat ein Kumpel gesagt, dass ich jetzt plötzlich in einer Reihe der ganz großen deutschen Spieler stehe. Das ist schon verrückt und in gewisser Weise ja sogar richtig", sagt Merle.

Dass er mit seinem traumhaften Distanztreffer von der Mittellinie gute Chancen haben würde, war ihm bewusst, "weil zwar alle fünf Tore bei der Wahl schön waren, meines aber wohl am spektakulärsten. Aus neutraler Sicht betrachtet passt das schon. Dass ich so gut unterstützt und gewählt wurde, freut mich natürlich." Dass er siegte, bahnte sich bereits in den vergangenen Tagen an. Das hr-Fernsehen hatte sich bei ihm gemeldet und bereits pro forma einen Drehtag vereinbart, falls Merle gewinnt. Am Samstagabend wurde in der Sportschau das Zuschauervoting verkündet, am Sonntagmorgen stand er den Reportern im Kassler Auestadion bereits Rede und Antwort. Trainer und einige Mitspieler waren dabei.

Dass er tatsächlich siegte, erfuhr er auf dem Heimweg vom Auswärtsspiel in Mainz. Merle saß allein im Auto, als ihn ein Kumpel anrief und die frohe Botschaft verkündete. Zuhause angekommen, feierte er den Erfolg mit seiner Frau. "Sie mit Sekt, ich mit einem Bierchen", sagt Merle, der eine Saison für Borussia Fulda auflief, grundsätzlich aber zu den Identifikationsfiguren und Publikumslieblingen des KSV zählt für den dieser Treffer laut Merle "natürlich eine super Publicity ist".

Merle ist in der langen Historie des ehemaligen Zweitligisten erst der zweite Spieler, dem das "Tor des Monats" gelang. Der erste war im August 2016 Sebastian Schmeer. Er traf in einem Regionalliga-Spiel gegen Eintracht Trier traumhaft per Fallrückzieher. Schmeer ist heutiger Teamkollege von Merle und ebenfalls Ex-Spieler von Borussia Fulda. Beide im Doppelpack werden "Schmerle" genannt. Sie spielten bereits in der Jugend gemeinsam, stammen beide aus der Schwalm. "Dass es gerade uns getroffen hat, ist grandios, aber passt dann auch irgendwie", sagt Merle.

Was Schmeer einst nicht gelang: Dass sein Treffer gar zum "Tor des Jahres" gewählt wurde. Dieses Rennen machte stattdessen der damalige Kölner Marcel Risse. Vielleicht hat Merle nun bessere Chancen, schließlich sind Distanztreffer seiner Art bereits zweimal zum Tor des Jahrzehnts gewählt worden: in den 80ern durch Klaus Augenthaler, in den 90ern durch Bernd Schuster.

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