Ein Rempler mit mittelschwerer Auswirkung

Freier gesperrt / Steinau/Steinhaus bestraft

14. September 2016, 21:03 Uhr

Wolfgang Dittrich (von links) führte durch die Verhandlung, Werner Pflanz war Protokollführer, Karlheinz Maul Beisitzer. Foto: Johannes Götze

Im Rahmen einer mündlichen Verhandlung wurde Stefan Freier, Spieler des Kreisoberligisten SG Ulstertal, am Abend für vier Spiele gesperrt. Gleichermaßen wurde der FSV Steinau/Steinhaus wegen „diskriminierender“ Beleidigungen gegenüber Stefan Freier“ mit 150 Euro bestraft.

Angeklagt war Freier, weil er am 31. Juli im Kreisoberliga-Spiel zwischen seiner SG Ulstertal und dem FSV Steinau/Steinhaus auf dem Weg in die Kabine – in der Halbzeitpause – einen 78-jährigen Gästezuschauer angerempelt haben soll, der daraufhin umgefallen sei. Schiedsrichter Gerhard Wiegand (Flieden) konnte, obwohl nicht in Schlitz vor Ort, durch eine schriftliche Stellungnahme zumindest ein wenig Aufklärung betreiben. So habe er nichts von der Auseinandersetzung wahrgenommen, dafür konnte er mitteilen, dass Gästezuschauer Freier in der ersten Halbzeit verbal unter der Gürtellinie beleidigt hätten. Unter anderem gab Wiegand den Ausdruck „abgefressene Ohren“ zu Protokoll. Wiegand veranlasste dies sogar dazu, die Partie für einen kurzen Moment zu unterbrechen, um die Gästezuschauer zu beruhigen.

Freier selbst gab noch einige obszöne Ausdrücke mehr zu Protokoll, diese seien persönlich extrem verletzend gewesen. Freier hatte auch von dem entsprechenden Zuschauer Sprüche wahrgenommen und wollte ihm, wie er sagte, in der Halbzeit die Hand geben, um ihm zu gratulieren, „dass er noch solche Sprüche auf Lager hat“. Dazu habe es allerdings nicht mehr kommen können, da ein weiterer Zuschauer dazwischen gesprungen sei und Freier daraufhin entweder diesen oder einen anderen Zuschauer unbeabsichtigt mit der Schulter gestoßen habe. Freier verabschiedete sich direkt in die Kabine.

Der 78-Jährige selbst war nicht in Schlitz vor Ort, dafür sein Sohn. Er gab an, dass Freier nach einem Foulspiel von sich zweimal den Mittelfinger in Richtung der Zuschauer gezeigt habe. Daraufhin habe es „die üblichen Sprüche“, allerdings alles im Rahmen, in Richtung Freier gegeben. In der Halbzeit sei Freier unvermittelt auf den 78-Jährigen zugegangen, hätte ihn mit der Schulter umgestoßen und dabei auch noch das Knie hochgezogen.

Der Sohn des vermeintlichen Opfers versuchte die erlittene Verletzung – Hämatom am Arm – anhand Bildmaterials nachzuweisen. Daraufhin wurde er vom Sportgericht, bestehend aus Wolfgang Dittrich (Burghaun), Werner Pflanz und Karlheinz Maul (beide Schlitz), ins Kreuzverhör genommen. So will er, obwohl mitten im Pulk der Steinauer Zuschauer stehend, nichts von den verbalen Erniedrigungen, die vom Sportgericht als diskriminierend gewertet wurden, mitbekommen haben. Er stellte sogar die von Schiedsrichter Gerhard Wiegand erwähnten Beleidigungen in Abrede. Gleichzeitig machte er deutlich, dass er gemeinsam mit seinem Vater noch am überlegen sei, strafrechtlich gegen Freier vorzugehen. Norbert Müller, Vertreter der SG Ulstertal, empfand dies als Einschüchterung, Freier schüttelte bei den Aussagen des Sohns des Opfers permanent den Kopf.

Die drei Aussagen von Wiegand, Freier und dem Sohn des Opfers waren wohl letztlich für die Entscheidungsfindung des Sportgerichts verantwortlich. Letztlich befand das Sportgericht Freier schuldig im Sinne, dass er den 78-Jährigen angerempelt hatte und wurde dafür vier Spiele wegen unsportlichen Verhaltens gesperrt – die Mindeststrafe, eine Tätlichkeit wurde nicht nachgewiesen. Allerdings stellte das Gericht ganz klar heraus, dass die Entgleisung einen Grund gehabt haben müsse. Eben die Beleidigungen, die sich Freier angehört haben muss, was auch Wiegand in seinem Sonderbericht klarstellte. 150 Euro, die Mindeststrafe, muss der FSV dafür berappen. Die Verfahrenskosten teilen sich beide Vereine. Ulstertal hat dem Urteil zugestimmt, Steinau/Steinhaus noch nicht.

Freier hatte schon während der Verhandlung gesagt, dass er am überlegen sei, ob es für ihn noch Sinn mache, weiterhin Fußball zu spielen. Schließlich seien Beleidigungen gegen ihn, in die auch immer wieder seine Familie in Mitleidenschaft gezogen werde, an der Tagesordnung, was auch Müller bestätigte.

Autor: Johannes Götze

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