12.02.2019

Der Tiefpunkt mit elf Abgängen ist abgehakt

A-Liga Fulda: Aschenberg United nach zwei Erfolgsjahren am Boden angelangt

Nezam Demir und seine Kollegen stehen momentan vor der schwierigen Aufgabe, eine komplett neue Mannschaft aufzubauen. Foto: Charlie Rolff

Seitdem der SV Aschenberg United am Spielbetrieb teilnimmt, ging es nur in eine Richtung: bergauf. In zwei Spielzeiten gelang seit 2016 der Durchmarsch von der C- in die A-Liga Fulda, vermeintlicher Höhepunkt war die Trainerverpflichtung von Ex-Zweitliga-Torschützenkönig Olivier Djappa. Doch seit einigen Monaten ist der neue Sportverein am Boden der Tatsachen angelangt, Tiefpunkt waren nun elf Abgänge im Winter.

"In der letzten Zeit gab es einige Unruhen. Demzufolge haben wir uns entschieden, die Mannschaft komplett neuzustrukturieren und -aufzubauen", erklärt Nezam Demir, Aufstiegstrainer der vergangenen Jahre und Vorstandsmitglied des Clubs. Quasi die komplette Stammelf hat sich zu einem Wechsel entschieden, einige sind nach Sickels gegangen, andere nach Haimbach, auch Borussia Fulda kann sich über neue Spieler freuen. Sogar Begehrlichkeiten aus der Gruppenliga haben die Aschenberg-Spieler geweckt, Serfiraz Demir (Kerzell) und Sedat Özdemir (Rothemann) versuchen sich nun höherklassig.

"Es ist doch ganz klar: Wenn die Leistung stimmt, versuchen andere Vereine, deine Spieler abzuwerben. Da wird mit Geld gelockt, das wir nicht geben können", betont Demir. Unruhe kam allerdings auch deshalb auf, weil die Situation des Sportvereins ohne sportliche Heimat weiterhin unzumutbar ist. "Was bei anderen Vereinen selbstverständlich ist, müssen wir uns erst erkämpfen. Wir sind überall Gast, haben keine Heimstätte, die Jungs können nach dem Training oder nach dem Spiel nicht einmal duschen oder als Kollektiv zusammensitzen. Da ist es schwer, etwas Festes zu etablieren. Die Umstände sind auf Deutsch gesagt einfach scheiße."

Eine Lösung des Problems ist allerdings nicht in Sicht - in der nächsten Zeit muss der SVA weiterhin am ungeliebten Münsterfeld ohne sanitäre Anlagen seine Pflichtspiele austragen. Die Verantwortlichen kämpfen weiter um ein richtiges Sportgelände am Aschenberg. "Vielleicht müssen wir eine Kooperation mit einem anderen Verein eingehen. Wir sind schließlich kein Projekt mehr, sondern ein ernstzunehmender Verein", stellt Demir klar.

Djappa? "Da haben wir uns selbst überfordert"

Trotz der kürzlichen Rückschläge - unter anderem gab es acht Ligapleiten in Folge, der Club ist als Drittletzter akut abstiegsgefährdet - geht der sportliche Blick in Fuldas größtem Bezirk inzwischen wieder optimistisch in Richtung Zukunft. "Der Tiefpunkt mit den vielen Abgängen liegt jetzt hinter uns", so Demir, der mit Nico Rachuj und Vitali Jabs das dreiköpfige Trainergespann bei United bildet.

An der Seitenlinie stand von Juli bis Oktober noch Borussen-Legende Olivier Djappa, das Experiment mit dem ehemaligen Zweitliga-Torschützenkönig ging allerdings nach hinten los. "Da haben wir uns selbst überfordert. Wir müssen in unserem Verein erst einmal Strukturen schaffen, bevor ein externer Trainer kommen sollte", sind die Verantwortlichen im Nachhinein schlauer als zuvor.

Stattdessen soll mit dem neuen Trainer-Trio das große Ziel Klassenerhalt erreicht werden. "Es wird eine große Herausforderung und Zeit benötigen, eine neue Mannschaft aufzubauen", so Demir, der trotz der Abgänge über einen großen Kader verfügt - neu im Aufgebot sind einige Spieler, die erst seit kurzem in Deutschland leben beziehungsweise zuletzt nicht aktiv waren. "Da sind einige gute Kicker dabei, die sich allerdings erst einmal an das A-Liga-Niveau gewöhnen müssen. Ich bin guten Mutes, dass wir mit ein bisschen Glück die Klasse halten können. Und wenn nicht, greifen wir eben nächste Saison wieder an."

Autor: Steffen Kollmann

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