11.12.2017

Das unrühmliche Ende eines PR-Flops

Hessenliga: Baslers Bilanz in 59 Tagen Rot-Weiss Frankfurt

Mario Baslers Bilanz bei Rot-Weiss Frankfurt fällt bescheiden aus. Foto: Ralph Kraus

Mario Basler ist nicht mehr Trainer beim Hessenligisten SG Rot-Weiss Frankfurt. Nach dem 1:5-Debakel gegen den SC Waldgirmes haben die Verantwortlichen des abstiegsbedrohten Vereins die Zusammenarbeit mit dem Ex-Nationalspieler beendet, die ja ohnehin nur bis zum 9. Dezember vereinbart gewesen war.

In den acht Spielen unter Baslers Leitung holte Rot-Weiss zwei Siege, ein Unentschieden und musste fünf weitere Niederlagen einstecken. Bei einem Torverhältnis von 7:15 waren das sieben Punkte von möglichen 24. Zu wenig, um die Abstiegszone zu verlassen, geschweige denn den beträchtlichen Rückstand zum rettenden Ufer entscheidend zu verkürzen. An seinem letzten Arbeitstag verabschiedete sich Basler nicht nur mit der höchsten Saisonniederlage, sondern auch mit einem Rundumschlag gegen sein Team auf seiner letzten Pressekonferenz: "Ich bin völlig enttäuscht, auch weil wir eine ordentliche erste Hälfte gespielt haben. In der zweiten Hälfte sind wir wie ein Hühnerhaufen rum gerannt. Wir haben um das 1:1 und das 1:2 gebettelt. Fußballer müssen sich, egal in welcher Klasse, wenigstens ein bisschen engagieren. Vor allem wenn man für einen Traditionsverein wie Rot-Weiss spielt. Was der eine oder andere die letzten 20 Minuten geboten hat, da muss ich sagen, dass Fußball der falsche Sport für ihn ist. Unter der Woche wird sich beschwert, warum sie nicht spielen und dann rennen die rum wie ein Großvater", polterte Basler, der die fehlende Einstellung monierte.

An der hatten die Zuschauer aber zumindest in den ersten 70 Minuten, als Rot-Weiss das Spiel mit einem 1:1 offen hielt, gar nichts auszusetzen. Das Bemühen war den Spielern anzusehen, doch in der Schlussphase fehlte den Akteuren schlichtweg die Konzentration und vor allem die Kondition. Dass die Mannschaft in den letzten beiden Spielen sechs Gegentore in der Schlussviertelstunde erhielt, könnte die Quittung für den laschen Trainingsbetrieb in den letzten Wochen sein. Bei den Trainingseinheiten wurde Basler zuletzt kaum noch gesichtet.

Knallharte Abrechnung mit seinen Spielern zum Abschied

Andere Verpflichtungen Baslers hatten in den letzten Wochen Vorrang: So verpasste er auch das wichtige Spiel in Flieden, weil ein Kurzfilm für ein Champions-League-Spiel nicht zu verlegen war. In seiner Abwesenheit wurde das Team von Dennis Wagenknecht und Antonio Curcio betreut, ihres Zeichens Physiotherapeut und Zeugwart. Dass Basler die eine oder andere Trainingseinheit verpassen würde, das war den Verantwortlichen bei seiner mit viel Medienrummel erfolgten Vorstellung am 12. Oktober klar. Dass am Ende der 59 vereinbarten Arbeitstage aber eine Fehlquote von fast 50 Prozent zu Buche stehen würde, war wohl eher nicht abgesprochen.

Dass der redselige Übungsleiter am Ende noch gegenüber einer Boulevard-Zeitung den angeblichen Schuldenstand des Klubs hinaus "posaunte", schlug dem Fass noch den Boden aus. Eine mögliche Weiterbeschäftigung in anderer Funktion, wie Basler in Aussicht gestellt hatte, war am Ende von Vereinsseite gar nicht mehr erwünscht. Vom Basler-Hype profitierten letztlich nur Vereine wie der FC Ederbergland (450 Zuschauer) und der SC Waldgirmes (860 Fans), denen sein Gastspiel fette Zuschauereinnahmen bescherte. In den drei Heimspielen der "Roten" ging das Interesse von Spiel zu Spiel zurück. Kamen gegen Dreieich noch 690 Leute, waren es gegen Griesheim nur noch 180 und gegen Waldgirmes sogar nur 145 Fans. Auch wirtschaftlich hat Basler dem Verein keinen Nutzen gebracht, denn der erhoffte Sponsoren-Pool blieb aus. Insofern war die ganze "Show" sowohl sportlich, aber vor allem auch finanziell ein richtiger PR-Flop.

Autor: Pedro Acebes

Kommentieren