15.02.2019

Bulut sehnt sich nach Herausforderungen

Hessenliga: Seit über 20 Jahren Trainer

Daniyel Bulut genießt nicht nur in Mittelhessen den Ruf eines ausgezeichneten Fußballfachmanns, der gleichzeitig bodenständig und sympathisch wirkt. Foto: Charlie Rolff

Die Nachricht, dass Daniyel Bulut im Sommer dem Hessenligisten SC Waldgirmes den Rücken kehren wird, überraschte nicht nur die Fußballszene in Mittelhessen. Manch einer ging davon aus, dass der ausgewiesene Fußballfachmann bereits einen neuen Job in der Hinterhand hätte. Dem ist nicht so, wie er erklärt.

„Ich glaube an Schicksal“, sagt Daniyel Bulut, wenn er über seine nun über 20 Jahre währende Trainerkarriere spricht. Weil sein Bruder bei der seinerzeit noch nicht erfolgreichen TSG Wieseck in der E-Jugend kickte und dringend ein Übungsleiter gesucht wurde, schlug der damals erst 17-Jährige zu – und formte heutige Profis wie Kristian Gaudermann (Eintracht Stadtallendorf) oder Erdinc Solak (FC Gießen). Bulut verdiente sich schnell einen Namen, war ein prägendes Gesicht des schnellen Aufstiegs der TSG zum Aushängeschild für Jugendarbeit in Mittelhessen. C-, B- und A-Junioren führte er in die Hessenliga oder trainierte sie dort. Doch nach elf Jahren war Schluss, er sollte zu diesem Zeitpunkt die erste Mannschaft übernehmen, wollte einem Freund, der dort in Amt und Würden war, aber nicht in den Rücken fallen.

Der dankte es ihm und empfahl Bulut dem FSV Fernwald. Hessenliga-Trainer mit gerade einmal 28 Jahren. „Wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt er heute lachend und verleiht mit seinen Worten über Schicksal Flügel. Doch in Fernwald strukturiere sich der Verein um, wollte nicht mehr die hohen Ziele der vergangenen Jahre verfolgen und setzte auf eingeschränkte finanzielle Mittel. Dennoch reichte es in drei Jahren für die Plätze neun, drei und sieben. Nach seiner ersten schöpferischen Pause sollte er den VfB Gießen (mittlerweile Teil des FC Gießen) zu früheren Glanzzeiten führen, doch die finanzielle Schieflage ließ das nicht zu. Nach einer Saison war Schluss im Waldstadion.

Regionalliga reizt den Fußballfachmann

Wieder nahm sich der A-Lizenz-Inhaber eine Pause, um schließlich in Waldgirmes anzuheuern. Mit jungen Spielern aus der Region führte er das Team nach dem Hessenliga-Aufstieg direkt auf Rang fünf und steht dort aktuell erneut. Doch nach dieser Saison wird Schluss sein. „Beim SC Waldgirmes sind fantastische Menschen am Werk. Meine Entscheidung ist rein sportlicher Natur“, erklärt Bulut und stellt seine Gründe dar: „Ich bin noch zu jung, um mich irgendwo an die Seitenlinie zu stellen und mir als Trainer einfach nur die Zeit zu vertreiben. Als Trainer will ich ein gewisses Maß an Kreativität und Herausforderung verspüren.“ In Waldgirmes gilt allerdings das Motto, weiterhin mit extrem eingeschränkten Mitteln auf junge Spieler zu setzen. Der Regionalliga-Traum, den sich Bulut gerne erfüllen würde, ist somit zumindest beim SCW nicht zu realisieren. „Und, so ehrlich muss man auch sein, wird sich der Kader im Sommer erneut kaum ändern. Die Jungs sind durch die Bank weg super, ziehen hervorragend mit, doch vielleicht wird es auch für sie Zeit, einen neuen, frischen Wind zu spüren“, erklärt Bulut, auf den der Ex-Lohfeldener Otmar Velte folgen wird.

Der mittlerweile 38-jährige Aramäer sieht sich derweil nicht in der Pflicht, im Sommer zwingend ein neues Amt anzutreten. „Ich gehe Vollzeit arbeiten, bin auch durch die Aufgabe als Stützpunkttrainer in Grünberg, die mir unheimlichen Spaß bereitet, gut ausgelastet. Ich habe noch nie etwas aus dem Bauch heraus entschieden und werde mir bei entsprechenden Angeboten genau überlegen, ob das die passende Herausforderung für mich sein könnte.“ Der Verwaltungsfachwirt will bis dahin seine erfolgreiche Zeit beim SC Waldgirmes krönen und drückt gleichzeitig dem FC Gießen die Daumen: „Gießen ist eine Fußballstadt. Ich bin hier geboren, in die Stadt verliebt. Und nicht nur ich sehne mich nach höherklassigem Fußball im Waldstadion.“

Autor: Johannes Götze

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