13.07.2017

Aus dem Horror- wird ein Wunschszenario

B-Liga Hersfeld/Rotenburg II: Heiko Göbel sieht TSV Arzell nach Abstieg gut aufgestellt

Heiko Göbel und sein Vorstandsteam haben an einigen strukturellen Stellschrauben gedreht. Archivfoto: Harry Wagner

Zwei Jahre nach der Meisterschaft und dem gleichzeitigen Aufstieg in die A-Liga hat den TSV Arzell im vergangenen Mai wieder der Abstieg ereilt – und wie vor zwei Jahren findet man sich als B-Ligist in der Staffel Hersfeld/Rotenburg II wieder. Im Gegensatz zum letzten Intermezzo in dieser Klasse ist das aber von Vereinsseite nun so gewünscht. In Sachen Trainer setzt der Club aus der Marktgemeinde Eiterfeld künftig auf eine interne Lösung.

„Nein, diesmal haben wir uns nicht über die Einteilung geärgert“, betont TSV-Coach Heiko Göbel mit einem leichten Schmunzeln. 2014 waren die Arzeller seinerzeit mit dem 1. FC Gruben in den nördlichen Nachbarkreis versetzt worden und zeigten sich entsetzt darüber. Diesmal sind die Vorzeichen andere. „Klar spielen in der Lauterbacher Staffel mittlerweile auch viele Teams aus dem Altkreis Hünfeld mit. Allerdings handelt es sich dabei zumeist um Reserven. Wir wollten uns mit ersten Mannschaften messen, einfach weil wir so eine geregelte Anstoßzeit von 15 Uhr haben und vielleicht der ein oder andere Gästeanhänger mehr bei uns auftaucht.“ Da in der Staffel Hersfeld/Rotenburg II auch nur 13 Mannschaften unterwegs sind, habe man einige Wochenenden spielfrei, „was unserer Mannschaft, die einen höheren Altersdurchschnitt aufweist, vielleicht ganz gut tut“, glaubt Göbel.

Stichwort Mannschaft: Mit Keeper Maximilian Weilbach (zurück nach Bad Salzungen), Michael Frohnapfel (tritt kürzer), Martin Pachowski (Schlitzerland), Matthäus Vogt (Wölf) und Jonathan Wiegand (Dittlofrod/Körnbach) hat der TSV fünf Abgänge zu verzeichnen, auf der Zugangsseite steht bisher nur Torwart Andrej Bangert (pausierte zuletzt, zuvor Dammersbach/Nüst). Gleichwohl ist Heiko Göbel auch in Sachen Personal Optimist: „Bis zum Rundenstart wird sich da noch etwas tun, zudem sind die Stammspieler alle geblieben und wir haben die Reserve ab- und stattdessen eine Alte-Herren-Mannschaft angemeldet. So müssen die älteren Spieler nicht jede Woche auf die Zähne beißen und die jungen Spieler dürfen sich in der ersten Mannschaft beweisen“, erklärt Göbel, der mit einem 22-Mann-Kader plant.

Dieser wird fortan von Daniel Haas gecoacht. Der 30-Jährige kommt aus Arzell, kennt den TSV und die Spieler aus dem Effeff. In den vergangenen Jahren war der Trainerstuhl in Arzell eher ein Schleudersitz, zuletzt war der Petersberger Ralf Bott im April in der Halbzeit des Spiels in Ufhausen (0:10) zurückgetreten. „Mit externen Trainern lief es in der jüngeren Vergangenheit nicht immer glücklich“, muss Vereinsboss Heiko Göbel zugeben, nachdem in der Vorsaison auch Verletzungen und mangelnder Trainingseifer Triebfedern des Abstiegs gewesen waren.

„Deshalb haben wir uns für Daniel entschieden. Er ist ein Kenner der Mannschaft und wird erkennen, wo der Hebel anzusetzen ist“, ist sich Göbel sicher. Unterstützung erfährt Haas durch Betreuer-Urgestein Peter Bott, Routinier Michael Pachowski und das spielende Vorstandsmitglied Samet Selmani. „Die Verantwortung muss bei einem kleinen Verein wie unserem heutzutage einfach auf mehrere Köpfe übertragen werden“, glaubt der TSV-Vorsitzende.

Göbel erklärt, dass auch eine Spielgemeinschaft kurzzeitig in Erwägung gezogen worden sei, „doch irgendwie hat sich kein Partner herauskristallisiert, dessen Vorstellungen mit den unseren voll harmoniert haben. Wir hatten außerdem nicht viel Zeit. Im echten Leben heiratet man ja auch nicht gleich, wenn man sich erst 14 Tage kennt.“ In der aktuellen Konstellation wolle man so lange wie möglich eigenständig bleiben.

Fragt sich nur noch, in welcher Klasse sich der Club mittelfristig sieht? Göbel: „Wir wollen eine gute Rolle spielen, der Aufstieg ist aber kein Muss. Wichtig ist, dass wir erst einmal wieder Erfolgserlebnisse einfahren und entsprechend den Spaß am Fußball wiederfinden. Und dafür sehen wir im Nachbarkreis einfach die besten Möglichkeiten.“ / hall

Autor: Christian Halling

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