Stimmen der Regionalligisten

"Aufsteiger wären absurd"

29. April 2021, 18:00 Uhr

Was sagen die hessischen Vereine der Regionalliga zur Entscheidung. Wir haben unter anderem auch Kassels Trainer Tobias Damm und Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja befragt. Fotos: Verein, Rolff

Die SG Barockstadt darf nicht hoch und im Gegenzug müssen nur zwei Teams aus der Regionalliga runter. Doch wie nehmen die betroffen, der Hessenliga zugehörigen Vereine diese Entscheidung auf. Ein Stimmungsbild aus Stadtallendorf, Kassel und Alzenau.

Dragan Sicaja, Trainer TSV Eintracht Stadtallendorf

Für Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja ist die getroffene Entscheidung richtig. Sein Team ist abgeschlagener Tabellenletzter in der Regionalliga, weshalb der Verein ohnehin bereits mit der Hessenliga plant. Für Sicaja selbst wäre es „absurd, wenn aus der Hessen- oder Oberliga Mannschaften nach nur zwölf Spielen aufsteigen dürfen, aber in unserer Liga nach 42 Partien sechs Teams absteigen müssen. Das ist in keinster Weise verdient und fair. Mein Team beispielsweise quält sich durch etliche Englische Wochen, geht erst arbeiten und abends zum Spiel. Andere hingegen machen seit sieben Monaten nichts.“ Stadtallendorf, selbst 2020 nach dem Saisonabbruch aufgestiegen (Sicaja: „Allerdings waren bei uns zwei Drittel der Spiele gespielt“), wird den Abstieg in Kauf nehmen. „Wenn es Aufsteiger gegeben hätte, hätten wir Wege gesucht, dagegen vorzugehen.“

Tobias Damm, Trainer Hessen Kassel

Aus fünf werden 21 Punkte Vorsprung. Hessen Kassel ist einer der Nutznießer der Entscheidung und könnte am Wochenende den Klassenerhalt bereits perfekt machen. Entsprechend zufrieden ist KSV-Trainer Tobias Damm mit dem Entschluss der Gesellschafter: "Keine Frage, das freut uns. Es war unser Ziel, weiter Regionalliga zu spielen und bei sechs Absteigern wären es momentan nur fünf Punkte." Dass dafür aber die Oberliga-Tabellenführer in den sauren Apfel beißen, empfindet er als richtig. "Klar, für die SG Barockstadt in Hessen ist es bitter. Aber auch neutral betrachtet ist diese Entscheidung die richtige. Es wäre ein Unding gewesen, wenn sechs Mannschaften mit 42 Spielen absteigen und Teams mit zwölf aufsteigen."

Andreas Trageser, Vorstand FC Bayern Alzenau

Für den FC Bayern Alzenau um Vorstand Andreas Trageser kam die Entscheidung überraschend. Zum Zeitpunkt unserer Nachfrage wollte sich Trageser noch nicht äußern, da er sich erst intensiv mit der Materie beschäftigen wolle. Sein erster Gedanke jedoch war, "dass zwei Absteiger nicht gerecht sind."

FC Gießen

Viertes Team im Bunde ist der FC Gießen. Die Cimen-Elf profitiert wie der KSV Hessen Kassel von der Entscheidung, hat den Klassenerhalt quasi sicher. "Ich habe versucht, dieses Thema möglichst weit weg von der Mannschaft zu halten. Wir wollten uns darauf konzentrieren, dass wir sechs Mannschaften hinter uns lassen. Das ist uns auch bislang sehr gut gelungen", sagt Gießens Trainer Daniyel Cimen.

"Ob es während dieser Pandemie überhaupt eine Möglichkeit gibt, um eine gerechte Lösung für solche Fragen zu finden, das möchte ich bezweifeln. Aber ich kann die Enttäuschung von Vereinen wie Trier, Barockstadt oder Freiberg verstehen. Vielleicht hätte man keine Absteiger und trotzdem die Aufsteiger zulassen sollen. Dann wären wir nächste Saison 26, vielleicht sogar 27 Mannschaften gewesen, aber ich war ja auch schon vor dieser Spielzeit ein Fan davon, die Regionalliga zu teilen. Das wären viele tolle Spiele geworden", so Cimens Idee.

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