Die gute Seele

„Ach hier, der Ossi“

Die gute Seele: Oskar Breitung nahm einst den Rasenmäher mit nach Hause

28. Juli 2020, 15:02 Uhr

Oskar Breitung und seine Leidenschaft zur Rasenpflege: Seit Kurzem kann sich der 80-Jährige an einem neuem Rasenmäher erfreuen. Foto: Tobias Konrad

Es gibt keinen Verein, der ohne eifrige Menschen im Hintergrund überleben würde. Die guten Seelen des Vereins kennt meist kaum jemand, weshalb in unserer Serie jene Vereinsikonen im Rampenlicht stehen. Heute im Blickpunkt: Oskar Breitung von der FSG Dipperz/Dirlos.

„Wenn es ein Gesicht der SG Dipperz gibt, dann ist es Oskar Breitung.“ Jene Worte sprach einst der Vereinsvorsitzende Michael Weiser. Bei Breitung dürfte dies wie Musik in den Ohren klingen, doch der im März 80 Jahre alt gewordene Rentner lässt das Loblied lieber im Raum stehen. Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass er seit 1963 stets und ständig für den Club auf Achse ist. 57 Jahre dauert seine Vereinsmitgliedschaft nun schon, doch Breitung betont, dass er eigentlich für die Sportgemeinschaft Dipperz lebt. „Und auch für die FSG Dipperz/Dirlos“, schiebt er hinterher, schließlich sei er von Beginn an ein großer Fürsprecher für den Zusammenschluss der beiden Vereine gewesen. Zumal bereits seit 30 Jahren eine Jugendspielgemeinschaft bestand.

Egal ob als Obmann, Platzkassierer oder im Vorstand – in seinen zahlreichen Jahren hat Breitung einige Ämter bekleidet. Doch besonders viel Herzblut fließt in die Pflege der Sportplätze. Seit 1969 ist die Rasenpflege unter seiner Leitung. Bis vor Kurzem kümmerte er sich lediglich noch um den alten Platz, an dem Juniorenspiele und Feste über die Bühne gehen. Seit einigen Wochen ist, mit dem Kauf eines neuen Mähers, auch der neue Platz wieder unter seinen Fittichen. Beim Bau vor einem Vierteljahrhundert wirkte er ebenfalls mit. 1995, Breitung war gerade im Vorstand tätig, wurde der neue Platz aus dem Boden gestampft. Als Platzwart fungierte seit Beginn an freilich der dreifache Großvater.

Beim Rückblick auf die vielen Jahre bei der SGD kann Breitung zahlreiche Anekdoten erzählen. Eigentlich aus Dietershausen stammend, integrierte er sich rasch in den Verein. Bekannt in der Region wurde er allerdings für sein Geschick mit der grünen Spielfläche. „Ich habe in Grünberg Lehrgänge für Greenkeeper besucht. Ich als kleiner Mann vom Dorf war dort nur mit Platzwarten aus größeren Städten“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Dass viele Menschen jedoch von seiner Arbeit begeistert waren, zeigt allein die Tatsache, dass mit Wehen Wiesbaden, Bayern München II oder Schweinfurt große Clubs ihr Trainingslager in Dipperz abhielten. „Die waren alle begeistert vom Platz“, blickt der 80-Jährige zurück.

Dabei kam er eher zufällig zu jener Aufgabe. Erst wurde nur mit Handrasenmähern die Pflege betrieben, irgendwann gab es schließlich einen neuen, größeren Mäher. Und Breitung musste diesen mit nach Hause nehmen. Fortan hatte er die Rasenpflege an der Backe. Dass ihm seine Arbeit gar ein Angebot zum Vereinswechsel eingebracht hat, zaubert dem Edelfan seines Heimatortes noch heute ein Lächeln ins Gesicht. Martin Geisendörfer meldete sich in seiner Funktion als Vorstand des TSV Lehnerz bei Breitung, wollte ihn als Platzwart abwerben. „Woanders werden Spieler abgeworben, in Dipperz ist es der Platzwart“, so das Urgestein, das dankend ablehnte. Die Präsentkörbe, die er Jahr für Jahr für sein Ehrenamt erhielt, waren ihm mehr wert.

Unter Oskar kennt ihn in seinem Heimatort bisweilen niemand. „Ach hier, der Ossi“ – so ist Breitung seit jeher bekannt. Auf der Ehrenmitgliedsurkunde der SG Dipperz sowie den Ehrenbezeichnungen des Hessischen Fußball-Verbandes (Ehrenbrief und Große Verbandsnadel) ist dies aber so nicht verewigt.

Autor: Tobias Konrad

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