Kurt Kowarz will trainieren

Hessenliga? Warum nicht?

21. Oktober 2021, 06:54 Uhr

Kurt Kowarz könnte sich vorstellen, vielleicht schon bald wieder einen Hessenligisten zu trainieren. Foto: Ralph Kraus

Kurt Kowarz auf einer Trainerbank bei einem heimischen Fußballclub? Was lange Zeit nahezu so gut wie undenkbar schien, könnte in Zukunft vielleicht doch mal wieder Realität werden.

„Trainer in der Hessenliga? Warum denn nicht? Entscheidend ist, dass der Verein Ambitionen hat. Das muss jetzt nicht unbedingt der Aufstieg in die Regionalliga sein. Aber ein Ziel muss man verfolgen“, lautet eine der überraschenden Aussagen nach einem Treffen mit dem in Ulmbach groß gewordenen Torwart, der seit 2009 für den Deutschen Fußballbund (DFB) tätig ist.

63 Jahre ist Kowarz mittlerweile alt – oder besser gesagt jung. Denn wer ihn aus früheren Tagen noch kennt, der wird schnell feststellen, dass er sich auch optisch nur wenig verändert hat. „Das liegt daran, dass ich weiterhin jeden Tag Sport mache. Wir haben am Starnberger See eine sehr schöne Laufstrecken, so dass ich jede Woche gut 50, 60 Kilometer jogge. Alles in allem bin ich aber vielseitig unterwegs, mache sehr viel Stabilisierungs-Training. Im Winter fahre ich Ski, im Sommer betreibe ich auf dem See Stand-Up-Paddling.“

Zu Hause ist Kowarz seit gut acht Jahren in Feldafing, nahe dem Starnberger Sees. „Ich muss auch zugeben, dass das meine neue Heimat geworden ist, wo ich meinen Lebensabend verbringen möchte.“

Doch wie soll das dann mit einem Hessenligisten funktionieren? „Das ist ganz einfach, weil ich ja auch regelmäßig für den DFB unterwegs bin und mich daher oft in Frankfurt aufhalte, wo die neue DFB-Zentrale entsteht. Es ist jetzt nicht so, das sich Heimweh habe und wieder zurück will. Aber durch meine Tochter, die mit ihrer Familie in Bad Soden lebt und Jürgen Radeck, der einer meiner besten Freunde ist, habe ich schon zwei wichtige Bezugspunkte“, so Kowarz über den ehemaligen hessischen Verbandsfußballwart.

„Wenn ein Verein wirklich Ambitionen hat, dann könnte ich mir das wirklich gut vorstellen. Wichtig ist, dass man ein Ziel verfolgt. Das kann auch ruhig der Klassenerhalt sein. Und die Basics im Verein müssen stimmen. Passt das alles, dann nimmt man sich als Trainer eine kleine Wohnung vor Ort und fängt an. Das machen andere Berufspendler ja auch.“
Für den DFB ist Kowarz mittlerweile seit zwei Jahren auf Honorarbasis im Scouting-Sektor unterwegs. „Ich arbeite eng mit den U-Nationaltrainern zusammen. Letzte Woche habe ich mir beispielsweise ein U-17-Bundesligaspiel zwischen Ingolstadt und Augsburg angeschaut. Danach gebe ich einerseits meine Ergebnisse an die Nationaltrainer weiter, pflege aber gleichzeitig auch die Daten in die DFB-Datenbank ein. Diese Aufträge kommen sehr regelmäßig, mehrfach im Monat“, erklärt Kowarz.

Sein Vita könnte sich kaum spannender lesen: Angefangen hat alles bei der SG Ulmbach, ehe es über die SG Bad Soden zum VfR Bürstadt ging. Dort schaffte man mit Kowarz im Tor den Sprung in die zweite Liga. Es folgten die Station in Aschaffenburg und bei Rot-Weiß Oberhausen, ehe er sechs Jahre für den 1. FC Nürnberg spielte. Hier bildete Kowarz zusammen mit Andreas Köpke das Torwartduo.

Es folgte für den Fußballlehrer der Einstieg ins Trainergeschäft, als 1995 den damals viertklassigen FV Steinau als Spielertrainer übernahm. Im Anschluss ging es zu Arminia Bielefeld und zum FC Augsburg, wo erneut der Aufstieg in die zweite Liga gelang. Seine „Chefs“ waren unter anderem Ernst Middendorp und Armin Veh.

Die ganz großen Erfolge feierte Kowarz aber beim DFB mit den U-Nationalteams. 2008 und 2009 wurde er jeweils Europameister unter Cheftrainer Horst Hrubesch. Erst mit der U19, in der unter anderem zu dieser Zeit die beiden Bender-Zwillingen Lars und Sven spielten. 2009 dann der Sieg mit der U21. Jetzt gehörte Kowarz zum Team mit Manuel Neuer, Mats Hummels, Mesut Özil und Jerome Boateng. Dem Cheftrainerposten beim viertklassigen Bayernligisten. Es folgten drei Jahre bei 1860 München, in denen er acht verschiedene Cheftrainer erlebte und schließlich ein Engagement als Co-Trainer der Nationalmannschaft der Phillippinen.

„Wenn ich das alles Revue passieren lasse, dann trauere ich nichts nach. Ich bin zufrieden mit dem, wie ich mich immer entschieden habe. Trotzdem würde mich ein Job als Cheftrainer noch einmal richtig reizen“, zeigt sich Kowarz motiviert wie eh und je.

Und wer weiß es schon? Vielleicht bringt Kowarz dann ja auch mal seinen Kumpel Jens Lehmann mit zum Training. Der wohnt zwar auf der anderen Seite des Sees, aber die beiden machen wöchentlich einmal gemeinsam Training. Dann stellt sich Lehmann ins Tor und Kowarz macht mit ihm ein professionelles Torwarttraining. „Wehe dem es ist zu locker, dann fragt er mich, ob ich mit ihm ein Alte-Herren-Training veranstalten will. Ich schätze seine Art, denn Jens ist immer gerade heraus.“

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