Luca Gaul vom SV Flieden

Einer mit ganz viel Herzblut

14. Oktober 2021, 06:48 Uhr

Fliedens Luca Gaul kann derzeit nur ganz leicht trainieren. Foto: Ralph Kraus

Es passierte am 22. August im Heimspiel gegen den 1. FC Erlensee. Eine Viertelstunde war gespielt, als sich Luca Gaul schwer verletzte. Die Diagnose war für ihn und seinen Club, den Hessenligisten Buchonia Flieden, niederschmetternd.

Dass beim MRT ein Kreuzbandriss diagnostiziert werden würde, damit hatte der 24-Jährige fast schon gerechnet. Dass die Ärzte aber auch noch einen Knorpelschaden offenlegten, war der nächste Schock. Dazu wurde auf den Bildern sichtbar, dass Gaul schon länger mit einem Meniskusriss gespielt hatte. „Ich hatte mich gewundert, dass ich immer mal wieder Beschwerden hatte“, sagt Gaul.

An die Aktion, die zum Kreuzbandriss führte, erinnert sich der in Bellings groß gewordene Defensivspezialist noch ganz genau. „Erst habe ich den Ball verloren, dann wollte ich hinterher. In der Situation hat sich dann der Gegenspieler gedreht und mein Körper auch. Leider aber nicht das Knie, das im Rasen hängengeblieben ist“, schaut Gaul zurück. „Das waren sofort ordentlich Schmerzen und es hatte auch geknackt. Wahrscheinlich ist mir in dieser Aktion auch noch die Kniescheibe heraus- und direkt wieder zurück gesprungen. Das tat nicht wirklich gut. Es war ein sehr unangenehmes Gefühl, und im Krankenwagen wurde mir dann auch sehr schnell bewusst, dass es mich diesmal erwischt hat.“

Die Beobachter am Weiher befürchteten sofort, dass es nicht gut um sein Knie stehen würde. „Es war plötzlich eine Totenstille am Platz. Als Physiotherapeut bin ich sofort zu Luca geeilt, obwohl mich der Schiedsrichter noch nicht auf den Platz gewunken hatte“, erinnert sich Co-Trainer Daniel Pfeiffer, der nun die Aufbau- und Reha-Arbeit bei Gaul übernehmen wird.

Mittlerweile wurde Gaul in Wiesbaden operiert. Die Kreuzbänder sind geflickt, der Knorpelschaden wurde durch eine Mikrofrakturierung behandelt. „Man muss sich vorstellen, dass kleine Löcher in den Knochen gebohrt werden. Dadurch entsteht Ersatzgewebe“, erklärt Gaul, der in Bad Soden als Projekteinkäufer tätig ist.

"Überwältigt von den vielen Nachrichten"

Kommenden Mittwoch fliegen nun – höchstwahrscheinlich – die Gehhilfen in die Ecke, dann darf Gaul sein Knie wieder voll belasten. Und die Aufbauphase beginnt, die er zeitlich aber nicht eingrenzen will. „Wir werden das ohne Druck angehen, denn die Verletzungen müssen nachhaltig verheilen. Schließlich will ich noch ein paar Jahre Fußball spielen. Da darf es auf die eine Woche mehr oder weniger nicht ankommen“, zeigt sich der mittlerweile in Flieden wohnende Gaul vernünftig.

Mit wie viel Herzblut er bei der Sache ist, zeigt die Tatsache, dass er den Kontakt zur Mannschaft und zum Verein nie abreißen lässt. „Ich bin mindestens einmal die Woche zum Zuschauen im Training, gehe in die Spielersitzung und treffe mich ganz normal mit der Mannschaft beim Treffpunkt vor den Spielen“, zeigt Gaul Rückgrat. „Schließlich sind wir alles Kumpel, jeder hat mir beigestanden in der schweren Stunde. Überhaupt war ich überwältigt, wie viele Leute sich bei mir in den ersten Tagen gemeldet haben. Selbst Leute, von denen ich das überhaupt nicht erwartet hätte, waren darunter. Diese Anteilnahme hat wirklich gutgetan.“

Begonnen hat Gaul seine Laufbahn beim FV Bellings, spielte dann in der Jugend in Alzenau, zwei Jahre bei Kickers Offenbach, nochmals in Alzenau und dann beim TSV Lehnerz. Dort lief er zwei Jahre unter Marco Lohsse und später unter Sedat Gören in der zweiten Mannschaft auf, ehe 2017, als 20-Jähriger, der Wechsel ins „Königreich“ folgte.

Nun macht er erstmals die Erfahrung, sich über einen so langen Zeitraum die Spiele der Kameraden von draußen ansehen zu müssen. „Leicht ist das nicht. Zumal ich schnell gemerkt habe, dass ich von außen genauso emotional bin wie auf dem Feld“, sagt Gaul, auf den die Fliedener womöglich bis zur Vorbereitung auf die Runde 2022/2023 verzichten müssen.

Kommentieren