Fuldas KFW stimmt gegen Präsident

Beck zeigt Reuß die Rote Karte

06. September 2021, 07:31 Uhr

Stefan Reuß wurde wiedergewählt – mit deutlicher Mehrheit, aber nicht einstimmig. Foto: Johannes Götze

Der 34. Verbandstag des Hessischen Fußball-Verbandes wird in die Geschichte eingehen. Nicht weil mit Thorsten Bastian ein neuer Verbandsfußballwart gefunden ist, sondern weil dem Frauenreferat die Selbstständigkeit verweigert wurde.

174 Anträge standen am Samstag in der Frankfurter PSD-Bank-Arena zur Abstimmung. Doch einer hatte es besonders in sich – und offenbarte für viele Beobachter ein erschreckendes Bild des HFV. 105 Delegierte stimmten gegen die Autonomie des Frauen- und Mädchenreferats und sprachen diesem damit die zum Antrag stehende Selbstständigkeit ab. Immerhin: 199 stimmten dafür, doch das waren vier zu wenig für die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Diese Entscheidung war eine Niederlage nicht nur für Prof. Dr. Silke Sinning, die das Referat führt und für die Trennung zwischen Herren- und Frauenbereich gekämpft hatte. Sondern insbesondere für Präsident Stefan Reuß, der sich klar für die Trennung positionierte hatte.

Ein Raunen ging bei Bekanntgabe des Votums durch das Stadion, der Heimat des FSV Frankfurt. Den Versuch von Ellen Berghöfer, Frauenreferentin des Kreises Waldeck-Frankenberg, die Abstimmung wiederholen zu lassen, ließ die Satzung nicht zu. Berghöfer zeigte sich tief erschüttert – sie kämpfte am Mikrofon mit Tränen. Manch einer warf dem Alt-Herren-Club im Plenum Frauen-Diskriminierung vor. Hätten die Delegierten der Region Fulda geschlossen für den Änderungsantrag gestimmt, hätte es gelangt, doch unter anderem Erhard Zink, Werner Scheffler und Horst Holl und stimmten für Nein.

So bleibt nun der Posten des Verbandsfußballwarts bestehen. Diesen hätte es bei Zustimmung des Antrags in dieser Form nicht mehr gegeben. Sein „Kabinett“ wäre verkleinert worden, die Vorsitzenden des Herren- und Frauenbereichs hätten auf einer Stufe gestanden. Manch einer wollte vielleicht nicht den neuen Verbandsfußballwart in seiner Macht beschneiden.

Beuth stänkert gegen DFB

Verbandsfußballwart wurde Hessenliga-Klassenleiter Thorsten Bastian (57) mit 174 Stimmen, Last-Minute-Kandidat Matthias Bausch zog mit 148 Stimmen den Kürzeren. Vielleicht half Bastian eine Rede von Michael Sobotta: der Delegierte aus der Region Darmstadt hatte böse gegen Bausch geschossen und sich dabei nicht nur an Fakten orientiert. Applaus war ihm von den Bastian-Unterstütztern sicher, aus dem Fulda-Block wurde er ausgebuht. Obwohl später geheim gewählt worden war, konnte die Tendenz, welche Kreise und Regionen in welche Richtung votieren würden, gut an den Reaktionen bei Sobottas Rede abgelesen werden.

Vier Nein-Stimmen handelte sich Präsident Stefan Reuß ein, der ohne Gegenkandidat zur Wahl stand. Zwei davon kassierte er aus Fulda: Kreisfußballwart Thorsten Beck ("Ich habe den Präsidenten rein aus Sachgründen nicht gewählt – aufgrund von Entscheidungen gegen den Kreis Fulda") und sein Stellvertreter Klaus Bodusch zeigten Kante und Reuß die „Rote Karte“, denn die Delegiertenkarte war in weiß für Zustimmung und rot für Ablehnung gehalten. Vize-Präsident Torsten Becker und Schatzmeister Ralf Viktora wurden ebenfalls im Amt bestätigt. Weiterhin gehört Gerd Schugard als einziger Osthesse dem Präsidium an, der Dipperzer führt den Verbandsschiedsichterausschuss bis zur nächsten Wahl im Jahr 2024.

Zuvor ist der DFB-Bundestag im Frühjahr an der Reihe: der kommissarische Präsident Rainer Koch war in Frankfurt zum Wahlkampf erschienen. Deutlich mehr Applaus erhielt Hessens Innenminister Peter Beuth, der DFB wie DOSB vorwarf, zu wenig für den Amateursport zu tun.

Drei wichtige Änderungen:

Schiedsrichtersoll grundlegend geändert: Lange vorbereitet und letztlich mit nur acht Nein-Stimmen verabschiedet: Eine grundlegende Reform des Schiedsrichtersolls, das sich in Zukunft an den Spielen der Vereine orientiert, „Vielpfeifer“ belohnt und zudem sicherstellen soll, dass stets genügend Schiedsrichter zur Verfügung stehen.

Einsatz von Junioren im Seniorenbereich: Um den Jugendfußball zu stärken, darf ein 18-Jähriger nicht mehr uneingeschränkt im Seniorenbereich zum Einsatz kommen. Er muss entweder Auswahlspieler sein oder sich im letzten Juniorenjahr befinden.

In Zukunft weniger Delegierte: Bislang entsandten Kreise pro angefangenen 2000 Mitgliedern in den Fußballvereinen einen Delegierten zum Verbandstag, nun wird es pro angefangenen 2500 Mitgliedern ein Delegierter sein. Ähnlich verhält es sich bei den Kreisfußballtagen: Dort wurde die Grenze von 750 auf 1000 angehoben.

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