Roman Prokopenko wirkt jetzt in Bebra

Der Autodidakt mit Fußballschule

24. November 2020, 08:51 Uhr

Kerem Kardas (von links), Nadi Agirman, Roman Prokopenko und Metin Ciray betreiben in Bebra die Soccer-Academy. Fotos: privat (3), Steffen Kollmann

Roman Prokopenko hat sich dem Fußball verschrieben. Voll und ganz. Neben seinem Job als Trainer des Nord-Kreisoberligisten SG Mecklar/Meckbach/Reilos betreibt er seit kurzem eine Soccer-Academy in Bebra.

Prokopenko galt in Jugendzeiten als das größte Talent im Hersfelder Fußball. Er trainierte an der Seite von Alexander Reith in der Hessenauswahl. Ihm standen viele Türen offen. Doch dem heute 30-Jährige misslang der Sprung in den Profifußball. Heute, so sagt er, wisse er an was das gelegen hat. „Kinder mit ganz viel Potenzial gibt es deutschlandweit hunderttausendfach. Doch nur die, die mehr als die anderen leisten, werden es nach oben schaffen. Ich hatte niemanden, der mir das ins Bewusstsein rief, mir dabei half“, erinnert sich Prokopenko. Heute sei der Fußball noch transparenter, noch hochgezüchteter als vor zehn, zwölf Jahren. Entsprechend sei eine frühe individuelle Entwicklung oftmals entscheidend.

Prokopenko will mit seinen Mitstreitern Kerem Kardas, Nadi Agirman, die die Academy im Sommer gegründet hatten, Metin Ciray und Witold Sabela genau daran anknüpfen. „In der Fuldaer Fußballregion und auch speziell bei uns im nördlichen Bereich gibt es viele Talente. Wir wollen aber nicht, dass sie verlorengehen, sondern genau das Gegenteil.“ Zwar werde in den Vereinen gute Jugendarbeit betrieben und die Arbeit an den DFB-Stützpunkten sei eine passende Ergänzung, doch um Spielern einen Vorteil gegenüber anderen zu verschaffen, sei eine noch größere Individualisierung das A und O. Stärken wie Schwächen stünden auf dem Lehrplan, einen individuellen Plan, der sogar das Thema Fitness umfasst, gebe es on top. Ist kein Corona, bieten die Trainer zusätzlich Einheiten in Kleingruppen an.

Prokopenko ist zwar noch nicht im Besitz einer Trainerlizenz, doch gerade in den vergangenen Jahren habe er sich beinahe in jeder freien Minute mit dem Thema Fußball in all seinen Facetten auseinandergesetzt. Viel gelesen, viel Videostudium betrieben. Prokopenko ist ein typisicher Autodidakt. Seinen Horizont musste und wollte er mit der Übernahme der „Hessen“ vor viereinhalb Jahren erweitern.

Bruder Alexander als Musterbeispiel

Prokopenko war erst 26 und schon Seniorentrainer bei Hersfelds Traditionsclub. Im Laufe der Zeit reizten ihn auch individuelle Trainingsaspekte. Nicht zuletzt, weil Bruder Alexander (18) den Traum vom Profifußball verwirklichen möchte – und die Hilfe des großen Bruders in Anspruch nimmt.

War Alexander vor einem Jahr nicht mehr als A-Junioren-Ergänzungsspieler beim FC Carl-Zeiss Jena, darf er sich nun Regionalliga-Spieler nennen und stand sogar im DFB-Pokal-Erstrundenspiel gegen Bundesligist Werder Bremen auf dem Feld. Nicht zuletzt, weil er im ersten Lockdown von Roman unter seine Fittiche genommen wurde.

„Wir haben ein tägliches Programm abgespult, das es in sich hatte. Da ging es um körperliche Fitness, aber auch um Technik, Torabschluss und Ernährung. Alles Facetten, die wichtig sind“, sagt Roman Prokopenko. Den Erfolg beim kleinen Bruder treibt Prokopenko nun an, um Talente zu entwickeln. Rund 30 sind in der jüngst gegründeten Fußballschule unterwegs. Und gerade im zweiten Lockdown sei es für die Kinder eine willkommene Abwechslung einmal pro Woche im Individualtraining Gas zu geben.

Weitere Infos zur Fußballschule: soccer-academy-bebra.de

Kommentieren