Spieler im Blickpunkt

Jugendlicher Leichtsinn und ein Traum

25. November 2020, 14:17 Uhr

Stets mit Leidenschaft auf dem Platz: Nico Weitzel (blau) von der SG Grebenhain/Bermuthshain. Foto: Charlie Rolff

Oft werden Leistungsträger auf die Topscorer beschränkt. Doch was ist mit den eher unauffälligen Spielern, die aber einen hohen Stellenwert besitzen? Wir schauen auf die oft vergessenen Helden. Heute: Nico Weitzel von A-Ligist Grebenhain/Bermuthshain.

Mit seinen 35 Jahren befindet sich Nico Weitzel im zweiten Frühling seiner Laufbahn und hat an ein mögliches Karriereende noch keinen Gedanken verschwendet. „Ich bin immer noch hungrig und werde meinen Platz so schnell nicht hergeben“, betont der zentrale Mittelfeldspieler. Auch für Trainer Patrick Scheibelhut ist der „Oldie“ ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. „Was er noch leistet, ist Wahnsinn“, lobt der 47-Jährige. Seine unterschätzten Stärken sind das Zweikampfverhalten, das Lesen des Spiels und der unbändige Ehrgeiz, alles zu geben. „Ich gebe nie auf und bin immer mit 100 Prozent dabei“, gibt er bescheiden zu.

Manchmal aber ist sein Ehrgeiz sogar zu groß, was dem 35-Jährigen das ein oder andere Problem brachte. Nach der Partie gegen den SV Müs II (2:1) half er noch am selben Tag bei der zweiten Mannschaft gegen Gundhelm/Hutten III (0:3) aus und zog sich einen Muskelfaserriss zu. Die Dauer der Pause: Vier Wochen. „Das war dann wohl mein jugendlicher Leichtsinn“, scherzt Weitzel, der in der letzten Begegnung vor der erneuten Unterbrechung sein Comeback feierte. Ansonsten gilt der Mittelfeld-Akteur als akribischer Arbeiter, der stets an seinen Fehlern arbeiten möchte. „Nico hört immer zu und möchte die Tipps gleich auf sein Spiel übertragen. An seinem Willen, etwas zu lernen, können sich viele junge Spieler ein Beispiel nehmen“, verdeutlicht Scheibelhut.

Auch neben dem Platz ist Weitzel wichtig für den Verein und verbringt „von sieben Tagen sechs am Sportplatz“, sagt sein Trainer. Neben der Seniorenmannschaft ist Weitzel noch als A-Junioren Trainer bei der JSG Freiensteinau tätig, die er zusammen mit seinem Cousin coacht. „Sie haben vor einem Jahr einen neuen Trainer gesucht und dann hat sich das Engagement so ergeben.“ Wie die Schützlinge von Weitzel habe der 35-Jährige aber selbst noch nicht ausgelernt, betont Scheibelhut. „Ab und zu sind im Spielaufbau zu viele Fehlpässe dabei. Wenn er nach Ballgewinn noch schneller umschaltet, können wir uns noch mehr Chancen erspielen.“

Bis jetzt das Quäntchen Glück gehabt

Dass Grebenhain/Bermuthshain von ganz oben in der Liga grüßt, liege nach Ansicht des 35-Jährigen an der Euphorie-Welle, auf der das gesamte Umfeld aktuell schwimmt. Zu erwarten war dies zu Beginn der Vorbereitung aber nicht. „Wir hatten einen kleinen Kader und schon das Schlimmste befürchtet. Die Stimmung hat sich aber in der Vorbereitung komplett geändert“, blickt Weitzel zurück. Dank der Neuzugänge Mino Kraft, Kevin Helfrich und Trainer Patrick Scheibelhut kam neuer Wind in die Mannschaft und die Breite des Kaders passte auch.

Das Resultat: 21 Punkte aus acht Spielen und Tabellenplatz eins. „Ich bin allerdings ehrlich und muss gestehen, dass wir das Quäntchen Glück bis jetzt auf unsere Seite hatten“, verdeutlicht der 35-Jährige. Einige Begegnungen wurden trotz durchwachsener Leistung gewonnen, weshalb der erste Platz zu Buche steht. „Unser Ziel ist es jetzt, oben dabei zu bleiben. Die Liga ist sehr ausgeglichen, weshalb es bis zum Schluss spannend bleiben wird“, wagt der Mittelfeldmann eine Prognose. Und wer weiß, vielleicht kann sich ja der 35-Jährige seinen Traum nach der Spielzeit 2020/21 erfüllen. „Mich würde es freuen, wenn ich noch einen Aufstieg miterleben würde.“

Steckbrief

Name: Nico Weitzel.
Spitzname im Verein: "Der Name ist bereits kurz genug".
Geburtsdatum: 27.07.1985.
Im Verein seit: 2004.
Position: Zentrales Mittelfeld.
Rückennummer: 8.

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