Keine fünf Wechsel

"Müssen nicht jeden Mist der Profis mitmachen"

11. August 2020, 14:43 Uhr

Müssen Spieler wie Alexander Reith (hier noch im Barockstadt-Trikot) auf der Bank Platz nehmen, dürfen sie weiterhin auf eine von nur drei Einwechslungen hoffen. Foto: Charlie Rolff

Fünf Einwechselspieler in einer Partie, wie es in der Bundesliga seit der Corona-Spielpause der Fall ist, wird es im hessischen Amateurfußball nicht geben. Darauf verständigten sich die Offiziellen des Hessischen Fußball-Verbands.

„Wir haben in den vergangenen Wochen Anfragen von Vereinen und Trainern zu diesem Thema erhalten. Beim Abwägen aller Argumente dafür und dagegen haben wir entschieden, dass wir bei unserem herkömmlichen Verfahren bleiben“, erklärt der Spielbetriebschef Jürgen Radeck. Das herkömmliche Verfahren heißt: Es gibt weiterhin drei Einwechselspieler, bis zur Kreisoberliga darf zudem aus- und wieder eingewechselt werden. „Das haben andere Verbände zum Beispiel nicht, wir sind damit aber immer gut gefahren“, so Radeck.

Zwei Hauptargumente führt der Ortenberger auf, warum es künftig keine fünf Einwechselspieler geben wird: Einerseits sollen Mannschaften, die über einen kleineren Kader als andere verfügen, nicht mit dieser neuen Regel bestraft werden. Der zweite und wichtigere Punkt sei der, dass die Spieler sich bei vermehrten Auswechslungen dann in ihren ersten Mannschaften festspielen würden und am Ende der Saison nicht mehr in der Reserve aushelfen könnten – nach Paragraph 26 der Spielordnung heißt es nämlich, dass in den letzten vier Spieltagen einer zweiten oder dritten Mannschaft kein Spieler zum Einsatz kommen darf, der mehr als sechs Rückrunden-Einsätze vorzuweisen hat. „Das würde das Aussterben der Reserven bedeuten“, betont Radeck, der abschließend erklärt: „Wir müssen auch nicht jeden Mist der Profis mitmachen.“

Für Andrijasevic "eine der sinnvollsten Regeln, die es je gab"

Bei den hiesigen Trainern stößt diese Haltung teils auf Verwunderung. Romeo Andrijasevic findet beispielsweise deutliche Worte: „Für mich wäre die Einführung dieser Regel nicht der Tod der Reserven, sondern die Hochgeburt des Vereinssports. Je mehr Spieler ich einsetzen darf, desto mehr kann ich auch glücklich machen“, so der Trainer von Gruppenligist FT Fulda. „Ich habe noch von niemandem etwas Negatives über die neuen Wechselmöglichkeiten in der Bundesliga gehört, jeder Trainer nutzt sie. Für mich ist es eine der sinnvollsten Regeln, die es je gab. Ich finde es deshalb Wahnsinn, dass wir sie nicht nutzen dürfen. Gerade angesichts der vermehrten Spiele in kürzerer Zeit.“

Deutlich entspannter sieht es Anton Römmich, Coach des Verbandsligisten SGBad Soden: „Bei den jetzigen Temperaturen wäre es sicherlich eine gute Möglichkeit gewesen, im Normalfall sehe ich aber keine Diskussionsgrundlage. Ich denke da gerade an die Vereine, die nicht auf jeder Position doppelt besetzt sind und nicht profitieren könnten“, so der 33-Jährige. Niclas Rehm, Reserve-Coach des Hünfelder SV, ist ähnlicher Meinung: „Ich hätte die Situation mit fünf Wechseln angenommen, kenne es aber seit jeher mit nur drei und tendiere eher dazu“, so der Trainer-Novize, der dabei auch an die letzten Spieltage der Saison denkt. „Wir sind ja immer abhängig von oben und freuen uns über jede Unterstützung der ersten Mannschaft.“

Autor: Steffen Kollmann

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