27.05.2020

Dürfen jetzt Flieden, Kressenbach/Ulmbach und Co. hoffen?

Was Hessen Kassels Aufstieg für die Zweitplatzierten bedeuten könnte

"Was ist nun? Dürfen wir aufsteigen oder nicht?", scheint sich nicht nur Fliedens Luca Gaul zu fragen. Foto: Kevin Kremer

Am Dienstagabend gab Sascha Döther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest, bekannt, dass neben den Oberliga-Meistern auch der KSV Hessen Kassel aufsteigen darf. Was bedeutet das nun für andere Zweitplatzierte?

Bislang war klar: Bei einem bevorstehenden Saisonabbruch wurde festgelegt, dass es Aufsteiger (meist nur der Meister) gemäß Punktequotient geben soll, aber keine Absteiger. Zudem kündigte der Hessische Fußball-Verband (HFV) nach seiner letzten Verbandssitzung an, dass für die Zweitplatzierten eine Lösung gefunden werden soll – nur war unklar, inwieweit diese aussehen sollte. Alle potenziellen Relegations- und Aufstiegsspielteilnehmer aufsteigen zu lassen, so wie es Schleswig-Holstein beispielsweise macht, würde nämlich für deutlich größere Ligen auf Verbandsebene sorgen.

Durch die Entscheidung, Hessen Kassel in die Regionalliga aufsteigen zu lassen, ist nun Bewegung in den Fall gekommen. Der KSV hatte argumentiert, dass der beste der drei Oberligen-Zweiten doch den festgelegten vierten Aufstiegsplatz einnehmen könnte, und bekam seinen Wunsch durchgesetzt.

Der Präsident des HFV, Stefan Reuß, hatte sich bereits öffentlich für Hessen Kassels Aufstieg eingesetzt: "Der Hessische Fußball-Verband steht hinter Hessen Kassel", sagte Reuß, der sich damit auch für seinen eigenen Verband in die Bredouille gebracht hat. Denn wie könnte man argumentieren, dass Hessen Kassel als Zweitplatzierter aufsteigen soll, alle anderen Relegations- und Aufstiegsspielteilnehmer aber nicht?

Flieden wäre bereit, Rechtsmittel auszuschöpfen

Ähnlich wie die Situation des KSV ist die des SV Buchonia Flieden, der bester Zweiter aller drei Verbandsligen ist. Für Vorstandsmitglied Frank Happ gibt es deshalb jetzt nur eine Möglichkeit: Flieden muss ebenfalls hoch. "Ich bin der Meinung, dass es dem HFV schwerfallen dürfte, anders zu argumentieren – zumal durch Kassels Aufstieg nun auch ein zusätzlicher Platz in der Hessenliga zur Verfügung steht", so Happ.

Der Stellvertretende Vorsitzende war von Anfang an der Meinung, bei einer Saisonwertung die Zweitplatzierten nicht unter den Tisch kehren zu dürfen. "Man muss sich ja die Frage stellen, warum man potenzielle Absteiger mit den Klassenerhalt belohnen sollte, aber Tabellenzweite bestrafen will. Bis vor kurzem wurde über die Zweiten ja nicht einmal diskutiert, obwohl Schleswig-Holstein und inzwischen auch Rheinland-Pfalz alle Tabellenzweiten aufsteigen lässt."

Deshalb hat sich inzwischen auch eine Whatsapp-Gruppe unter Zweitplatzierten gegründet, in der schon 37 Vereine Mitglied sind. Ein Thema dort ist unter anderem, ob alle Clubs geschlossen rechtliche Schritte einlegen würden, wenn der Verband gegen den Aufstieg der Zweitplatzierten entscheiden würde. Der SV Flieden wäre dazu jedenfalls bereit: "Wir sind inzwischen soweit, dass wir ernsthaft darüber nachdenken, in einem solchen Fall Rechtsmittel auszuschöpfen", betont Happ.

Spielordnung liefert keine klare Vorgabe

Sollte sich der Verband dagegen entscheiden, alle Zweiten aufsteigen zu lassen, könnte zumindest eine ähnliche Lösung wie bei Hessen Kassel ein Thema werden – sprich der vom Punktequotient beste Zweite einer Aufstiegsrunde oder Relegation darf aufsteigen. Das wäre in der Aufstiegsrunde zur Hessenliga Buchonia Flieden, zur Verbandsliga Dörnberg und zur Gruppenliga Kressenbach/Ulmbach. In den Kreisoberligen könnten sich beispielsweise der Zweite der A-Liga Fulda und A-Liga Rhön um einen Aufstiegsplatz zur Kreisoberliga Mitte streiten, in diesem Fall würde der Türkische SV Fulda vor Ehrenberg II landen.

Übrigens: Aus der Regionalliga-Spielordnung geht nicht zwingend hervor, dass es vier Aufsteiger geben muss. Dort heißt es nur: "... bis zu vier Vereine der Regionalliga Südwest nachgeordneten Spielklassen der Landes- und Regionalverbände (können) sich sportlich qualifizieren und in die Regionalliga Südwest aufsteigen." Genauer festgelegt sind die Bestimmungen auch nicht in den unterklassigen Ligen. Dort heißt es nur, dass der Tabellenzweite die Relegation beziehungsweise Aufstiegsspiele bestreiten darf. Jürgen Radeck, der für den Spielbetrieb der Senioren zuständig ist, war am Mittwochmorgen für eine Stellungnahme noch nicht zu erreichen.

Autor: Steffen Kollmann

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