06.02.2020

Der KSV ist zu allem fähig

Hessenliga: Kassels Aufstieg fest eingeplant

Sergej Evljuskin und der KSV Hessen Kassel haben in der Restrunde ein klares Ziel vor Augen. Foto: Charlie Rolff

Dass der KSV Hessen Kassel als Schwergewicht der Hessenliga zählt und von den Möglichkeiten her nur temporär in dieser Spielklasse verweilen sollte, dürfte jedem Kenner einleuchten. Im Vorjahr scheiterte der direkte Wiederaufstieg in die Regionalliga Südwest letztlich am Abzug von fünf Punkten wegen der Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls. Diesmal wird es keine administrative Strafe geben und sportlich stehen den Nordhessen auf Rang drei zur Winterpause nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem Trainerwechsel im Herbst alle Aufstiegsmöglichkeiten offen.

So lief die bisherige Runde:

Mit Dietmar Hirsch präsentierten die Löwen im Sommer einen ehemaligen Bundesligaspieler als Trainer. Der 48-jährige Viersener blieb jedoch nur knapp drei Monate im Amt, da sich Hessen Kassel nach überwiegend enttäuschenden Ergebnissen in der Anfangsphase der Saison im Oktober nur auf Rang acht befand. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen den überraschenden Spitzenreiter FC Eddersheim, der ersten Pleite im Auestadion seit fast zwei Jahren, beendeten die Verantwortlichen die Zusammenarbeit mit dem Fußball-Lehrer aus Nordrhein-Westfalen.

Vier Siege, vier Remis und drei Niederlagen in der Liga sowie das peinliche Ausscheiden in der zweiten Hessen-Pokal-Runde beim Verbandsligisten SV Adler Weidenhausen (1:4) waren eine Bilanz, die nicht nur schlechte Kritiken in der Öffentlichkeit und in der Folge Verunsicherung bei den Spielern auslöste. Auch die sonst so treuen Fans reagierten sauer.

Stimmungsboykott, Fan-Proteste und Diskussionen mit Spielern waren unangenehme Begleiterscheinungen. Der Verein war gezwungen die Reißleine zu ziehen, da der Aufstieg in dieser Phase in immer weitere Ferne zu rücken schien. Der bisherige Co-Trainer Tobias Damm übernahm das Zepter mit seinem neuen Assistenten Sebastian Busch und das war der Wendepunkt der Saison.

Beide sind eng mit dem KSV verbunden und spielten viele Jahre für die Erste Mannschaft, Damm kommt auf fast 200 Punktspiele für die Löwen. Dank dieser Identifikation und der sofortigen Einstellung positiver Resultate konnte die Unterstützung der Fankurve zurückerlangt werden. Das 2:0 gegen den SV Steinbach war der Beginn einer atemberaubenden Erfolgsserie: Bis zum 7. Dezember wurden 25 von 27 möglichen Punkten eingefahren, auch die SG Barockstadt (2:3) und der SV Neuhof (1:4) mussten sich Kassel geschlagen geben.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Stammtorhüter Niklas Hartmann verdrehte sich gegen Steinbach das Knie und fällt seitdem aus. Seit der 68. Minute dieser Partie steht Neuzugang Maximilian Zunker zwischen den Pfosten, der vom benachbarten Rückzieher FSC Lohfelden kam. In neun Partien kassierte der Keeper lediglich sieben Tore und erwies sich als sicherer Rückhalt. In der Offensive kam mit Alban Meha ein erfahrener Mann hinzu, der mit zehn Toren in 19 Spielen zu überzeugen wusste. Kein Wunder, schließlich spielte der vom Regionalligisten SV Elversberg gekommene 33-jährige mit dem SC Paderborn in der Bundesliga und ist zudem Nationalspieler des Kosovo. Innenverteidiger Alexander Mißbach kam vom TuS Erndtebrück aus der Oberliga Westfalen und absolvierte zuverlässig alle 20 Partien. Dagegen kam Offensivspieler Nasuf Zukorlic nur auf 441 Einsatzminuten in zwölf Spielen.

In Erinnnerung bleibt:

Die gute Offensivleistung im Auftaktspiel bei Eintracht Stadtallendorf wurde bei der 3:4-Niederlage durch individuelle Abwehrfehler wertlos. Im Rückspiel drei Wochen später gelang Meha in der Nachspielzeit der 2:2-Ausgleich gegen die Ferrerostädter. 2:2 ging auch das Nachholspiel bei Hessen Dreieich aus, welches aufgrund von Tribünenschäden nach einem heftigen Gewitter im Kreis Offenbach am ursprünglichen Termin im September ausgefallen war. Dabei führte Kassel bis zur 89. Minute mit 2:0 und kassierte in der Nachspielzeit den Ausgleich. Es blieben die einzigen Punktverluste unter der Leitung von Damm. Mit 59 geschossenen Toren verfügt Hessen Kassel offensiv über eine wahnsinnige Qualität. Kein Verein hat mehr Tore geschossen, Eddersheim und die Barockstadt (beide 22) sowie Tabellenführer Stadtallendorf (24) aber weniger kassiert als Kassel (26.). Neben Meha trägt vor allem der routinierte Stürmer Mahir Saglik viel zum Erfolg bei. Der 15-fache Torschütze spielte einst auch in der Bundesliga. Zuschauertechnisch ist Kassel der Krösus der Liga. Der Schnitt im 18737 Plätze fassenden Auestadion beträgt 1380 Fans. Und auch auswärts sorgen die Löwen für volle Kassen bei den Heimvereinen, stellen die Clubs aber auch aufgrund der für diese Spielklasse nicht üblichen Fanklientel vor organisatorische und logistische Herausforderungen. Die Pressekonferenz findet nach den Heimspielen im VIP-Raum statt, der auch in kulinarischer Hinsicht höheren Ansprüchen genügt.

Ausblick:

Der ehemalige Zweitligist KSV Hessen Kassel sieht sich vom Selbstverständnis als Profiklub und verfügt ligaweit von den infrastrukturellen Möglichkeiten her über die besten Bedingungen. Selbstredend, dass der Aufstieg in die Regionalliga in dieser Saison unbedingt realisiert werden soll. Dafür hat sich der Club auf dem Wintertransfermarkt mit Innenverteidiger Kevin Nennhuber vom Regionalligisten FC Gießen und Stürmer Hüseyin Cakmac vom Drittligisten Würzburger Kickers enorm verstärkt. So ist der KSV zu allem fähig und es dürfte knapp zum geplanten Aufstieg reichen. Ob die Regionalliga über die Aufstiegsrunde erreicht wird oder vielleicht doch sogar auf dem direkten Weg als Meister, bleibt eine spannende Frage. Spitzenreiter Stadtallendorf hat momentan die besseren Karten und hat bei einem Spiel mehr sieben Punkte Vorsprung auf Kassel. Dahinter rangiert der FC Eddersheim mit einem Spiel und zwei Punkten mehr als die Nordhessen, die noch das Nachholspiel am Ostermontag beim FV Bad Vilbel als Faustpfand in der Hinterhand haben. Außerdem kommt es noch zum direkten Duell beim Tabellenzweiten Ende April. Am 2. Mai schlägt der KSV mit seiner Fangemeinde beim SV Steinbach auf, während die Barockstadt am 16. Mai womöglich zu einem wichtigen Spiel um den Aufstieg im Auestadion gastiert. Für Aufsteiger SV Neuhof könnte indes das Gastspiel am 30. Mai der letzte Auftritt auf der Hessenliga-Bühne darstellen.

Autor: Pedro Acebes

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