04.02.2020

Anspruchshaltung beendete kurze Velte-Ära

Hessenliga: Waldgirmes spielt solide Saison

Der SC Waldgirmes und Max Schneider spielen einmal mehr eine solide Runde in der Hessenliga. Foto: Charlie Rolff

Auch die dritte Saison des SC Waldgirmes nach der Rückkehr in die Hessenliga verläuft solide. Als Tabellenneunter stehen die Lahnauer gut da. Dennoch gab es zur Winterpause einen mehr als ungewöhnlichen Trainerwechsel bei den Mittelhessen. Der erst im Sommer verpflichtete Otmar Velte und der SCW trennten sich einvernehmlich. Der Coach sei zu anspruchsvoll für die Hessenliga und zu profihaft für den SC Waldgirmes und gehöre eigentlich in eine Profiliga, so die nicht alltägliche Begründung der Sportlichen Leitung. Mit dem neuen Trainer Mario Schappert soll in der Restrunde der einstellige Platz gehalten werden.

So lief die bisherige Saison:

Nach den Plätzen fünf und neun in den vorangegangenen Spielzeiten gelang es Velte relativ schnell, trotz eines großes personellen Umbruchs, den SCW in der Erfolgsspur zu halten. Den Abgängen von Leistungsträgern wie Dennis Lang (FC Eddersheim), Nicolas Strack (FSV Fernwald) und Tolga Duran (Sportfreunde Siegen) sowie dem Einbau junger Spieler zum Trotz, zahlte sich sein Fleiß und seine akribische Arbeitsweise schnell in guten Ergebnissen aus. Mehrfach wurde Velte bei Spielbeobachtungen auf Hessenliga-Sportplätzen auf der Tribüne gesichtet. So war der Start mit dem 1:1 gegen Aufsteiger Hanau und dem 1:0 in Baunatal mit vier Punkten passabel, bevor es gegen Aufstiegsanwärter Hessen Kassel die erste Niederlage setzte (1:2). Vier Siege aus den folgenden fünf Partien katapultierten Waldgirmes im Spätsommer gar in das obere Tabellendrittel, ehe die SG Barockstadt zu ihrer Glanzzeit an den Lahnauen aufkreuzte und mit dem 2:0 die drei Zähler mitnahm. Nichts zu holen gab es indes für den SV Steinbach (0:2) und den SV Neuhof (2:3), beide kehrten mit leeren Händen vom Gastspiel im Kreis Wetzlar zurück. Im Herbst blieb der SCW in fremden Gefilden hilflos, das 1:4 in Kassel Ende November war die sechste Auswärtsniederlage in Folge. Allgemein lief es zu dieser Zeit schlechter, denn es gab nur einen Sieg in acht Partien. Erst die beiden Siege zum Jahresende beim Doppelpack gegen Dietkirchen (3:1/3:2) bewahrten Waldgirmes vor dem Absturz in die Abstiegszone. Gegen die Reckenforstler war der SC übrigens in der 2. Runde des Hessen-Pokals mit 1.3 ausgeschieden.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Von Mittelfeldspieler Barbaros Koyuncu versprach man sich viel, schließlich kam der Deutsch-Türke vom Regionalligisten FC Gießen und hatte schon mit dessen Vorläufer SC Teutonia Watzenborn-Steinberg in der 4. Liga gespielt. Doch aufgrund von Verletzungen verpasste er die ersten zehn Spiele und konnte erst ab Oktober mitwirken. Auch Mittelstürmer Robin Dankof vom TuS Dietkirchen war nur in sieben Spielen im Einsatz und markierte zwei Tore. Durch einen Schien- und Wadenbeinbruch, den sich der Angreifer beim 5:3 bei Viktoria Griesheim zuzog, ist die Saison seitdem für ihn gelaufen. Mit Laurin Dante de Bona aus der eigenen Reserve, die nur eine Klasse tiefer in der Verbandsliga Mitte spielt, hat ein Offensiv-Allrounder aus den eigenen Reihen den Sprung in die Hessenliga geschafft. Das gilt auch für Abwehrspieler Rouven Ter Jung. Der defensive Mittelfeldspieler Luis Stephan vom Verbandsligisten SSV Langenaubach kam indes auf 17 Einsätze. Darüber hinaus erkämpfte sich Robin Dirk Fürbeth (FSV Braunfels/Gruppenliga) einen Stammplatz im Mittelfeld.

In Erinnerung bleibt:

Neben der Verletztenmisere im Herbst natürlich die Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Nachfolger von Daniyel Bulut. Der SC sei eher ein Familienverein, arbeite eher auf der emotionalen Ebene, hieß es in einer Pressenotiz. Velte habe alles sachlich und fachlich gesehen, das Verhältnis zu den Spielern habe aufgrund seines Anspruchsdenkens in den letzten Wochen seiner Tätigkeit gelitten. Der Ex-Coach des FSC Lohfelden räumte zum Abschied ein, dass es ihm nicht gelungen sei, alle Spieler davon zu überzeugen, dass sein Weg in der Umsetzung der richtige sei, um erfolgreich zu sein. Im November und Dezember hatte sich Velte wegen starker Rückenbeschwerden krank gemeldet und in dieser Zeit gelangen Waldgirmes unter der Regie des mitspielenden Co-Trainers Oliver Schmidt und Lukas Hartmann an der Seitenlinie drei Siege. Denkwürdig war die 2:3-Niederlage im Nachholspiel bei Hessen Dreieich, als Torhüter Fabian Grutza nach einem Disput mit Toni Reljic die Rote Karte sah und Ersatztorhüter Ricardo Alpsoy in der Nachspielzeit ein Lapsus unterlief, als er einen haltbaren Flatterschuss von Canel Burcu passieren ließ. Ansonsten ist vom Umfeld her zu sagen, dass die Hessenliga für den Verein das Maximum in Sachen Spielklasse darstellt. Der SCW war 2009 Hessenliga-Meister und verzichtete seinerzeit aufgrund fehlender infrastruktureller Begebenheiten auf den Aufstieg in die Regionalliga. Der Sportplatz an den Lahnauen fasst offiziell 3500 Besucher, neben einem Rasenplatz steht auch ein Kunstrasen parallel zur Verfügung. Im gemütlichen Vereinsheim findet nach den Spielen noch das sogenannte Trainergespräch statt. Mit 295 Besuchern im Schnitt belegt der SCW Platz fünf in der Zuschauertabelle.

Ausblick:

Der neue Trainer Mario Schappert kommt aus eigenem Hause und war bislang Spielertrainer bei der Zweiten Mannschaft in der Verbandsliga Mitte. Zudem konnte mit dem Eritreer Natnael Tega der Torjäger des FC Gießen II (18 Spiele/13 Tore) losgeeist werden. Desweiteren war der Sportclub auf der Torhüterposition tätig. Aufgrund des Ausfalls des Keepers Jan Düring wurde der zuletzt vereinslose Roman Seshko verpflichtet. Mit 29 Punkten kann der SCW keineswegs gelassen in die Restrunde gehen. Der erste mögliche Abstiegsplatz ist nur sechs Punkte entfernt. Dennoch besteht kein Anlass zur Sorge, denn das Team hat sich im Laufe der Runde gefunden und weiterentwickelt. Die Frage ist, ob die Handschrift des neuen Trainers gleich erkennbar sein wird. Sollte das der Fall sein, ist ein einstelliger Tabellenplatz realistisch. Auf Osthessen-Tour begibt sich der SC im März und April. Nacheinander gastieren die Lahnauer in Steinbach, Fulda und Neuhof.

Autor: Pedro Acebes

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