19.12.2019

„Können das unseren Opas nicht antun“

A-Liga Fulda: Florian und Tobias Bleuel sind die Dauerbrenner bei der FSV Steinau/Steinhaus

Zwei treue Seelen: Florian (links) und Tobias Bleuel sind seit eh und je mit ihrem Heimatverein verwurzelt. Fotos: Charlie Rolff, Kevin Kremer

Die FSV Steinau/Steinhaus und die Bleuel-Brüder. Das passt allem Anschein nach wie die Faust aufs Auge, schließlich sind Florian (28) und Tobias (25) Bleuel mit 1530 Einsatzminuten die Dauerbrenner schlechthin beim Tabellenzweiten der A-Liga Fulda.

Es scheint, als könnte weder Florian noch Tobias ohne den Bruder gemeinsam auf dem Feld stehen. Und gleichwohl bemerken beide, dass es „irgendwie cool ist, wenn wir beide zusammen kicken.“ Vor knapp zehn Jahren kam Florian, der ältere Bruder, in den Seniorenbereich. Tobias folgte zwei Jahre später – und fortan mischten sie das Treiben auf. Erst als Jungspunde, mittlerweile als gestandene Akteure. Wäre da nur nicht die zweijährige verletzungsbedingte Pause von Florian gewesen, der mit einem Kreuzbandriss passen musste.

„Am Anfang unserer gemeinsamen Zeit hatten wir eine richtig gute Truppe, mit der wir in der Kreisoberliga sogar oben mitgespielt haben. Nach und nach hat sich das Team verändert, was allerdings bei jedem Dorfverein so ist, bei dem kein Geld gezahlt wird“, erinnert sich Florian zurück. Besonders als sein jüngerer Bruder in den Seniorenbereich reinrutschte, gab es einen Aufschwung. „Wir hatten einen starken Jahrgang, der sich aber dann in viele Richtungen getrennt hat“, weiß Tobias.

Die Richtung bei den Bleuels war derweil immer dieselbe. Erst die SG Steinau, dann ab 2016 die FSV Steinau/Steinhaus. Die Gründe liegen wohl in der Familie. „Unser Vater und unsere Opas haben bereits in Steinau gespielt. Von klein auf sind wir Steinauer, zudem sind die Großeltern und Eltern Woche für Woche am Sportplatz. Wir können das unseren Opas gar nicht antun, woanders hin zu wechseln. Hier macht der Fußball Spaß, und unsere Opas sind Ultras“, meinen beide unisono.

Dass Fußball das allseits bestimmende Thema bei Familienfeiern ist, scheint da fast logisch. Ein abendfüllender Plausch unter den Männern kommt jedoch nicht bei allen Angehörigen gut an, wie beispielsweise Tobias‘ Freundin: „Sie beschwert sich hin und wieder, wenn wir ausschließlich über Fußball reden. Es gibt aber auch immer etwas zu bereden. Die Opas sind Dortmund-, Flo ist Eintracht- und ich Bayern-Fan“, frohlockt der Außenverteidiger. „Früher war der Tobi den ganzen Tag schlecht gelaunt, wenn die Bayern mal verloren haben“, entgegnet Florian hingegen, der eigentlich erst seit 2012 so richtig Anhänger der SGE ist. Vor sieben Jahren durfte der Innenverteidiger nämlich bei der 1:20-Pleite der SG Steinau gegen den Bundesligisten mitwirken, spielte damals gegen den Kanadier Rob Friend.

Familienintern liegt Tobias vorn

Doch wer ist eigentlich der bessere der Bleuels? Zieht man die Statistiken der diesjährigen Saison heran, geht der Punkt ganz klar an Tobias. Der 25-Jährige war nämlich bereits zwei Mal vor dem gegnerischen Tor erfolgreich, während Florian noch auf seinen ersten Treffer wartet. „Allerdings habe ich schon zwei Tore vorbereitet“, verrät der 28-Jährige schmunzelnd, um hinterherzuschieben, „dass ich diese Statistik unbedingt noch ausgleichen muss. Den familieninternen Konkurrenzkampf will ich nicht verlieren.“

Geht es derweil um die Stärken beider, überhäufen sich die gegenseitigen Komplimente. „Tobi ist einer der besten Außenverteidiger in der Liga. Das ist schon ganz gut, was er jede Woche abreißt“, sagt der in Würzburg wohnhafte Florian, der als Qualitätsingenieur bei Brose Fahrzeugteile arbeitet. „Flo ist hingegen bombenfit, sowohl läuferisch als auch krafttechnisch. Mit seinen 1,91 Metern ist er zudem ein Hüne, was echt gut ist, denn so ist er ein großer Rückhalt in der Innenverteidigung“, entgegnet Tobias, der als Simulationsanwender bei EDAG PS in Fulda arbeitet.

In der Mannschaft, die sich untereinander überragend versteht und deshalb auch den Abstieg in der vergangenen Spielzeit so beachtlich weggesteckt hat, kommen gerne einmal lustig gemeinte Sprüche über das Brüderpaar. „Weil bei uns alles so super harmoniert, spielen wir dieses Jahr oben mit“, weiß Florian. „Die Favoriten auf den Aufstieg sind zwar Sickels und der Türkische SV, aber wir sind in Schlagdistanz“, fügt Tobias hinzu. Dessen Bruder nickt zustimmend – und Einigkeit herrscht außerdem, wenn es um die Zukunft geht. Denn ein Wechsel steht bei keinem der Urgesteine zur Debatte, vielmehr soll es die Kreisoberliga mit dem FSV Steinau/Steinhaus sein: „Wir sind sehr ehrgeizig. Es wäre genial, wenn wir mit unserem Heimatverein aufsteigen würden.“

Autor: Tobias Konrad

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