09.12.2019

"Es gibt Kritik - aber intern"

Hessenliga: Martin Geisendörfer im Gespräch

Vorstand Martin Geisendörfer schaut hoffnungsvoll Richtung 2020. Foto.Charlie Rolff

Die Hinserie der Hessenliga ist zu Ende und die SG Barockstadt hat alle Höhen und Tiefen miterlebt. Nach nun absolvierten 21 Partien überwintert die Mannschaft auf Rang vier. Zumindest der zweite Platz, der zu den Aufstiegsspielen zur Regionalliga berechtigt, ist noch in Schlagdistanz. Wir ziehen im Gespräch mit dem Vorsitzenden Martin Geisendörfer (62) eine Zwischenbilanz.

Wie fällt ihre persönliche Bilanz der ersten Halbserie aus?

Man muss schon ehrlich sagen, dass wir nicht ganz zufrieden sind. Die Mannschaft hat toll angefangen. Die ersten Wochen waren überraschend stark, da haben wir meiner Meinung nach sogar ab und an über unserem Niveau gespielt. Mittlerweile hat uns die Realität so ein bisschen eingeholt. Unser Anspruch ist es da oben mitzuspielen, aber für ganz oben muss alles zusammen passen. Sobald ein paar Leistungsträger ausfallen und manche nicht ihre Normalform bringen, dann sieht man schon, dass es schwer wird, ganz vorne mitzuspielen.

Wo haben Sie als Verantwortlicher denn die Missstände ausgemacht, die für die Schwächephasen gesorgt haben?

Als plötzlich Andre Fließ ausgefallen ist, da hat dann zeitgleich auch Dominik Rummel zwei, drei Spiele passen müssen. Dann kam hinzu, das wir in der Abwehr, in der wir zu Beginn der Saison hundertprozentig standen und praktisch null Fehler gemacht haben, plötzlich Böcke geschossen haben. Das hat dann auch nichts mit der taktischen Vorgabe des Trainers zu tun, sondern das waren fast immer persönliche Fehler, die prompt bestraft worden sind.

Wird man in der Winterpause trotzdem über die Personalie Sedat Gören reden?

Wir setzen uns mit dem Trainer zusammen und werden die Halbserie Revue passieren lassen. Dann werden wir uns auch über die nächste Saison unterhalten, in welcher Form wir da weiter zusammenarbeiten.

Ein neuer Trainer für die Restrunde ist also kein Thema?

Nein, auf keinen Fall.

Wenngleich die Mannschaft in der Breite gut aufgestellt scheint: Wie sieht es hinsichtlich Verstärkungen in der Winterpause aus?

Wir haben einige Mentalitätsspieler in unseren Reihen, die leider lange ausgefallen sind. Ich denke da an Julian Pecks, der ja so einer ist, der innerhalb der Truppe immer wieder für gute Laune sorgt. Auch Kevin Hillmann und Dennis Müller haben zuletzt lange gefehlt. Das sind solche Typen, die auf dem Platz top dagegenhalten. Die werden uns in der Rückrunde wieder zur Verfügung stehen und dann sind wir so aufgestellt, dass wir keine Verstärkungen brauchen. Sollte sich was interessantes ergeben, dann muss man schauen. Auch wenn einer unzufrieden ist und meint, er müsste den Kader verlassen und wechseln, dann muss man sich unterhalten. Geplant ist zum jetzigen Stand aber nichts.

Die SG Barockstadt will die zweite Mannschaft endgültig zu einer U23 umfunktionieren ...

Unser Ziel ist es, dass wir ganz klar mehr Richtung U23 gehen wollen, wobei man nie ohne eine Achse auskommen wird, die gestanden ist. Sonst hast du in der Verbandsliga keine Chance. Die Jugendlichen benötigen nach dem Wechsel ins Seniorenlager körperlich einfach immer ein, zwei Jahre, bis sie soweit sind.

Wann kann man mit der offiziellen Nachfolge für Reservecoach Marco Lohsse rechnen?

Das ist auf Fälle noch für dieses Jahr angedacht. Vielleicht klappt es ja noch in dieser Woche.

Nochmal zum Hessenligateam: Wie lautet die Zielsetzung für die zweite Saisonhälfte?

Die Zielsetzung ist eindeutig: ganz klar oben dran zu bleiben. Wir haben Stadtallendorf und Eddersheim noch daheim, wobei wir auswärts bislang ja fast stärker waren als zu Hause.

Was viele Anhänger stört, ist die Tatsache, dass viele Dinge einfach schöngeredet werden. Dieser Eindruck entsteht zumindest. Wäre ein bisschen mehr Selbstkritik nicht angebracht, um den Erfolg nicht zu gefährden?

Wir müssen es ja nicht nach außen darstellen, wenn wir mit etwas nicht zufrieden sind. Das handhaben wir lieber intern. Es wird schon deutlich angesprochen, wenn Leistungen schlecht waren. Es gab tatsächlich schlechte Spiele und da ist die Kritik der Medien auch absolut gerechtfertigt. Wir als Vorstand sollten uns aber nicht nach außen hinstellen und dann noch auf die Mannschaft draufschlagen. Das machen wir hinter verschlossenen Türen.

Autor: Ralph Kraus

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