21.09.2019

Mulitmäzen Klapp: Ich bin kein Verlierer

Auf Spurensuche des "Feindbilds"

Foto: Klapp Cosmetics

Eric Cantona ist der Inbegriff des Enfant terrible im englischen Fußball. Eine sinngemäße Übersetzung lautet „Bürgerschreck“. Dem Vernehmen nach soll Gerhard Klapp das Enfant terrible des nordhessischen Fußballs sein. Eine Spurensuche.

Ende Juli, genauer gesagt am ersten Verbandsliga-Spieltag zwischen Sand und Ehrenberg, lohnte sich die Reise nach Bad Emstal nicht nur wegen eines packenden Spiels. Im Stadionheftchen wurde Seite drei großflächig mit einer Scheckübergabe beschlossen. Die Nachricht: Gerhard Klapp beteiligt sich diesmal mit 74.000 Euro am Saisonetat. Eine Hausnummer für einen Verbandsligisten. Gleichzeitig eine in Osthessen nicht gekannte Vorgehensweise, dass ein Sponsor mit der Höhe seines Engagements hausieren geht. Eine Nachfrage bei Sands Pressesprecher Jörn Bochmann dementsprechend unablässig. Seit Jahren, sagt Bochmann, werde Klapps Zutun veröffentlicht. Er wolle das so, der SSV habe nichts dagegen und sei äußerst glücklich, dass Klapp den Verbandsligisten unterstütze. Jahr für Jahr steige die Summe, die fruchtbare Zusammenarbeit besteht seit über einem Jahrzehnt. Dass die fetten Jahre irgendwann vorbei sein können, ist Bochmann bewusst. Verbandsliga, so viel ist klar, wäre auf dem hohen Niveau der vergangenen Jahre nicht zu halten.

Bochmann sicherte gleichzeitig zu, dass er bei Klapp anfragen würde, ob er denn seine Mobilnummer weiterreichen dürfe. Zwei Stunden später hatte ich sie. Doch bis ein Termin vereinbart war, gingen einige Wochen ins Land. Zeit, zu recherchieren. 18 Unternehmen hat Klapp gegründet, die sich alle um die Schönheit drehen. Kosmetik „made in Germany“ ist sein Kerngeschäft, das ihn finanziell unabhängig gemacht hat. Zig Awards im Beauty-Bereich konnte er einstreichen, sein vor 40 Jahren aufgebautes Unternehmen zu einem weltweit agierenden Imperium erweitern. In diesem Jahr erwarte das Unternehmen 33 Millionen Euro Umsatz. Tendenz steigend.

Buddhas zieren die Wohlfühloase

Am Telefon war Klapp stets kurz angebunden. Dementsprechend offen meine Erwartungen an das Interview. Ins Navi muss „Klapp-Allee“ eingetippt werden, um ohne Umwege zu seinem Firmensitz in Hessisch Lichtenau zu gelangen. Dort angekommen, erstreckt sich auf einem ehemaligen Militär-Gelände rechts die Produktion und links das Verwaltungsgebäude. Bereits am Parkplatz ist eine Leidenschaft Klapps nicht zu übersehen: ein Bugatti, ein McLaren und direkt vor der Tür ein zweifarbiger Rolls Royce. Klapp mag schnelle und teure Autos. Später verrät er, dass er auch noch einen Lamborghini besitzt.

In der lichtdurchfluteten Eingangshalle angelangt, wird deutlich, dass Klapp Stil besitzt. Perfekt eingerichtet mit aus Kambodscha stammenden Buddha-Figuren, meterhohen Bäumen und einem kleinen Teich mitten im Raum. Der Geruch gleicht dem eines Wellnesstempels. Angenehm. Genau wie Klapps Begrüßung. Fester Händedruck, ein leicht schelmisches Lächeln und sogleich das „Du“ auf den Lippen. Die recherchierten 71 Lebensjahre sind ihm nicht anzusehen.

Viermal 70.000 bis 100.000 Euro

Und auch nicht die über ihn vorherrschende Meinung. Er selbst macht keinen Hehl daraus, dass er streckenweise nicht gelitten ist. „Ich habe im Fußball Feinde“, sagt er frei heraus und spielt beispielsweise auf das Team seines Sohnes an, der bei Kreisoberligist TSG Fürstenhagen kickt. „Die unterstützt er mit seinem Geld. Ich nicht. Das ist eine Mannschaft, die bei Turnieren nicht gegen meine Mannschaften antreten will. Das ist doch Kindergarten“, sagt Klapp. Sein Geld steckt Klapp derzeit in vier Vereine: Sand, die Gruppenligisten BC Sport Kassel und den Lichtenauer FV, der in der persönlichen Gunst vone liege, sowie in das zweite Team und die Juniorenarbeit von Hessen Kassel.

„Zwischen 70.000 und 100.000 Euro ist das Engagement jeweils angesetzt“, verrät Klapp, der erklärt, warum der Fokus nicht auf einen Verein gelegt wird: „Mein Ziel ist es nicht, mit einem Team mal gegen Hessen Kassel in der Regionalliga zu spielen. Vielmehr will ich die Spitze des Breitensports unterstützen. Ich bin jemand, der oft vom Glück geküsst wurde, viel mehr als eine Zeitung und einen Kaffee benötige ich ja nicht. Und so lange es finanziell gut läuft, möchte ich was zurückgeben. Ich spende auch viel.“

"In meiner Firma bin ich der liebe Gott"

Dass die Vereine dabei ab und an wechseln, ist für Klapp leicht erklärbar: „Ein Verein muss wie eine Firma geführt sein. Für mein Geld will ich auch die Zielvorgaben erfüllt wissen. Wenn Vereine das nicht hinbekommen, muss man sich neu zusammensetzen.“ Klapp sagt, dass er kein Verlierer-Typ sei, nicht gegen den Abstieg spielen wolle. Gleichermaßen stellt er klar, „dass mir nachgesagt wird, dass ich entscheiden will. Das ist völlig falsch. Ich will aber auch nicht, dass es in einem Verein zu viele Entscheider gibt. Dann bleibt der Erfolg auf der Strecke. In meiner Firma bin ich der liebe Gott und damit fahre ich gut.“ Ist die Zusammenarbeit so vertrauensvoll wie beim SSV Sand, übersteht sie auch ein Jahrzehnt. Das Engagement steigerte sich dabei wieder und wieder. „Aber nicht, weil ich unbedingt mehr Geld geben will, sondern weil altgediente Sponsoren wegfallen und zu wenige neue nachkommen. Ich bin dafür da, dass das Niveau gehalten werden kann.“

Zum Fußball kam Klapp als Kind, spielte selbst für seinen Heimatverein in Istha. „B-Liga“, wie er erklärt. Gut sei er nicht gewesen, ein Verteidiger eben. Doch Fan war er immer. Er erlebte die besten Jahre des KSV Hessen Kassel in der 2. Liga von der Tribüne aus mit, wenngleich er sein Fanherz bereits früh an Eintracht Frankfurt verloren hatte. Gerade dem KSV Hessen wünscht Klapp nur das Beste, will, dass der Verein wieder in ruhigere Fahrwasser gelangt. „Aber auch da ist das größte Problem, dass es zu viele Leute gibt, die entscheiden wollen. So kann der Verein nicht zur Ruhe kommen. Das Auestadion mit seiner Infrastruktur hat mindestens Regionalliga nötig und verdient.“

Doch weil Hessen Kassel den Aufstieg erneut zu verpassen droht, könnte eines seiner Teams in der kommenden Saison tatsächlich im Auestadion antreten: Der SSV Sand befindet sich auf Kurs. Genugtuung wäre es für Gerhard Klapp nicht. Ganz im Gegenteil.

Der Geschäftsmann:

Gerhard Klapp ist in Nordhessen verwurzelt. Als Sohn einer Bauernfamilie blieb ihm der von ihm angestrebte Bildungsweg verwehrt. Nach der Volksschule diente er unter anderem am Bundeswehrstützpunkt in Hessisch Lichtenau. Mit 20 Jahren begann er die Ausbildung zum Heilpraktikter, fünf Jahre später war er als praktizierender Heilpraktiker tätig.

Auf der Suche nach Perfektion begann Klapp damit, Cremes mit Wirkstoffen zu versetzen. 1980 begann der Vertrieb der ersten Produkte vom damaligen Firmensitz in Ahnatal, ab 1990 erfolgte die Steuerung der gesamten Unternehmensstrategien vom neuen Firmensitz in Hessisch Lichtenau unter dem neuen Namen „Klapp Cosmetics“.

2009 schloss sich für Gerhard Klapp der Kreis, denn in diesem Jahr folgte der Umzug der Firma auf das ehemalige Bundeswehrgelände in Hessisch Lichtenau an. 18 Unternehmen hat Klapp gegründet, die allesamt unter dem Deckmantel der „Klapp Group“ firmieren. In diesem Geschäftsjahr ist ein Umsatz von 33 Millionen Euro angestrebt, seine Produkte sind weltweit erhältlich. Der 71-Jährige hat in Sohn Maurice einen legitimen Nachfolger auserkoren, will jedoch noch bis zum 80. Lebensjahr selbst die Geschäfte leiten.

Autor: Johannes Götze

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