18.09.2019

Rot für den Trainer – und dann?

Das passiert nach Karten gegen Amateurcoaches

Dass Regionalliga-Schiedsrichter Joshua Herbert Karten an Spieler (hier Fliedens Fabian Schaub, rechts Barockstadts Franz Ruppel) verteilt, gehört zum Alltag. An Bestrafungen für Trainer müssen sich die Fußballfans aber noch eine Weile gewöhnen. Foto: Charlie Rolff

In den Profiligen wurde in den vergangenen Wochen heiß diskutiert: Trainer sind so gar nicht damit einverstanden, dass sie nach der vierten Gelben Karte zum Zuschauen verdammt werden. Sehen sie Rot, sind sie mindestens ein Spiel weg vom Fenster. Doch wie verhält sich das Ganze eigentlich in den Amateurligen des Hessischen Fußball-Verbandes? Die Regularien sind von Hessenliga bis zur C-Liga gleich.

„Eigentlich hat sich gar nichts geändert“, sagt Horst Holl zur Verfahrensweise bei Gelben, Roten oder Gelb-Roten Karten gegen Teamoffizielle. Der Vorsitzende des Regionalsportgerichts Fulda war vor zwei Wochen in der Sportschule Grünberg, um wie seine Kollegen gebrieft zu werden. Einzige Neuerung ist, dass der Sonderbericht, den Schiedsrichter bei einer Roten Karte gegen Spieler schon zuvor auszufüllen hatten, nun um die Spalte „Teamoffizielle“ erweitert worden ist.

Ergo: Wird ein Teamoffizieller ermahnt oder bekommt eine Gelbe oder Gelb-Rote Karte, hat das für ihn keinerlei Konsequenzen, außer dass er bei einer Gelb-Roten Karte den Innenraum bis Spielende zu verlassen hat. Eine Sperre folgt weder nach einer bestimmten Anzahl von Gelben Karten noch bei einer Gelb-Roten Karte. Eine Rote Karte ist hingegen mit dem früheren Verweis hinter die Barriere zu vergleichen. Der Schiedsrichter muss nun zwingend einen Sonderbericht ausfüllen, den die Sportrichter von Fall zu Fall untersuchen.

Holl findet die Verfahrensweise gut

Möglichkeiten gibt es deren vier: Es ist ein lapidarer Vorfall und es passiert nichts, der Teamoffizielle wird verwarnt, der Teamoffizielle erhält eine Geldstrafe oder aber der Teamoffizielle wird gesperrt. Eine zwingende Sperre ergibt sich – im Gegensatz zum Profifußball – bei einer Roten Karte also nicht. Eine Ausnahme gibt es: Verhält sich der Teamoffizielle nach der Gelb-Roten Karte unflätig, kann der Schiedsrichter dennoch einen Sonderbericht verfassen. So passiert beim bislang einzigen Platzverweis in der Gruppenliga in dieser Saison. Der betreffende Trainer kam allerdings um eine Sperre herum.

„Die subjektiven Meinungen gehen dazu natürlich auseinander, aber ich finde es gut, dass jede Situation einzeln bewertet und ein Offizieller nicht zwingend gesperrt wird“, gewährt der Rotenburger Sportrichter Einblick in seine Denke.

Autor: Johannes Götze

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