09.09.2019

Scheiden tut weh – sehr weh

KOL Mitte: Kapelle über seinen Rücktritt in Lütter

Für Matthias Kapelle lief das Fass nach der Derbypleite gegen Welkers über. Foto: Charlie Rolff

Scheiden tut weh. Und bei der TSG Lütter derzeit noch ein bisschen mehr als das, fällt doch den Verantwortlichen wie auch dem nun ehemaligen Trainer Matthias Kapelle die Trennung sehr schwer. Kapelles Nachfolger und bisheriger Torwarttrainer Marco Bieber wird keine Frist gesetzt, die Mannschaft des Mitte-Kreisoberligisten ist nun in der Pflicht.

So richtig schlecht lief es in Lütter im ersten Saisondrittel nicht, aber auch nicht richtig gut. Fakt ist, dass der einstige Gruppenligist den eigenen Ansprüchen als Siebter bisher nicht gerecht geworden ist, zudem hat der bescheidene Auftritt der Grün-Weißen am vergangenen Freitag, ausgerechnet im brisanten Derby gegen Nachbar Welkers (1:2), etwas mit Kapelle gemacht. „Die Art und Weise der Niederlage war katastrophal“, muss der auch zu Wochenbeginn noch sehr niedergeschlagene 38-Jährige feststellen.

Kapelle, der fast zweieinhalb Jahre am Lütterer Sauerbrunnen tätig war, ist immer noch auf Spurensuche, warum die TSG in dieser Runde einfach nicht in Fahrt kommen wollte: „Wir haben irgendwie keine Konstanz reinbekommen, von Spiel zu Spiel, aber auch während eines Spiels. Beim 3:3 in Haimbach hatten wir das Spiel beispielsweise schon bei 3:1 abgehakt, und dann fressen wir hintenraus noch zwei Dinger.“ Dass Mentalitätsspieler wie Konstantin Höhl, René Breitenbach und Julian Hauner lange ausgefallen sind beziehungsweise immer noch fehlen, sei ein weiteres Mosaiksteinchen für die Krise. „Mit den beiden wären wir in der vergangenen Saison aufgestiegen“, ist sich Kapelle sicher.

Zuletzt sei nach den Spielen im Mannschaftskreis aber hin und wieder auch Unmut aufgekommen. „Der eine klagt über zu wenig Spielzeit, der andere über das falsche System. Mancher hat die Schuld nicht immer als erstes bei sich gesucht“, so Kapelle, der noch eine Nacht über die Welkers-Pleite geschlafen hatte, ehe er Samstagvormittag seinen Rücktritt anbot: „Ich wollte das beste für den Verein. Ich habe eine derart enge Bindung zur TSG aufgebaut und es tut mir in der Seele weh, dass es vorbei ist. Doch durch meinen Rücktritt ist den Spielern ein Alibi genommen, sie sind jetzt in der Pflicht, das zweifelsfrei vorhandene Potenzial auszuschöpfen.“

Bieber ist keine Interimslösung

Marc Leipold pflichtet Kapelle bei, „dass wir den eigenen Erwartungen hinterherhinken und uns nicht auf dem richtigen Weg befinden.“ Den Ur-Lütterer, der noch unter Kapelle gespielt hat und mittlerweile ins Führungsteam aufgerückt ist, schmerzt die Trennung, „weil Matze ein guter Typ ist, er gerade für die jungen Spieler der Fixpunkt war, in Lütter zu spielen. Er lebt den Verein mit jeder Faser, wir hätten die drei Jahre gerne vollgemacht.“ Die ein oder andere Träne sei geflossen, als sich das Vorstandsteam am Samstag geschlossen bei Kapelle zu Hause eingefunden hatte, um von der Entscheidung des 38-Jährigen in Kenntnis gesetzt zu werden. Kapelle will weiter für die Alten Herren aus Lütter spielen, ansonsten erstmal pausieren: „Es hat schon ein neues Angebot für einen Trainerposten gegeben, doch das muss ich jetzt erstmal verarbeiten.“

Einen ersten Impuls auf dem Feld hat der Trainerwechsel indes nicht gebracht, Spiel eins unter Marco Bieber ging in Pilgerzell 1:3 verloren. „Die haben im Moment das Momentum und ,Teddy‘ Metzler, wir eben nicht“, sagt Marc Leipold zum Spiel, der betont, dass Bieber kein Interimstrainer sei: „Marco kennt die Mannschaft, hat ja Matze hier und da mal vertreten und in Poppenhausen und Welkers bewiesen, dass er eine Mannschaft weiterentwickeln kann. Er bekommt von uns keine Frist gesetzt.“

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