16.04.2019

Wird Schiedsrichter-Pflichtsoll revolutioniert?

Verbandsschiedsrichterausschuss legt Entwurf vor

Joshua Herbert (rechts) gehört zu den Vielpfeifern und wird, sollte die neue Regelung kommen, seinem FSV Schwarzbach wohl jede Saison die maximal möglichen 50 Spiele einbringen. Foto: Charlie Rolff

Der Verbandsschiedsrichterausschuss (VSA) um dessen Vorsitzenden Gerd Schugard (Dipperz) und dessen Stellvertreter Karsten Vollmar (Kalkobes) haben gemeinsam mit hauptamtlichen Mitarbeitern des Hessischen Fußball-Verbandes einen Entwurf vorgelegt, um die Regelungen des Schiedsrichter-Pflichtsolls neu zu gestalten.

Derzeit sieht die Spielordnung vor, dass ein Verein pro gemeldeter Herren- und Frauenmannschaft sowie für die Jugendabteilung in Gänze jeweils einen Schiedsrichter zu stellen hat, der das Soll von zwölf Spielleitungen und fünf Pflichtsitzungen pro Saison erfüllen muss. Gelingt dies nicht, wird der am höchsten spielenden Herrenmannschaft pro fehlendem Schiedsrichter ein Punkt abgezogen, dazu eine Geldstrafe abhängig der Spielklasse auferlegt.

Der revolutionäre Entwurf sieht eine ganz andere Berechnung vor: Nicht mehr die Anzahl der Schiedsrichter soll für das Berechnen des Solls der entscheidende Faktor sein, sondern die Anzahl der gesamten Spielleitungen, die die Schiedsrichter für ihren Verein erbringen. Wie viele Spiele zu erfüllen wären, ist äußerst transparent dargestellt: Für Hessen-, Verbands- und Gruppenligisten würden laut Entwurf 30 Spiele pro Mannschaft im Spielbetrieb angesetzt, für alle Ligen darunter 15 Spielleitungen. Bei den Frauen würden ab Hessenliga abwärts zehn zu erbringende Spielleitungen pro Team als Maßgabe gelten.

Online-Seminare sollen kommen

Im Juniorenbereich wären für Hessenligisten 20 Spielleitungen zu erbringen, darunter jeweils zehn Spielleitungen. Bei B-Juniorinnen wären ab Hessenliga abwärts ebenfalls jeweils zehn Spielleitungen vonnöten. G-, F- und E-Junioren-Teams wären „frei“, würden also nicht in das Soll einbezogen. Bei Jugendspielgemeinschaften würden die zu leistenden Spiele auf die beteiligten Vereine der JSG gleichermaßen aufgeteilt. Beispielsweise würden bei einer JSG mit drei angeschlossenen Vereinen für ein A-Junioren-Gruppenligateam jedem Verein vier Spielleitungen auferlegt. Jugendfördervereine würden hingegen autark zu ihren „Stammvereinen“ behandelt.

Eine gewisse Anzahl an Lehrveranstaltungen und/oder neu zu schaffenden Online-Seminaren wären weiterhin Teil des zu erfüllenden Solls, allerdings ist der Entwurf hier noch nicht abschließend gestaltet – gerade in Bezug auf die Anzahl der abzusitzenden monatlichen Präsenzveranstaltungen der Schiedsrichterkreise.

In die vom Verein zu erfüllenden Spielleitungen sollen alle Spielleitungen einfließen, somit auch die der Schiedsrichter, die weniger als zwölf Spiele bestritten haben. Allerdings sollen „Vielpfeifer“ maximal 50 Spiele in die Berechnung ihres Vereins einbringen können. Wie viele Spiele ein Verein zu erfüllen hat, ergäbe sich aus den Mannschaftsmeldungen und soll jeweils bis zum 1. Oktober an die Vereine kommuniziert werden.

Entscheidung am kommenden Verbandstag

Jeder Verein könne in Zukunft im DFB-Net „live“ mitverfolgen, wie viele Spiele in Gänze noch zu erbringen sind. Den Clubs würde noch im Spieljahr die Möglichkeit eingeräumt, auf Missstände reagieren zu können, denn neben den klassischen Neulingslehrgängen der Kreise zu Jahresbeginn sollen im Oktober drei zentrale Lehrgänge (Nordhessen/Mittelhessen/Südhessen) zusätzlich ins Leben gerufen werden.

Bei Nichterfüllung des Schiedsrichter-Pflichtsolls sollen die fehlenden Spiele blockweise sanktioniert werden, beispielsweise fehlende Spielleitungen bis zu 10, 20 oder 30 Partien. Ob hier erneut mit Geld- und Punktabzügen abgestraft wird, geht aus dem Entwurf nicht hervor.

Notwendig ist eine Änderung aus verschiedenen Gesichtspunkten: Einerseits gilt die derzeitige Lösung als nicht gerecht, da vielpfeifende Schiedsrichter nicht bevorzugt werden. Andererseits fällt es den Ansetzern durch die Senkung der zu leistenden Spiele von 15 auf 12 immer schwerer, alle Spiele zu besetzen, da eine Vielzahl der Schiedsrichter nur das Mindestsoll erfüllt.

Verabschiedet werden könnte der Entwurf beim nächsten Verbandstag des Hessischen Fußball-Verbandes im Sommer 2020. Somit könnte das neue Berechnungssystem erstmals für die Saison 2020/2021 gelten.

Einen Kommentar zu den Ideen für ein neues Schiedsrichter-Pflichtsoll lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Fuldaer Zeitung und Hünfelder Zeitung und des Schlitzer Boten.

---

Autor: Johannes Götze

Kommentieren