23.03.2019

Erst die Bayern, nun der OFC, bald der FSV

Meik Voll für eine Woche zu Gast bei den Offenbacher Kickers

Fuldaer Trainer unter sich: Meik Voll (links) im Austausch mit Offenbachs Co-Trainer Max Lesser. Foto: Ralph Kraus

Kickers Offenbach ist so langsam fest in osthessischer Hand: Nach Co-Trainer Max Lesser und Stürmer Moritz Reinhard war mit Meik Voll in dieser Woche ein weiterer Trainer aus unserer Region am Bieberer Berg zu Gast. Der 43-Jährige hospitiert derzeit beim OFC.

Bis Oktober vergangenen Jahres stand Voll noch beim Hessenligisten Buchonia Flieden unter Vertrag. Im „Königreich“ setzte sich der Fuldaer ein Denkmal, als er mit seiner Mannschaft 2017 die Meisterschaft in der Verbandsliga Nord einfuhr. Fast noch höher anzurechnen ist der souveräne Klassenerhalt in der vergangenen Hessenliga-Spielzeit mit dem „Absteiger Nummer eins“, der zudem sogar den Kreispokal gewann.

„Danach habe ich einfach erst mal Abstand gebraucht. Deshalb hat man mich auch auf keinem Sportplatz in Fulda und Umgebung gesehen. Ich musste wieder Kraft tanken und wollte mich weiterbilden. Das habe ich getan“, erklärt Voll, für den die Hospitation beim Südwest-Regionalligisten Kickers Offenbach bereits die zweite seit seinem Abgang in Flieden ist. Vorher war Voll bereits unter Slaven Skeledzic bei der U17 von Bayern München vorstellig geworden, bald erhofft sich Voll beim Regionalligisten FSV Frankfurt mit dem früheren Borussen-Trainer Thomas Brendel in der sportlichen Leitung neue Einblicke in den professionellen Fußball. Dazu nutzte Voll die Zeit, um seine Lizenzen in Grünberg zu erweitern. Nun schnuppert er seit vergangenen Montag bis einschließlich morgen bei den Kickers hinein.

„Ein geiler Verein. Professionell und doch familiär. Die Zeit macht echt Spaß. Leute wie Trainer Daniel Steuernagel, Max Lesser und den Sportlichen Leiter Sead Mehic hatte ich ja schon gekannt. Die meisten Spieler und Verantwortliche wie Torwarttrainer René Keffel oder Teammanager Bernd Winter dagegen habe ich erst kennengelernt. Das sind alles super Typen“, erklärt Voll am Rande des Besuchs am Kickers-Trainingsgelände, direkt neben dem altehrwürdigen Stadion am Bieberer Berg.

Der Kontakt zum OFC kam über Co-Trainer Max Lesser, aber vor allem über dessen „Chef“ Daniel Steuernagel zustande, den Voll aus dessen Zeit bei Teutonia Watzenborn-Steinberg (heute ein Teil des FC Gießen) kennt. „Wir haben telefoniert und Daniel hat mir dann den Termine genannt, an dem es ihm gut rein passt.“ Zweimal haben sich Voll und Steuernagel mit ihren Teams in der Hessenligaspielzeit 2015/16 gegenübergestanden.

Der 43-Jährige ist dankbar für den „Schnupperkurs“: „Die Regionalliga ist nur eine Spielklasse höher als die Hessenliga. Der Unterschied ist aber so was von gewaltig, das ist der Wahnsinn. Das kann sich keiner so wirklich vorstellen, der nicht beide Spielklassen erlebt hat“, so der Ex-Spieler von Borussia Fulda und Petersberg.

"Nur eine Liga höher - und doch ein gewaltiger Unterschied"

„In Offenbach kannst du ganz anders arbeiten: Die Leute hier verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Fußball. Da sind dann zwar Tage dabei, an denen es nur eine Einheit gibt, aber trotzdem verbringt man bis zu neun Stunden auf dem Trainingsgelände. Die Trainer schneiden die Video-Analysen zusammen, planen eine exakte Vorbereitung auf den kommenden Gegner. Das ist alles schon sehr beeindruckend, wie professionell das bereits ab der Regionalliga läuft.“

Auch während der Einheiten sei vieles anders: „In Flieden und bei den sonstigen Vereinen, wo ich bisher tätig war, müssen die Jungs den ganzen Tag arbeiten und stehen dir dann – oftmals abgeschafft – nur am Abend zur Verfügung. In der Regionalliga kannst du tagsüber eine Einheit auch mal locker über zwei Stunden und länger ziehen. Da kann der Trainer das Training unterbrechen und Dinge erklären.“

Am Montag begann der Aufenthalt von Voll in Offenbach. „Durch das Spiel am Sonntag gegen Freiburg II (2:0, d. Red.) war zwar am Montag erstmal nur Auslaufen angesetzt, aber das ganze Drumherum hat sich bereits wieder auf die kommende Partie in Saarbrücken konzentriert.“ Heute reist Voll mit Trainerstab und Mannschaft der Kickers nach Völklingen (Anpfiff 14 Uhr): Dort trägt der Traditionsclub aus dem Saarland wegen der Umbauarbeiten am Ludwigspark bereits seit längerem seine Heimspiele aus. „Ich bin gespannt, wie so ein Spieltag für das Trainerteam und die Mannschaft aussieht“, spürt man die Vorfreude von Meik Voll, der am morgigen Sonntag dann seinen Ausstand gibt.

Der einstige Hessenligaspieler von Borussia Fulda lässt durchblicken, dass er langsam aber sicher wieder bereit ist für neue Aufgaben. Schon seit geraumer Zeit wird ihm Kontakt zum Verbandsligisten SV Neuhof nachgesagt. Doch noch gibt sich der Trainer bedeckt. „Klar ist es mein Ziel, dass ich ab Sommer wieder eine Mannschaft übernehme. Ob das passende Angebot kommt, muss man aber erst mal abwarten. Ich würde nur dann bei einem Club zusagen, wenn der Verein Perspektiven und klare Vorstellungen hat“, macht der Vater von zwei Töchtern klar.

Und Meik Voll mal höherklassig? Vielleicht irgendwo in der Regionalliga? Zumindest beruflich scheint das für den Soldaten machbar zu sein. „Da gäbe es sicher Wege. Ein Arbeitskollege von mir trainiert den Nord-Regionalligisten VfB Oldenburg. Aber das ist weit weg. Wenn die Chance käme, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass ich dann Nein sage“, gibt Voll zu. / kr

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