06.03.2019

Eine komplette Elf steht vor dem Absprung

Verbandsliga: Eichenzell muss neben dem Abstiegskampf auch einen Umbruch managen

Daniel Kratz (links) wird die Britannia wie einige andere Spieler verlassen, den Defensivspezialisten zieht es zum Gruppenliga-Letzten Rothemann. Archivfoto: Kevin Kremer

Heiko Rützel feierte gestern seinen 36. Geburtstag. Grund zur Freude hatte der Coach des FC Eichenzell zuletzt aber nicht, die 1:5-Klatsche zum Verbandsliga-Auftakt gegen Weidenhausen war mehr als ernüchternd. Doch nicht nur das schwierige Unterfangen Klassenerhalt beschäftigt den Spielertrainer momentan: Rützel muss für die kommende Saison auch einen fast komplett neuen Kader zusammenstellen.

Denn schon rund fünf Monate vor Rundenbeginn steht fest, dass gleich neun Spieler dem Verein den Rücken zukehren – zudem gibt es zwei große Fragezeichen. „Es ist ein zweischneidiges Schwert, dass die Abgänge so geballt sind. Natürlich ist es schade, dass sich so viele Spieler verändern möchten, aber der frische Wind, der dadurch reinkommt, kann auch positiv sein“, weiß Rützel. Schwierig wird es insbesondere, die teils langjährigen Leistungsträger zu ersetzen. Top-Torjäger Lucas Maierhof zieht es bekanntlich zurück zu Heimatverein Dietershausen/Friesenhausen, dazu gehen wie bereits berichtet Moritz Müller (Thalau), Abdullah Özsuvaci (Hilders), Marko Madzar (Spielertrainer in Weyhers) und Marius Schultheis (Kerzell).

Gabriel Müller wird darüber hinaus seinen Pass mit nach Mainz nehmen, wo er bereits studiert, zudem sind noch drei weitere Spieler hinzugekommen, die sich allesamt Gemeinderivalen anschließen werden. Am meisten schmerzt der Abgang von Daniel Kratz, der Defensivspezialist wechselt nach Rothemann. Der Grund ist derselbe wie bei Maierhof oder Moritz Müller: Der Aufwand in der Verbands- und teilweise auch Gruppenliga ist den Spielern zu groß. „Die Jungs verlassen Eichenzell ja nicht, weil es ihnen hier nicht gefällt. Aber bei den Spielern haben sich die Perspektiven in Richtung Familie verschoben“, betont der Coach. Oder in Richtung Beruf: Inwieweit Kapitän Dominik Schlag und Torhüter Christian Kirbus deshalb künftig zur Verfügung stehen, steht noch in den Sternen.

Drei bis vier Neuzugänge sollen noch kommen

Anders ist die Sachlage bei den 19-jährigen Adem Akyol (Kerzell) und Patrick Sauerwein (Löschenrod). „Von diesen Nachwuchsspielern bin ich dann schon enttäuscht, denn sie kriegen hier eine Perspektive geboten, gehen aber lieber den Schritt zurück“, bedauert der 36-Jährige, der so einen komplett neuen Kader zusammenstellen muss. Fünf Neuzugänge sind schon fix, mit Alexander Ganß (Bronnzell), Mikael Avanesian, Aron Jahn (beide Kerzell), Rudi Wasirow (Rückers) und Keeper Marcel Röder (Ehrenberg) kommen fast ausschließlich junge, entwicklungsfähige Spieler.

„Drei, vier Neuzugänge sollen es noch sein, wir sind auf der Suche“, so Rützel, der dennoch alles daran setzen möchte, in der kommenden Saison Verbandsliga zu spielen – wenngleich ein Neuanfang in der Gruppenliga vermutlich die leichtere Lösung wäre. „Die Jungs, die zu uns kommen, aber auch unsere Spieler wie die Müller-Bruder, Lukas Heil oder Roman Schad, wollen ja so hoch wie möglich spielen. Der Klassenerhalt bleibt unser erklärtes Ziel.“

Die 1:5-Klatsche zum Restrundenstart gegen Weidenhausen machte allerdings wenig Hoffnung darauf, den Abstiegsplatz in den ausstehenden zehn Spielen noch zu verlassen. Heiko Rützel gibt zu, dass ihn die Niederlage im ersten Moment nachdenklich, bedient und auch ratlos zurückgelassen hat: „Letztlich waren es aber mal wieder die individuellen Fehler, die uns Zählbares gekostet haben, auch wenn es mir langsam peinlich ist, das immer wieder zu wiederholen. Weidenhausen war eine Nummer zu groß für uns, dennoch ist noch alles machbar, die Konkurrenz hat schließlich auch nicht gepunktet.“ Umso wichtiger wird das kommende Spiel in Grebenstein, die TuSpo steht nur einen Zähler vor der Britannia. „Da zählt eigentlich nur ein Sieg“, betont der Coach.

Autor: Steffen Kollmann

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