07.02.2019

Bald in die "natürliche Heimat Verbandsliga"

Hessenligisten von einst: Spvgg. 05 Oberrad

Aljoscha Atzberger (rechts) trägt mittlerweile das Trikot der Spvgg. Neu-Isenburg. Foto: Charlie Rolff

In unserer Serie "Hessenligisten von einst" beleuchten wir den Werdegang jener Vereine, die in der letzten Dekade das hessische Oberhaus verlassen mussten oder sich freiwillig zurückzogen. In der dritten Folge geht es um die Spvgg. 05 Oberrad, die von 2014 bis 2016 ein zweijähriges Gastspiel in der Hessenliga gab.

Für den Aufstieg reichte dem Frankfurter Stadtteilverein in der Saison 2013/14 der Verbandsliga Süd der zweite Platz, weil sich Meister VfR Bürstadt finanziell derart übernommen hatte, dass sich die Südhessen nach Saisonende freiwillig bis in die Kreisoberliga zurückzogen. "Der Aufstieg war überhaupt nicht geplant. Wir waren eher ein Abstiegskandidat", erinnert sich Präsident Stefan Uhl. Trotz Rang drei im Vorjahr musste Trainer Mustafa Fil einen Neuaufbau einleiten und baute auch aufgrund geringer finanzieller Mittel verstärkt auf Talente aus der Region. Dank seines guten Netzwerkes gelang es dem heutigen Friedberger Coach eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen. "Plötzlich hatten wir einen Lauf. Der Aufstieg war ein unvergessliches Ereignis in der Vereinsgeschichte", blickt Uhl zurück. Der Präsident attestiert Fil auch heute noch einen großen Anteil am Erfolg: "Insgesamt waren wir als Verein strukturell nicht wirklich für die Hessenliga aufgestellt. Die Arbeit lag in viel zu wenigen Händen und wir hatten einen kompletten Umbruch im Vorstand. Wenn Fil und sein Team damals nicht so viel Zeit investiert hätten, wäre das sicher schiefgegangen."

Den ehemaligen Coach macht das damals geleistete heute noch stolz: "Oberrad ist und bleibt mein Heimatverein. Und mit diesem in die Hessenliga aufgestiegen zu sein, bleibt unvergessen. Wir konnten den Traum aller Oberräder erfüllen und es war eine schöne Zeit." Strukturell war der Aufstieg ein Quantensprung, auch wenn rechtzeitig zum Aufstieg der berüchtigte Hartplatz in einen Kunstrasen umgewandelt wurde. "Wir haben die Hessenliga immer als Abenteuer betrachtet und wussten, dass wir uns hier nicht dauerhaft etablieren würden. Wir haben den Bogen finanziell nie überspannt und hatten im Vorstand immer das Ziel, den Verein insgesamt zukunftsfähig zu machen", so Uhl in der Rückschau. Angesichts dieser Bedingungen war es fast schon eine Sensation, als Oberrad am vorletzten Spieltag der Saison 2014/15 vorzeitig den Klassenerhalt feierte.

Bemerkenswerte Rückserie führte 15/16 fast noch zum Klassenerhalt

Doch in der folgenden Sommerpause gab es Probleme, weil zahlreiche Leistungsträger durch junge Spieler aus unteren Klassen ersetzt werden mussten. Obwohl während der Runde noch nachjustiert wurde, erwies sich die erfolglose Hinrunde mit nur neun Punkten als zu große Hypothek. Und obwohl in der Winterpause noch einige Stammspieler gingen, gab es eine bemerkenswerte Rückserie mit sechs Siegen und vier Remis, die fast noch den Klassenerhalt gebracht hätte. Zu den Heimspielen strömten zeitweise bis zu 500 Zuschauer. Weil die letzten vier Spiele verloren gingen, wurde Oberrad zum Abstieg verurteilt und zu allem Überfluss gab mit Fil der Vater des Erfolges zum Saisonende seinen Rücktritt bekannt. Ein Schock für den Verein, doch bei Uhl überwiegt die Dankbarkeit: "Er hat im und für den Verein wirklich sehr viel geleistet und ist immer noch ein gern gesehener Gast." Es folgten schwierige Monate: "Den Fehlstart in der Verbandsliga konnten wir nicht mehr aufholen, auch wenn wir mit Baldo Di Gregorio in der Rückrunde Fünfter waren."

Es ging also im freien Fall in die Gruppenliga, wo der Ex-Zweitligaprofi auch heute noch Trainer ist. Nach Rang sechs in der Vorsaison rangiert Oberrad zur Winterpause aktuell auf Platz eins. "Die Gruppenliga hat uns geholfen uns zu konsolidieren. Das Trainerteam arbeitet gut und stabil und das gilt auch für die Grundpfeiler der Mannschaft. Und weiter: "Natürlich bleibt auch die erste Mannschaft ein wichtiger Bestandteil und mittelfristig ist die Verbandsliga auch wieder unser Ziel. Die Spielklasse wird von vielen als eine Art natürliche Heimat des Vereins betrachtet und es wäre schön, wenn wir dort mit vielen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs wieder eine feste Größe wären. Aber dabei gilt: Nicht um jeden Preis. Wichtigstes Ziel war und ist ein lebendiges Vereinsleben."

Autor: Pedro Acebes

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